Nach Kollision: Holtenauer Hochbrücke weiter für Fahrzeuge gesperrt

Stand: 01.12.2022 20:34 Uhr

Ein auf dem Frachter "Meri" transportierter Kranausleger hat laut Polizeiangaben am Mittwochmorgen die Holtenauer Hochbrücke in Kiel beschädigt. Die beiden Bauwerke sind deshalb vorerst für den Verkehr gesperrt, Fußgänger und Radfahrer dürfen aber wieder rüber. Die Untersuchungen der Experten gehen weiter.

Egal ob sie mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs waren - am Donnerstagmorgen brauchten die Menschen im Großraum Kiel weiterhin eine Menge Geduld. Nachdem ein Frachtschiff gestern die Holtenauer Hochbrücke beschädigt hatte, waren diese für den Verkehr weiterhin komplett gesperrt. Das gilt weiter für Pkw und Lkw, Fußgänger und Radfahrer dürfen seit Donnerstagmittag laut Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) wieder rüber.

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Ein Fußgänger geht auf die Holtenauer Brücke, die nach eine Sperrung freigegeben wurde. © NDR

Holtenauer Hochbrücke: Fußgänger und Radfahrer dürfen wieder rüber

Der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Madsen sagte, er hoffe, die Brücke bald auch für Pkw wieder öffnen zu können. mehr

Ein NDR Schleswig-Holstein Reporter berichtete, dass am Morgen mehrere hundert Menschen auf einen Transport über den Kanal mit der Fähre "Adler 1" warteten. Die Fähre ist aktuell 24 Stunden im Einsatz, um Menschen über den Kanal zu bringen und auch Fahrgästen des ÖPNV die Weiterfahrt zu ermöglichen.

Die B503 über die Brücken ist eine der wichtigsten Straßen in der Kieler Region. Viele Autofahrer nutzen die Holtenauer Hochbrücke, um in den Kreis Rendsburg-Eckernförde oder nach Kiel zur Arbeit zu fahren. Die Polizei rät, über die B76 auszuweichen. Aber auch auf den Umleitungsstrecken staute es sich am Morgen.

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Ein Frachtschiff durchquert den Nord-Ostsee-Kanal. © Jürgen Konow Foto: Jürgen Konow

Immer wieder Havarien auf dem Nord-Ostsee-Kanal

Aktuell sind die Holtenauer Hochbrücken gesperrt, weil ein Frachter mit ihnen kollidiert ist - eine weitere Havarie in der Geschichte des NOK. mehr

Weitere Fähre im Einsatz

Das Verkehrsministerium, der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung und die Stadt Kiel beraten heute die Lage. Die Stadt Kiel hat inzwischen einen zusätzlichen Fährverkehr eingerichtet. Ein Fähre fährt ab Donnerstag 12 Uhr im 30-Minuten-Takt vom Tiessenkai in Holtenau bis zur Reventloubrücke. Damit soll die überlastete NOK-Fähre "Adler 1" entlastet werden.

Experten haben Schäden festgestellt

Das Frachtschiff aus Finnland war am frühen Mittwochmorgen gegen die Holtenauer Hochbrücke in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt geprallt. Brückenprüfer haben mittlerweile Schäden an den beiden Bauwerken festgestellt. Das teilte der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) in Kiel mit. "Schon jetzt konnte das Spezialteam feststellen, dass es an beiden Brücken Verformungen an den Querträgern gibt sowie zahlreiche Risse an den Schweißnähten und darüber hinaus auch Nahtabrisse", erklärte die zuständige Geschäftsbereichsleiterin Susan Müller. Den entstandenen Sachschaden schätzt sie auf eine sechsstellige Höhe.

Die nach einer Schiffskollision gesperrte Holtenauer Hochbrücke in der Morgendämmerung. © Daniel Friedrichs Foto: Daniel Friedrichs
AUDIO: Holtenauer Hochbrücke: Experten stellen Schäden fest (1 Min)

Weitere Prüfung dauert mehrere Tage

Die Hochbrücke bleiben vorerst für den Autoverkehr gesperrt. Ein weiterer externer Sachverständiger soll die Schäden und die Auswirkungen auf Stand- und Verkehrssicherheit genauer überprüfen, wie Müller erklärte. Dann würde gemeinsam mit den Experten vom LBV.SH über weitere Schritte entschieden. Das werde voraussichtlich mehrere Tage dauern, teilte der Landesbetrieb mit. Wann die Sperrungen wieder aufgehoben werden, ist daher unklar. Sicherheit gehe vor, so Müller. Lediglich Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge dürften die Brücken in Einzelfällen in Schrittgeschwindigkeit überqueren.

