Stand: 09.05.2019 20:42 Uhr

Reederei Colorline ist Landstrom in Deutschland zu teuer

Die erste Landstromanlage für große Passagierschiffe ist am Donnerstag im Kieler Seehafen offiziell in Betrieb gegangen. Sie soll in Zukunft täglich die Fähren der Reederei Colorline mit Landstrom versorgen. Auf diese Weise sollen die Emissionen mit Schiffsdiesel deutlich sinken. Die täglich Kiel anlaufenden Fähren der Reederei Colorline "Color Fantasy" und "Color Magic" verbrauchen während ihrer Liegezeiten im Kieler Hafen jährlich rund vier Millionen Kilowattstunden. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 1.000 Vier-Personen-Haushalten.

Ein Schiff im Kieler Hafen.

Landstrom in Kiel: Zu teuer für die Reedereien?

Schleswig-Holstein Magazin -

1,5 Millionen Euro wurden in die Landstromanlage in Kiel investiert. Doch ob die von den Reedereien auch genutzt wird, hängt vom Strompreis ab. Bisher ist der Dieselmotor billiger.

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Nutzung von Landstrom deutlich teurer als Diesel

Die Reederei hat aber nicht zugesagt, dass die Fähren während ihrer vierstündigen Liegezeit im Kieler Hafen den Anschluss auch dauerhaft nutzen werden. Grund dafür: Der Reederei ist der Strom zu teuer. Colorline Geschäftsführer Dirk Hundertmark sagte: "Aktuell ist die EEG-Umlage das größte Problem. Sie macht den Strompreis momentan in Deutschland sehr teuer. Es gibt aber Gespräche, dass die EEG-Umlage für Schiffe - und damit für die Nutzung von Landstrom - reduziert werden soll. Darauf setzen wir sehr stark."

Die Nutzung der Anlage hänge von den Rahmenbedingungen ab, so Hundertmark. Die Reederei fordert, dass die EEG-Umlage für den Landstrom reduziert wird, um die Stromkosten zu verringern. "Wenn man das nicht ändert, wird die Nutzung sehr eingeschränkt sein", so Dirk Hundertmark. Zurzeit koste es sechsstellige Beträge pro Jahr mehr, Landstrom zu nutzen.

EEG-Umlage: Wieso, wie hoch, warum?

Mit der EEG-Umlage wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert. Gewerbliche und auch private Verbraucher müssen diese Umlage zahlen. Von Jahr zu Jahr steigt die Ökostromzulage. 2012 flossen je verbrauchter Kilowattstunde (kWh) 3,59 Cent auf das Umlagenkonto - seit dem 1. Januar 2018 liegt die EEG-Umlage bei 6,792 Cent je kWh.

Maßnahmen sind geplant - aber ohne Termin

Norbert Brackmann, der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, kündigte ein Maßnahmenpaket an, um den Reedereien zu helfen: "Das eine ist natürlich das Thema, dass wir zur Anpassungen bei der EEG-Umlage kommen. Dann gibt es andere staatliche Kosten wie zum Beispiel die Stromsteuer. Das Zweite ist eine Investitionsförderung. Das Dritte ist, dass wir vorschlagen, europaweit eine Anschlusspflicht zu vereinbaren. Dann gibt es keine Wettbewerbsverzerrung mehr und dann spielt auch der Preis nicht mehr die entscheidende Rolle. Das Vierte ist, dass wir uns überlegen ein Förderprogramm zu machen für mobile Landstromanlagen." Der Bund werde den Weg frei machen, um Landstrom konkurrenzfähig zu machen, sagte Brackmann zu. Das Maßnahmenpaket solle Ende des Monats den Ländern vorgeschlagen werden. Wann die Maßnahmen umgesetzt werden sollen, sagte der Koordinator dagegen nicht.

Vorbild Norwegen: Auslastung der Landstromanlage 95 Prozent

Durch die Nutzung von Landstrom soll der umweltschädliche Schadstoff-Ausstoß von Schiffsdiesel deutlich gesenkt werden. Denn wenn die Schiffe am Kai liegen, müssen die Dieselgeneratoren nicht mehr durchgängig laufen. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Luftreinhaltung, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Ein Vorbild für die Nutzung von Landtstrom ist Norwegen. Die Anlage in Oslo wird täglich genutzt, wenn die Schiffe im Hafen liegen. Die Auslastung liegt bei rund 95 Prozent, so Seehafen-Geschäftsführer Dirk Claus. Er erklärt: "Es funktioniert in Norwegen, weil der Strom sieben Cent kostet pro Kilowattstunde. Bei uns sind es 18 Cent. Das ist schon ein erheblicher Unterschied."

Zweite Anlage am Ostseekai in Kiel

Im Mai kommenden Jahres soll dann eine zweite Landstromanlage in Kiel am Ostseekai ihren Betrieb aufnehmen. Sie soll Kreuzfahrtschiffe und die Stena-Line-Fähren versorgen und rund 15 Millionen Euro kosten. Laut dem Geschäftsführer des Seehafens Kiel, Dirk Claus, rechnet das Unternehmen damit, dass von rund 170 Kreuzfahrtanläufen, die Kiel im Jahr hat, zunächst rund 80 mit Landstrom versorgt werden.

"Die Reedereien haben uns angesprochen und gesagt, sie würden gerne Landstrom nehmen. AIDA, TUI und auch die Holland America Line haben schon Absichtserklärungen unterschrieben", sagte Claus NDR Schleswig-Holstein. Er schätzt, dass 2021 60 Prozent aller Schiffe, die in den Kieler Seehafen kommen, mit Landstrom versorgt werden.

BUND lobt Landstromanlage - wenn Ökostrom genutzt wird

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) lobt das Vorhaben: Wenn es schon Kreuzfahrer geben müsse, dann sei eine Landstromanlage gut - solange der Strom aus erneuerbaren Energien komme, so eine Sprecherin in Kiel. Claus beteuert, der Seehafen beziehe nur zertifizierten Öko-Strom für die Landstromanlage.

Demonstranten in Kiel mit Protestschildern.

Demonstranten fordern Landstrom-Pflicht

Schleswig-Holstein Magazin -

Rund 200 Demonstranten haben in Kiel gefordert, dass Reedereien dazu verpflichtet werden, Landstrom zu nutzen. Bisher dürfen Reedereien das selbst entscheiden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.05.2019 | 19:30 Uhr

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