Stand: 17.07.2020 08:20 Uhr

Rinder aus SH landen in Tierschutz-Hochrisiko-Staaten

Nach 29 Stunden im Tiertransporter ist Schluss. Dann müssen Rinder für 24 Stunden raus aus dem Lkw und bekommen Futter und Wasser. So ist es innerhalb der Europäischen Union geregelt. Und das gilt auch für Rinder-Exporte in Staaten außerhalb der EU. Weil die Vorgaben dort aber nicht immer eingehalten werden, genehmigen die meisten Veterinärämter solche Exporte nicht. In Schleswig-Holstein fertigen die Kreise entsprechende Transporte nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums derzeit nicht ab - im Frühjahr 2019 gab es sogar ein auf vier Wochen befristetes Verbot. Von Januar 2019 bis Februar 2020 aber wurden trotzdem mehr als 3.200 Rinder aus Schleswig-Holstein in sogenannte Tierschutz-Hochrisiko-Staaten wie Usbekistan, Marokko oder Libyen exportiert. Das haben Reporter vom RBB und des ARD-Mittagsmagazins herausgefunden.

Neun von 400 Landkreisen verantwortlich

Seit März 2019 ist nach Auskunft des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministeriums "per Erlass detailliert geregelt, wie eine Genehmigung im Einzelfall geprüft werden muss". Die Voraussetzungen für die Genehmigung eines Tiertransportes seien in allen Bundesländern identisch. Die Tiere aus Schleswig-Holstein wurden nach den RBB-Recherchen für den Export in Bundesländer gebracht, in denen Veterinäre offenbar eher eine Genehmigung für Exporte in Risiko-Staaten erteilen als in Schleswig-Holstein. Deutschlandweit sind nur neun von insgesamt 400 Landkreisen für 97 Prozent aller umstrittenen Exporte verantwortlich. Die meisten davon befinden sich in Niedersachsen und Brandenburg.

Landrat Wendt fordert bundesweites Verbot

Der Landrat im Kreis Steinburg, Torsten Wendt (parteilos), fordert, dass Exporte in Risikostaaten bundesweit verboten werden: "Das Beste wäre, dass man bestimmte Staaten von Tiertransporten generell ausnimmt, weil die Erfahrung zeigt, dass dort regelkonform Tiertransporte gar nicht stattfinden können." Es reiche nicht aus, die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aufzufordern, etwas zu unternehmen.

Wendt fordert außerdem, die Debatte über die Zuständigkeit zwischen Bund und Ländern zu beenden. Erforderlich sei unverzügliches Handeln. "Da sehe ich das Land Schleswig-Holstein und die anderen Länder in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen - in abgestimmer Art und Weise -, dass diese Transportstrecken kontrolliert und überwacht werden und dass da die Tierquälerei gestoppt wird", forderte der Landrat gegenüber NDR Schleswig-Holstein.


17.07.2020 08:20 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es, dass Exporte in Tierschutz-Hochrisiko-Staaten in Schleswig-Holstein seit Anfang 2019 verboten sind. Richtig ist, dass es im Frühjahr 2019 für vier Wochen ein solches Verbot gab.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.07.2020 | 10:00 Uhr

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