Neues Hotel geplant: Streit um eine alte Eiche in Heide

Stand: 15.01.2023 06:00 Uhr

Der Fachausschuss der Ratsversammlung hat dem Bau eines Hotels in Heide (Kreis Dithmarschen) zugestimmt. Dafür müsste aber ein sehr alter Baum weichen. Drei Frauen kämpfen dafür, dass die Eiche stehen bleibt.

von Jonas Salto

Ab und zu kommt es vor, dass Bäume im Weg stehen. Bei Bauvorhaben zum Beispiel. Ein letzter größerer Fall ist der Flensburger Bahnhofswald. Ein neues Hotel soll genau da gebaut werden, wo der Wald schon seit Hunderten von Jahren steht. Dort endete es mit brennenden Lieferwagen der Hotel-Investoren und Demonstranten, die sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei lieferten. In der Kreisstadt von Dithmarschen geht es nicht um einen ganzen Wald, sondern um eine alte Eiche und 14 weitere Bäume am alten Busbahnhof. Das hält einige Bürgerinnen und Bürger aber nicht davon ab, zu versuchen, die Bäume zu retten.

Ehemaliges ZOB-Gelände liegt brach

Das betroffene Gelände in Heide hat seinen alten Glanz verloren. Die Wartehalle für Busreisende steht leer. Die Farbe an den Wänden ist verblasst und angelaufen. Auf der großen Parkfläche, wo die Busse früher einmal Fahrgäste abgesetzt und eingesammelt haben, wächst Unkraut aus den Fugen. Hier, genau in der Mitte steht sie: die 200 Jahre alte Eiche. Bäume dieser Art können bis zu 1.000 Jahre alt werden, wenn sie gesund sind. Das war offenbar in den 1970er-Jahren. Grund genug für den damaligen Bürgermeister der Stadt, die Eiche zu retten. Sie sollte damals schon gefällt werden, als dort der ZOB gebaut wurde. Heute droht ihr erneut die Fällung. Dieses Mal allerdings für den Bau eines Hotels.

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Das möchten drei Frauen verhindern. Sie sind nicht grundsätzlich gegen den Bau eines neuen Hotels in Heide. Sie möchten aber nicht, dass dafür die Eiche und die 14 weiteren Bäume gefällt werden. "Wir haben auch viele ältere Menschen gesprochen, die keine Möglichkeit haben zu verreisen. Die einfach an die Stadt gebunden sind. Für die sind Grünanlagen und Parks ganz wichtig", sagt eine der Initiatorinnen des Bürgerbegehrens, Claudia Kracht. Sie und die anderen zwei Frauen kannten sich bis vor kurzem noch gar nicht. Ihr gemeinsames Ziel hat sie zusammengebracht.

So haben sie sich entschieden, eine Woche vor Ablauf der Öffentlichkeitsbeteiligung noch schnell ein Bürgerbegehren zu initiieren. Eigentlich, so sagen sie, hat man für so ein Begehren sechs Monate. Sie hätten jetzt nur eine Woche Zeit, um genügend Unterschriften zu sammeln. Mit ihrem Bürgerbegehren haben sie nach eigenen Angaben in ein Wespennest gestochen. Die drei Frauen sind überwältigt von der Resonanz. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten sich zusammengetan, um an verschiedenen Orten in der Kleinstadt Unterschriften zu sammeln. Neben den drei Frauen hat sich auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eingeschaltet. Sie schreiben in einer öffentlichen Stellungnahme: "Die Stadt Heide verfügt nur über verhältnismäßig wenige Bäume dieser Größenordnung. Gerade diese aber sind in der Lage, das Mikroklima in der Stadtmitte positiv zu beeinflussen, (…)."

Fachausschuss der Ratsversammlung für Hotelbau

Heides Bürgermeister, Oliver Schmidt-Gutzat (SPD), steht nach wie vor hinter dem Investor. Denn im vergangenem Jahr habe die Stadt Heide beispielsweise die Sophie-Dethleffs-Straße so sanieren lassen, dass die Bäume entlang der Straße stehen bleiben konnten. Das sei damals die teurere Variante gewesen, sagt Schmidt-Gutzat. Nun habe sich die Politik eben mal gegen die Bäume entschieden. Außerdem betont er, dass sich die Stadt an anderen Stellen auf den Weg gemacht hat, CO2-neutral zu werden, Bäume zu pflanzen und zu erhalten.

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Das neue Hotel ist aus Sicht des Bürgermeister wichtig für die Stadt: "Wir haben einen riesengroßen Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten. Das haben wir natürlich auch gutachterlich feststellen lassen." Neben dem Hotel - vorwiegend für Geschäftsleute - will der Investor auch kleine Appartements für Monteure bauen. An anderer Stelle ist laut Bauausschuss der Bau dieses Hotels nicht möglich. Zumal die Stadt per Gesetz auch dazu verpflichtet sei, erst einmal innerhalb der Stadt Flächen zu versiegeln, bevor am Stadtrand Grünflächen bebaut werden.

Prüfung des Bürgerbegehrens am Montag

Die drei Initiatorinnen des Bürgerbegehrens sind optimistisch, dass sie genügend Unterschriften gesammelt haben. Nach eigenen Angaben sind es über 2.000. Damit ihr Begehren Erfolg hätte, brauchen sie 1.411 gültige Unterschriften. "Selbst, wenn am Ende Unterschriften fehlen und das Begehren kein Erfolg hat, sind wir überwältigt von der Hilfe vieler Bürgerinnen und Bürger", sagt Constanze Windberg von der Initiative. Wenn sie mit ihrem Bürgerbegehren Erfolg haben, dann müssen die Heiderinnen und Heider per Bürgerentscheid darüber abstimmen, was denn nun wichtiger für ihre Kleinstadt ist: der Erhalt der Eiche oder ein neues Hotel.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.01.2023 | 19:30 Uhr

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