Stand: 13.11.2019 18:27 Uhr

Problemwolf reißt erstmals auch Tiere in Ostholstein

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Der sogenannte Problemwolf mit der Kennung GW924m ist erstmals auch in Ostholstein aufgetaucht und hat dort zwei Schafe gerissen.

In der Nähe von Ahrensbök (Kreis Ostholstein) hat ein Wolf vor rund drei Wochen zwei Schafe gerissen, die sich nicht hinter einem wolfssicheren Zaun befanden. Nach Angaben des Umweltministeriums in Kiel handelt es sich dabei um den Wolf mit Kennung GW924m. Das hätte eine DNA-Analyse ergeben, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Ob ein weiterer Nutztierriss am 31. Oktober in Stockelsdorf im Kreis Ostholstein ebenfalls auf das Konto von GW924m geht, wird nach Angaben des Ministeriums noch geprüft.

Vorher hatte der Wolfsrüde in den Kreisen Steinburg, Pinneberg und Segeberg etliche Tiere auch hinter speziellen Herdenschutzzäunen gerissen. Deshalb ist der sogenannte Problemwolf in diesem Gebiet seit Ende Januar zum Abschuss freigegeben. Eine Ausweitung der Abschusserlaubnis auf den Kreis Ostholstein sei derzeit nicht geplant, sagte der Ministeriumssprecher. Unklar ist noch, ob der Wolf auf seinen Wanderungen auch Tiere in Mecklenburg-Vopommern getötet hat. Es gebe Verdachtsmomente, die aber noch nicht erhärtet seien, sagte der Koordinator für die Wolfsbetreuung in Schleswig-Holstein, Jens Matzen. Das Rissbild bei toten Weidetieren bei Güstrow im Landkreis Rostock sei ähnlich dem von GW924m, doch Klarheit könne nur ein DNA-Abgleich bringen, so Matzen.

Problemwolf überquerte bisher nie die A7

Das Land lässt Proben von gerissenen Tieren in einem Labor in Hessen untersuchen. Der Wolfsrüde hält sich nach Daten der Forscher seit Mitte 2018 in einem großen Streifgebiet zwischen A23, B206 und A7 auf und reißt dort immer wieder Nutztiere. Bisher gab es keinen einzigen Nachweis von GW924m östlich der Autobahn 7.

Um aus seinem bisherigen Streifgebiet in Südholstein bis nach Schwochel in Ostholstein zu kommen, muss das Tier neben der A7 auch die A21 überquert haben. In dieser Region lebt ein Weibchen mit der Kennung GW1120f. Im Kreis Ostholstein hatte nach Angaben des Umweltministeriums zuletzt im Jahr 2016 ein Wolf in Curau Nutztiere gerissen. Danach konnte dort kein Wolf mehr genetisch nachgewiesen werden.

Problematische Jagd auf Problemwolf

Bislang durfte nur eine geheime Expertengruppe den Wolf jagen, die das zuständige Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUND) beauftragt hatte. Da die Experten bislang erfolglos waren, sind seit zwei Wochen auch bis zu 175 Jäger aus der Region aufgerufen, sich an der Jagd zu beteiligen. Nach Recherchen von NDR Schleswig-Holstein wollen bislang jedoch weniger als zehn von ihnen mitmachen. Der Landesjagdverband kritisiert die strengen Vorgaben als unrealistisch: Wer den Problemwolf schießen will, muss zum Beispiel auch während der Jagd seine E-Mails abrufen können. Die Jäger fordern außerdem, dass alle örtlichen Jagdscheininhaber das Recht haben sollen, den Wolf zu schießen - und nicht nur eine begrenzte Zahl.

Risse trotz Herdenschutzzäunen

Obwohl der Wolf eine streng geschützte Art ist, kann er unter bestimmten Umständen abgeschossen werden - wenn zum Beispiel ein Wolf mehrfach spezielle Schutzzäune überwindet und Nutztiere reißt. Dann gilt er als sogenannter Problemwolf - und darf "entnommen" werden, wie es offiziell heißt. Das ist aus Sicht des Umweltministeriums bei GW924m der Fall. "Eine Schadensprognose hat ergeben, dass in der betroffenen Region erhebliche wirtschaftliche Schäden drohen", heißt es in der Allgemeinverfügung des Landes. "Zumutbare Alternativen zur Entnahme des Wolfes bestehen nicht."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.11.2019 | 16:00 Uhr

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