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Aufgrund der Vollsperrung beider Nord-Ostsee-Kanal-Brücken staut sich der Autoverkehr. © Daniel Friederichs Foto: Daniel Friederichs

Holtenauer Hochbrücke in Kiel: Jetzt fahren hier wieder Busse

Bis zu vier Gelenkbusse des ÖPNV dürfen jetzt gleichzeitig auf der Brücke fahren. Für Lkw gibt es weiter Einschränkungen. mehr

Folgen für den Busverkehr in Kiel

Auch für Pendler, die den ÖPNV nutzen, gibt es laut Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) Einschränkungen. Laut KVG-Sprecherin Andrea Kobarg fahren die Busse aus Strande, Schilksee und Holtenau zurzeit nur bis zur Personen-Fähre in Holtenau. Dort können die Fahrgäste den Nord-Ostsee-Kanal überqueren. Die Fähre "Adler 1" kann laut Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt (WSA) pro Fahrt rund 50 Personen und etwa 20 Fahrräder befördern. Sie fährt laut WSA außerplanmäßig im 15-Minuten-Takt - und durchgängig im 24-Stunden-Betrieb. Neben der zusätzlichen Fähre zwischen Tiessenkai und Reventloubrücke, die am Donnerstag noch bis 19 Uhr und am Freitagmorgen wieder ab 6:30 Uhr im 30-Minuten-Takt fahren soll, arbeitet die KVG nach eigenen Angaben an einem Notfahrplan. Falls die Brücken länger gesperrt bleiben, soll er in den kommenden Tagen in Kraft treten. "Wir tun alles dafür, dass auch in den kommenden Tagen die vier Kieler Stadtteile jenseits der Holtenauer Hochbrücke an das Zentrum der Stadt angeschlossen bleiben", sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) am Mittwoch.

Schiffsverkehr wieder ohne Einschränkungen freigegeben

Der vorübergehend in beide Richtungen gesperrte Nord-Ostsee-Kanal ist am Mittwochabend für den Schiffsverkehr wieder ohne Einschränkungen freigegeben worden. Das bestätigte die Polizei in Kiel dem NDR. Zuvor hatte die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung mitgeteilt, dass der Frachter bei der Kollision auch mehrere schwere Betongewichte verloren habe, die auf den Grund des NOK geraten seien. Experten überprüften demnach, ob sie entfernt werden müssen.

Außerdem hatte sich nach WSA-Informationen herausgestellt, dass der Kran an Deck des havarierten Frachters durch den Unfall so stark beschädigt wurde, dass er nicht mehr sicher stehe. Vorbeifahrende Schiffe könnten weitere Schäden verursachen, so ein Sprecher. Der Frachter selbst dürfe ebenfalls nicht bewegt werden. Am Donnerstag soll ein Kranspezialist die Lage begutachten.

Wasserschutzpolizei ermittelt zur Unglücksursache

Ermittler prüfen nun, wie es zu der Kollision kommen konnte. Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) wurden alle notwendigen Sicherheitsüberprüfungen gemacht, bevor der Frachter in den Kanal einlief. In der Schleuse von der Kieler Förde in den Kanal würde die Höhe der Schiffe normalerweise mit einem Laser gemessen, erklärte Jörg Brockmann vom WSA. "Das war in diesem Fall nicht möglich, weil sie mit dem Laser den Kran nicht anschießen konnten, denn der war schwarz und es war dunkel."

Daher sei auf die Angaben der Reederei vertraut und das Schiff mit Ballastwasser tiefer gelegt worden. In den Ladepapieren war laut WSA eine Höhe von 38 Metern angegeben. Damit hätte der Frachter eigentlich unter der Hochbrücke hindurchpassen müssen. Die Wasserschutzpolizei will deshalb jetzt verschiedene Zeugen befragen. Auch der Frachter selbst wird noch untersucht.

Oberbürgermeister Kämpfer: Solchen Unfällen künftig besser vorbeugen

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) dankte am Mittwoch nach dem Unfall allen Beteiligten für ihr umsichtiges Handeln. "Eine solche Havarie ist für alle Betroffenen mit viel Stress, Ausfällen, Wartezeiten und Umwegen verbunden", sagte er. Jetzt komme es darauf an, die Brücken schnell wieder funktionstüchtig zu machen. Außerdem betonte Kämpfer, man müsse die richtigen Schlüsse aus dem Vorfall ziehen. "Weil es nicht der erste Vorfall dieser Art ist, muss es anschließend aber auch darum gehen, solchen Unfällen besser vorzubeugen."

Madsen: Schnellstmöglich Strategien aufstellen

Dem schloss sich auch Verkehrs- und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) an. Dafür müssten aber zunächst die Hintergründe geklärt werden. Er sei froh, dass niemand zu Schaden gekommen sei. Der wirtschaftliche Schaden sei immens, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger, die jetzt nicht mehr die Brücken passieren können, seien die Auswirkungen erheblich. Deshalb müsste nun schnellstmöglich ein Plan aufgestellt werden, um die Infrastruktur wiederherzustellen. "Wir stellen morgen Strategien auf, ob es sich um Stunden, Tage, Wochen oder Monate handelt und dann schauen wir, wie wir damit bestmöglich umgehen können."

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Schleswig-Holstein Magazin | 01.12.2022 | 12:00 Uhr

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