Stand: 05.02.2019 17:11 Uhr

Mireille-Prozess: Lebenslange Haft für Täter

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Das Flensburger Landgericht verurteilte den Angeklagten (M.) zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Das Urteil im Prozess um die getötete Mireille aus Flensburg ist gefallen: Der Täter muss wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis. Das Landgericht Flensburg sah es als erwiesen an, dass der verurteilte Mann aus Afghanistan das Mädchen am 12. März 2018 mit 14 Messerstichen in ihrer Wohnung in Flensburg aus niedrigen Beweggründen ermordet hat. Während des Prozesses hatte der Afghane seine Unschuld beteuert. Der Verteidiger kündigte an, in Revision zu gehen.

"Narzisstische Persönlichkeit"

Nach Ansicht des Gerichts hatte der junge Mann Mireille besitzen wollen und konnte es offenbar deshalb nicht ertragen, dass sie sich Anfang März vergangenen Jahres endgültig von ihm trennen wollte. Dass das Mädchen die Beziehung tatsächlich beendet habe, sei nicht mit der narzisstischen Persönlichkeit des Täters vereinbar gewesen, sagte der Richter. Das Gericht stützte seine Erkenntnisse auf die Aussagen von Zeugen und Chatprotokolle von Messengerdiensten, auf die sich auch die Staatsanwaltschaft in der Anklage berufen hatte.

Laut Richter kontrollierte und manipulierte der Verurteilte das 17-jährige Mädchen bereits während der Beziehung. Am Tatabend habe er sich nach eigenen Angaben ein letztes Mal mit Mireille treffen wollen. Vor Gericht habe der junge Mann ausgesagt, sie sei nicht zum verabredeten Treffpunkt gekommen - später habe er sie blutend in ihrem Zuhause gefunden.

Mobilfunkdaten und Überwachungskameras liefern Indizien

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kamen zu einem anderen Ergebnis: Der Mann habe Mireille bereits am Bahnhof abgefangen und sie in ihre Wohnung begleitet, in der sie wegen ihrer schwierigen Familiensituation alleine und unter der Obhut des Jugendamtes wohnte. Dies würden die Auswertung von Mobilfunkdaten und Überwachungskameras belegen. Zwar gebe es keine Zeugen für die Tat, heißt es weiter. Der Mann müsse aber am Tatabend in der Wohnung gewesen sein, die Beweiskette sei eindeutig. Auch seien die Messerstiche mit einer solchen Gewalt ausgeführt worden, dass Selbstmord ausgeschlossen werden könne, begründete der Richter sein Urteil.

Verurteilter ist abgelehnter Asylbewerber

Der Afghane war 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er gibt an, 18 Jahre alt zu sein - das bedeutet, dass er zum Tatzeitpunkt noch minderjährig gewesen wäre. Doch diese Angabe war seit Prozessbeginn umstritten: Gutachter waren inzwischen zum Schluss gekommen, dass der Verurteilte mindestens 21 Jahre alt sei. Dies wirkte sich auf das Strafmaß aus, das Gericht wendete Erwachsenenstrafrecht an. Die Verteidigung hält ihn für jünger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.02.2019 | 17:00 Uhr

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