Die Außenfassade des Pflegeheims in Bredtstedt. © Enno Jürgen Metzner Foto: Enno Jürgen Metzner

Pflegeheim Bredstedt: Angespannte Lage wegen Coronafällen

Stand: 23.12.2020 13:10 Uhr

Nach mittlerweile vier Todesfällen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Bredstedt hat der Kreis Nordfriesland eine neue Allgemeinverfügung herausgegeben. Dort sind inzwischen 51 Bewohner und 18 Mitarbeiter infiziert.

Die neuen Auflagen sehen vor, dass die Quarantäne der etwa 90 Bewohner und Beschäftigten bis zum 4. Januar verlängert wird. Außerdem gilt nun eine Quarantänepflicht für sämtliche Personen, die seit dem 15. Dezember mindestens eine halbe Stunde im Haus waren. An diesem Tag war der Ausbruch bekannt geworden. Es gibt allerdings Ausnahmen. Pflegekräfte dürfen bei einem negativen Testergebnis weiter zur Arbeit kommen. Und auch die sieben Soldaten, die dort aushelfen, dürfen weiter arbeiten. Wen die Quarantäne außerhalb dieses Kreise betrifft, kann die Kreisverwaltung im Moment nicht sagen.

Waren Schutzmaßnahmen nicht ausreichend?

Wie angespannt die Lage ist, wird beim Wortlaut der Begründung der neuen Verfügung deutlich: Es könne laut Landrat Florian Lorenzen (CDU) "nicht davon ausgegangen werden, dass bei den Kontakten der Mitarbeitenden untereinander ausreichende Vorkehrungen zur Verhinderung einer Ansteckung getroffen worden sind." Speziell erwähnt wird eine Mitarbeiterin, die am Montag erkrankte, sich also möglicherweise nach Bekanntwerden des Ausbruchs neu ansteckte. Lorenzen geht davon aus, dass zumindest in der Zeit vom 15. bis 19. Dezember "die getroffenen Schutzmaßnahmen noch nicht ausreichend waren, um eine Ansteckung der Mitarbeiter oder eine Weiterverbreitung des Virus unter den Bewohnern sicher zu verhindern." Die Pflegeheimkette Alloheim will erst im Laufe des Tages dazu Stellung nehmen.

Hunderprozentige Sicherheit gibt es nicht

Eine hundertprozentige Sicherheit in Pflegeheimen gibt es laut Kay Öldorf, Landesgeschäftsführer des Bundesverbands privater Pflegeheimbetreiber (bpa), aber generell nicht: "Es ist vermutlich der unvermeidlich enge Kontakt, der trotz aller Schutzmaßnahmen zu einer Verbreitung führt." Die Lage sei derzeit sehr angespannt. "Solange die Zahlen in der Gesamtbevölkerung nicht runtergehen, bleibt die Pflege automatisch besonders gefährdet", so Öldorf weiter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.12.2020 | 13:00 Uhr

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