Gleishalle am Lübecker Hauptbahnhof. © Nah.SH Foto: Nah.SH

Neun-Euro-Ticket: Seit Mittwoch ist es in SH gültig

Stand: 01.06.2022 12:54 Uhr

Das Neun-Euro-Ticket für den bundesweiten Nahverkehr entwickelt sich offenbar zu einer Erfolgsgeschichte - auch im Norden. Seit Mittwoch ist es gültig.

Zum Start des Neun-Euro-Tickets ist der öffentliche Nah- und Regionalverkehr in Schleswig-Holstein nach ersten Informationen nicht merklich voller gewesen, als sonst. Die Deutsche Bahn beispielsweise sagte, sie habe in Schleswig-Holstein keine Auffälligkeiten feststellen können, der Betriebsstart sei ruhig verlaufen.

Aber: Viele Menschen wollen das Angebot nutzen. Der Verkehrsverband Nah.SH hat bereits mehr als 70.000 Karten und der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) mehr als 335.000 Tickets verkauft. Wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) mitteilte, wurden deutschlandweit bislang rund sieben Millionen Fahrkarten von zusätzlichen Kunden gekauft , die bislang kein Abonnement hätten. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen rechnet insgesamt mit etwa 30 Millionen Nutzern.

Der Härtetest für Busse und Bahnen könnte am Pfingstwochenende kommen. In Schleswig-Holstein rechnet der Verkehrsverbund Nah.SH dann zum Beispiel mit volleren Zügen auf der Marschbahnstrecke von Hamburg nach Sylt. Deshalb - und wegen der grundsätzlich hohen nachfrage nach dem Ticket - gibt es auf einigen Strecken in Schleswig-Holstein Kapazitätserweiterungen. So steht demnach beispielsweise auf der Marschbahn nach Sylt ein zusätzlicher Doppelstockzug zur Verfügung. An mehreren Bahnhöfen wie etwa in Kiel und Lübeck werden an besonders nachfragestarken Tagen zusätzliche Busse vorgehalten.

Wenig Veränderungen im Berufsverkehr

Nach Angaben von Nah.SH können größere Kapazitäten nicht geschaffen werden, weil die Nachfrage auf Waggons und Personal deutschlandweit hoch ist. Im normalen Berufsverkehr soll es wenige Veränderungen geben - anders an den Pfingsttagen. Ein Sprecher von Nah.SH rät den Fahrgästen, stark nachgefragte Strecken zu vermeiden und gelassen mit der Situation umzugehen.

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Sylt wünscht reibungslose An- und Abreise

Das Neun-Euro-Ticket gilt im Juni, Juli und August jeweils einen Kalendermonat lang deutschlandweit für Fahrten mit dem Nahverkehr in der 2. Klasse. Es soll Haushalte bei den explodierenden Energiekosten entlasten und zudem Fahrgäste in den öffentlichen Nahverkehr locken - vor allem Urlauber, die so günstig nach Schleswig-Holstein kommen können. "Dabei geht es uns um die Sache: Ein gutes Urlaubserlebnis, eine möglichst reibungslose An- und Abreise und einen nahtlosen Arbeitsweg für Pendler", sagte der Geschäftsführer von Sylt Marketing, Moritz Luft.

Personal wird aufgestockt

Die Insel Sylt stellt sich mit verschiedenen Maßnahmen auf zusätzliche Gäste ein. In einem Kooperationsteam für Mobilität und Service arbeiten dafür DB Regio, DB Station&Service, Nah.SH und die Sylt Marketing mit den Gemeinden der Insel zusammen. Zu den Maßnahmen gehören die Aufstockung der Zugkapazitäten durch den Verkehrsverbund Nah.SH und die verstärkte, kontinuierliche Analyse des Fahrgastaufkommens. Zudem erhöhen DB Regio sowie DB Station&Service das Personal, um für Reisende in Zügen und an Bahnhöfen besser ansprechbar zu sein.

Urlaubsorte beobachten, wie sich Ticket auswirkt

In den Urlaubsorten entlang der Küsten ist man gespannt, wie sich das Neun-Euro-Ticket auswirkt. "Wie viele Gäste das Angebot nun tatsächlich nutzen werden, ist aktuell schwerlich zu kalkulieren", teilte die Gemeinde Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) auf Nachfrage mit. Es könne durchaus zu einer deutlichen Zunahme der Fahrgäste, insbesondere an schönen Wochenendtagen wie zum Beispiel an Pfingsten kommen. Mit Maßnahmen zur Besucherlenkung wie dem Strandticker gebe es etablierte und gelernte Mechanismen, Gästen frühzeitig einen Eindruck der Situation vor Ort zu vermitteln. So könnten diese gegebenenfalls direkt noch nicht so stark besuchte Bereiche ansteuern.

In Scharbeutz (Kreis Ostholstein) heißt es: "Wir werden sehen, was wirklich kommt." Letztendlich sei es auch sehr wetterabhängig. Eine vermehrte Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs statt des Autos sei wünschenswert, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde, Bettina Schäfer (parteilos). "Bei den Baustellen aus Richtung Hamburg kommend ist das sicherlich eine gute Sache für die gesamte Ostseeküste."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.06.2022 | 08:00 Uhr

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