Regio Kliniken: Wettkampf um Zentralkrankenhaus startet

Stand: 30.06.2022 08:28 Uhr

Die Standortsuche für das geplante Zentralklinikum im Kreis Pinneberg kann beginnen. Der Hauptausschuss des Kreistags hat einen entsprechenden Beschluss gefasst. Pinneberg und Elmshorn buhlen schon jetzt um den Zuschlag.

von Johannes Tran

Wo soll es stehen, das geplante Zentralkrankenhaus im Kreis Pinneberg? Seit im vergangenen Jahr bekannt geworden ist, dass die Regio Kliniken in Elmshorn und Pinneberg mit mehr als 2.400 Mitarbeitern unter einem Dach zusammengelegt werden sollen, ist viel passiert. Im Mai hatte der Landeskrankenhausausschuss den Plänen zugestimmt.

Absichtserklärung vom Kreis Pinneberg verabschiedet

Jetzt ist das Projekt einen weiteren Schritt vorangekommen. Der Hauptausschuss des Pinneberger Kreistags verabschiedete einen sogenannten "Letter of Intent". Dabei handelt es sich um eine Absichtserklärung, in der das Verfahren der Standortsuche für den Zentralbau geregelt wird. Demnach haben Städte und Kommunen bis zum 16. Oktober Zeit, Flächen für die Bewerbung einzureichen. Im Frühjahr 2023 soll dann feststehen, welcher Standort den Zuschlag bekommt.

Elmshorn und Pinneberg wollen Klinikstandort bleiben

NDR Schleswig-Holstein schrieb alle acht Städte im Kreis Pinneberg an und fragte, ob sie eine Bewerbung fürs Zentralklinikum einreichen wollen. Nur zwei bejahten die Frage bislang und kündigten an, sich bewerben zu wollen: Pinneberg und Elmshorn. Beide Städte wollen also Klinikstandort bleiben. 

Elmshorn: Arbeitsgruppe bereitet Bewerbung vor

"Ich habe nicht eine Minute überlegt. Für mich war vollkommen klar, dass ich meinen Hut in den Ring werfe", sagt der Elmshorner Bürgermeister, Volker Hatje (parteilos). Er beauftragte eine Arbeitsgruppe damit, die Bewerbung vorzubereiten. Laut Hatje sind auch zwei externe Berater dabei. "Ich bin super überzeugt davon, dass wir gute Chancen haben", sagt der Bürgermeister.

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Elmshorn ist "kein Anhängsel von Hamburg"

Elmshorn, meint er, sei wegen der Lage in der Mitte zwischen Hamburg und Itzehoe (Kreis Steinburg) ideal für ein Zentralkrankenhaus geeignet. "Viele Menschen im Süden des Kreises fahren sowieso nach Hamburg ins Krankenhaus. Das muss man bei der Standortsuche berücksichtigen", sagt Hatje. "Wir sind eben kein Anhängsel von Hamburg." Es klingt wie eine Spitze gegen die Stadt Pinneberg, die direkt an der Hamburger Stadtgrenze liegt.

Hatje bringt eine Fläche ins Spiel, die in Sichtweite der jetzigen Klinik gelegen ist. Zurzeit steht dort eine Baumschule. Der Besitzer kündgte aber an, das Grundstück verkaufen zu wollen, sollte Elmshorn den Zuschlag erhalten. Zusammen mit einer weiteren Fläche könne die Stadt den Regio Kliniken damit insgesamt elf Hektar Baugrund anbieten, erklärt der Bürgermeister.

Viel Platz für neuen Gesundheitscampus in Elmshorn

"Wir halten sie für perfekt geeignet", sagt der Elmshorner Bürgermeister. Die Flächen seien direkt an die Autobahn und die Bundesstraße angebunden, auch der öffentliche Nahverkehr könne dort komplett aufs Zentralklinikum ausgerichtet werden. "Mit diesen unglaublichen Erweiterungsflächen haben wir die Chance, aus dem laufenden Betrieb heraus einen neuen Gesundheitscampus aufzubauen."

Pinneberg hält Flächen für Bewerbung noch geheim

Mit welchen Flächen sich die Stadt Pinneberg bewerben möchte, will die Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) im Gegensatz zu ihrem Elmshorner Kollegen nicht verraten: "Ich kann da jetzt nicht in die Tiefe gehen." Die Stadt habe aber geeignete Grundstücke, um das Tauziehen ums Zentralkrankenhaus zu gewinnen.

Bürgermeisterin: "Bewerbung hat Top-Priorität"

Auch im Pinneberger Rathaus bereitet eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe die Bewerbung vor. Sechs Mitarbeiter der Verwaltung gehören dem Team an. "Ganz klar, die Bewerbung hat für uns Top-Priorität", sagt Steinberg. Ebenso wie ihr Elmshorner Kollege argumentiert sie mit einer guten Erreichbarkeit: "Wir haben hier drei Autobahnausfahrten und zwei Bahnhöfe. Das Wichtigste ist doch, dass die Menschen schnell zur Klinik kommen. Und das können sie in Pinneberg."

Zwei Drittel der Menschen im Kreis würden im südlichen Teil - und damit im Pinneberger Einzugsgebiet - leben, erläutert Steinberg. "Es sind kurze Wege nach Elmshorn, nach Tornesch, nach Uetersen, nach Wedel. Und von daher ist der zentrale Standort einfach hier."

Zentralkrankenhaus in bestehende Strukturen einfügen

Die Bürgermeisterin sieht außerdem die bereits vorhandene medizinische Infrastruktur in der Stadt als Argument für Pinneberg. Das Zentralkrankenhaus könne sich ohne Weiteres in die bestehenden Angebote einfügen. "Wir haben hier Reha-Zentren, eine Vielzahl von Ärzten, spezialisierte Apotheken und vieles mehr. Pinneberg ist also das Gesundheitszentrum schlechthin."

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Ebenso wie ihr Elmshorner Konterpart gibt sich Bürgermeisterin Urte Steinberg betont siegesgewiss: "Natürlich glaube ich daran, dass wir mit der Bewerbung Erfolg haben werden." Sie weiß die Rückendeckung der Kommunalpolitik hinter sich: Die Pinneberger Ratsversammlung hatte im vergangenen Jahr nach dem Bekanntwerden der Zentralisierungspläne eine Resolution auf den Weg gebracht - mit dem erklärten Ziel, Pinneberg als Klinikstandort zu erhalten.

Weitere Städte und Gemeinden können sich noch bewerben

Kommunen und Städte im Kreis werden nun im August Post von den Regio Kliniken erhalten. In dem Schreiben werden sie aufgefordert, mögliche Grundstücke für die Zentralklinik zu benennen. Sie haben dann eine Frist von acht Wochen, um geeignete Flächen vorzuschlagen. Es ist also noch möglich, dass neben Pinneberg und Elmshorn weitere Städte und Gemeinden in den Wettkampf um die Zentralklinik einsteigen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 29.06.2022 | 19:30 Uhr

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