Papier wird immer knapper - und teurer

Stand: 25.10.2021 05:00 Uhr

Durch die Corona-Pandemie wurden weniger Kataloge, Zeitungen und Prospekte gedruckt. Das Altpapier fehlt nun den Papierfabriken, um neues Recyclingpapier herzustellen.

von Helge Albrecht

Meterhohe Papierrollen stehen aufgereiht nebeneinander in der Halle der Druckerei Evers-Druck in Meldorf (Kreis Dithmarschen). Mitarbeiter fahren sie mit Gabelstaplern über das Gelände. Noch haben sie in der Druckerei Papier und können ihre Aufträge erfüllen. Doch es ist schwer, Nachschub zu organisieren. "Wer keine Reservierung gebucht hat bei allen europäischen Papierfabriken, der wird leider dieses Jahr nicht mehr an eine Tonne Papier kommen", sagt Marcus Heitze von Evers-Druck. Seit fast 30 Jahren ist er Papiereinkäufer und hat so einen Engpass noch nicht erlebt. "Diese Situation ist für uns absolut neu", sagt er.

Lange Lieferzeiten: Monate statt wenige Wochen

Die Firma nutzt und braucht ein spezielles Papier. Es heißt "grafisches Papier" und eignet sich besonders gut zum Bedrucken. Es wird häufig aus Altpapier gewonnen - aus alten Zeitungen, Katalogen und Büchern. Daraus machen sie in Meldorf zum Beispiel neue Zeitschriften oder Werbeprospekte für ihre Kundinnen und Kunden. Bei Evers-Druck hätten sie zwar vorgesorgt, dass sie alle gebuchten Aufträge erfüllen können, jedoch habe sich die Lieferzeit für neue Aufträge verlängert, so Marcus Heitze und fügt an: "Was ich vorher in einer Woche, vielleicht in zwei Wochen bekommen konnte, um einen netten Katalog zu produzieren, dafür müsste ich bis Mitte Januar warten, um letztendlich dieses Papier dafür zur Verfügung zu haben."

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Das benötigte Papier produzieren Fabriken wie die Steinbeis Papier GmbH in Glückstadt (Kreis Steinburg). Hier merken die Verantwortlichen, dass zu wenig Altpapier im Umlauf ist, um es verwerten zu können. Geschäftsführer Ulrich Feuersinger sagt, das hänge damit zusammen, dass in der Pandemie die Produktion zurückgegangen sei. "Wenn Geschäfte geschlossen sind, wenn keine Reisen stattfinden, dann fehlt natürlich hier der Bedarf für die Werbung." In der Folge ist weniger Papier dafür bedruckt worden. Doch sein Unternehmen ist auf dieses grafische Papier angewiesen. "Wir machen Recyclingpapier. Das heißt auf Altpapierbasis. Wenn natürlich in 2020 deutlich weniger produziert wurde an grafischem Papier, dann haben wir auch weniger Rohstoffe im Moment zur Verfügung", erklärt Ulrich Feuersinger.

Grafisches Papier - und das Problem der Verpackungen

Ein Müllfahrzeug lädt Altpapier auf einem Recyclinghof ab. © NDR
Grafisches Papier wird häufig aus Altpapier gewonnen - aus alten Zeitungen, Katalogen und Büchern.

Auf dem Hof der Papierfabrik bringen Lkw neue Altpapierladungen. Sie laden große Mengen an Prospekten und Zetteln ab. Diese kommen danach auf ein Fließband, werden von Mitarbeitenden und einer Sortiermaschine geprüft. Mitten in diesem bedruckten Papier tauchen jedoch auch viele braune Kartons auf. Diese Verpackungen beeinflussen den Handel mit grafischem Papier ebenfalls. Denn alles, was Verpackung ist, können sie nicht in grafisches Papier umwandeln.

Eike Lömker, der das Altpapier für die Fabrik einkauft, sagt, dass der Anteil von Verpackungen im Altpapier in der Pandemie gestiegen ist - zum Beispiel durch den Online-Handel. "Zum anderen kaufen durch den Anstieg des Verpackungsmarkts auch die Hersteller der Verpackungspapiere deutlich mehr Altpapier ein. Und das ist Altpapier, was für uns dann verloren ist", meint Eike Lömker. Der Papierpreis steigt dadurch. Laut Geschäftsführer Ulrich Feuersinger kämen außerdem steigende Stromkosten hinzu.

Das neue Gold

Bei Evers-Druck in Meldorf müssen sie statt 145 Euro pro Tonne jetzt etwa 240 Euro ausgeben. "Papier ist zurzeit wirklich wie Gold von der Preisentwicklung", sagt Marcus Heitze. Doch der Papierpreis sei zurzeit nicht so wie früher verhandelbar. "Heute ist es vonseiten der Industrie eine freie Ansage, die so von uns Druckereien zu akzeptieren ist oder abzulehnen." In Meldorf hoffen sie, dass sich der Markt bald entspannt und ihre Kundinnen und Kunden bis dahin Verständnis zeigen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 25.10.2021 | 19:30 Uhr

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