Stand: 05.01.2018 21:28 Uhr

Ostküstenleitung: Gutachter zeigen Alternativen

Neue Leitungen sollen den Strom aus den Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein in den Süden bringen - auch an der Ostküste. Netzbetreiber Tennet plant zwischen Lübeck und Göhl (Kreis Ostholstein) eine neue 380-Kilovolt-Leitung, die oberirdisch verläuft. Dagegen gibt es Widerstand, vor allem aus dem Kreis Ostholstein. Der hat nun zusammen mit einigen Gemeinden die Planungen von Gutachtern untersuchen lassen. Ihr Ergebnis präsentierten sie am Donnerstag in Eutin: Die Leitung in der bisher geplanten Variante sei überdimensioniert, greife zu stark in Natur und Landschaft ein und sei außerdem zu teuer, finden die beiden Professoren Heinrich Brakelmann und Lorenz Jarass.

Brakelmann arbeitet an der Universität Duisburg-Essen und ist ein Experte für Energietransport und -speicherung. Wirtschaftswissenschafler Jarass kommt von der Hochschule RheinMain. Die beiden Gutachter schlagen vor, statt überwiegend auf Überlandleitungen durchgängig auf Erdkabel zu setzen. Die hätten in den von ihnen durchgerechneten Varianten zwar weniger, aber trotzdem ausreichende Übertragungsleistung. Sie favorisieren ein 110-Kilovolt-Erdkabel.

Bundesnetzagentur kritisierte Projekt

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Gutachter Lorenz Jarass kritisiert die bisherige Planung der Starkstromleitung zwischen Göhl und Lübeck.

Die beiden Gutachter haben den Leitungsbedarf an Hand des aktuellen Entwurfs des Regionalplans berechnet - er soll regeln, wo wie viele neue Windkraftanlagen aufgestellt werden. Er musste nach einem Grundsatzurteil von Anfang 2015 komplett überarbeitet werden. Außerdem haben sie schon eingerechnet, dass die neue Landesregierung den verbindlichen Mindestabstand zwischen Windrädern und Häusern erhöhen will. Dass die geplante Freilandleitung überdimensioniert ist, hatte bereits im September des vergangenen Jahres die Bundesnetzagentur moniert, aber keine anderen Möglichkeiten benannt.

Gutachter rechnen mit schmaler Erdkabel-Trasse

"Wir haben gezeigt: Es gibt mehrere Alternativen, die die Umwelt sehr viel weniger belasten, die mehr als ausreichend sind und die teilweise sogar kostengünstiger sind", sagte Jarass dem Schleswig-Holstein Magazin. Er geht gemeinsam mit seinem Kollegen davon aus, dass Erdkabel nur eine weniger als fünf Meter breite Trasse benötigen - bei Freileitungen müsste sie etwa 30 Meter breit sein.

Beim Kreis und den Kommunen stand die Frage im Raum, warum eine überdimensionale Leitung gebaut werden soll, die voraussichtlich nur zu 13 Prozent ausgelastet wird. Die Gutachter aber haben einen Verdacht. "Diese Leitungsplanung ist eine ganze Reihe von Jahren alt. Damals hat man noch gemeint, dass der Windenergiezubau in Ostholstein viel stärker ist, als er jetzt nach dem ersten Entwurf des Regionalplans vorgesehen ist", sagt Jarass.

Landrat Sager droht mit rechtlichen Schritten

Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) will die Ergebnisse des Gutachtens nun weiterreichen: an die Landesregierung, die Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur. Er fordert: "Diese Ergebnisse müssen Eingang finden in die weitere Betrachtung". Sollte das Umweltministerium die Pläne nicht zurückziehen, hat Landrat Sager für das Planfeststellungsverfahren bereits rechtliche Schritte angekündigt.

Habeck will Gutachten "ernsthaft prüfen"

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) betonte in einer Reaktion auf das Gutachten, dass die Bundesnetzagentur die Notwendigkeit der Leitung gerade erst vor Weihnachten bestätigt habe. "Die Möglichkeit, sie unter der Erde zu verlegen, ist in einigen Abschnitten geprüft worden", sagte er im Schleswig-Holstein Magazin. Doch so einfach, wie das Gutachten es darstelle, sei es nicht. Auch dagegen gebe es Widerstand. Sein Ministerium werde das Gutachten aber - wie jede Eingabe - sehr ernsthaft prüfen und analysieren.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.01.2018 | 19:30 Uhr

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