Stand: 12.10.2019 10:00 Uhr

Raps: Schleswig-Holstein verliert gelbe Pracht

von Julian Marxen

Immer weniger Landwirte in Schleswig-Holstein wollen Raps anbauen.

Raps so weit das Auge reicht. Es ist ein Anblick, an dem sich viele Schleswig-Holsteiner im Frühsommer gar nicht satt sehen können. Auch Urlauber lieben die leuchtend gelben Felder. Ein duftendes Postkartenmotiv, das für viele genauso zu Schleswig-Holstein gehört wie Nord- und Ostsee. Doch wie lange noch? Jahr für Jahr klagen Bauern über schlechte Erträge. Immer mehr Landwirte bauen deshalb keinen Raps mehr an.

Rückgang auf 66.000 Hektar Anbaufläche

Es lohne sich nicht mehr, sagen viele Bauern. Und auch die Landwirtschaftskammer konstatiert: "Es wird so wenig Raps angebaut wie seit 20 Jahren nicht mehr." In früheren Jahren, so die Kammer, habe die normale Anbaufläche hierzulande noch zwischen 90.000 und 100.000 Hektar gelegen. Im vergangenen Jahr waren es laut Statistik nur noch 66.000 Hektar. Ein Negativtrend, der sich wohl in den kommenden Jahren fortsetzen wird, prophezeit der Bauernverband.

Einsatz von Pflanzenschutzmittel fällt weg

Aber warum setzen immer weniger Landwirte auf Raps? Laut Bauernverband liegt das unter anderem daran, dass der Verkaufspreis für die Ölfrucht gesunken ist. Außerdem verbieten neue EU-Verordnungen inzwischen Pflanzenschutzmittel, die den empfindlichen Raps früher sehr wirksam vor Schädlingen geschützt haben. Dabei geht es vor allem um das Verbot der Saatgutbeize mit Neonikotinoiden, die unter anderem mit für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden.

Landwirte müssen nun eine Alternative für ihre Felder finden. "Getestet werden unter anderem robuster Hafer oder eiweißreiche Ackerbohnen, die sich als Futter für Mastschweine eignen", berichtet Holger Schädlich vom Bauernverband in Ostholstein. Auch mit Soja werde vereinzelt experimentiert.

Imker erwarten weniger Rapshonig

Einen der Verkaufsschlager aus Schleswig-Holstein können all diese Experimentier-Sorten nicht ersetzen: den Rapshonig. Der Landesverband der Imker geht davon aus, dass die Menge des Rapshonigs abnehmen und der Verkaufspreis dementsprechend steigen wird.

Den Bienen selbst sei der Rapsrückgang aber egal, erklären Imker. Die Tiere würden sich einfach andere Blühpflanzen suchen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.10.2019 | 12:00 Uhr

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