Stand: 20.09.2018 18:20 Uhr

Mehr Geld und höhere Standards für Kitas in SH

Nirgendwo in Deutschland sind Kita-Plätze so teuer wie in Schleswig-Holstein. Damit soll jetzt Schluss sein. Höhere Qualität der Kitas, Kommunen und Eltern entlasten - das sind die Ziele der 2020 geplanten Reform der Kita-Finanzierung in Schleswig-Holstein. Das geht aus einen Zwischenbericht hervor, der am Donnerstag dem Sozialauschuss des Landtags vorgestellt wurde. "Wir haben die Hälfte des Weges, was die Beratungen angeht, zurückgelegt", sagte Sozialstaatssekretär Matthias Badenhop.

Die Elternbeiträge für Kitas, die bis zu 800 Euro im Monat betragen, sollen ab 1. August 2020 auf einen landesweit einheitlichen Betrag für einen Ganztagsplatz für Einrichtungen und Tagespflege gedeckelt werden. Dann entfällt auch das bisher den Eltern gezahlte Krippengeld. Wo die Höchstgrenze liegen soll, soll im nächsten Teil der Beratungen mit Verbänden, Kommunen und Elternvertretern geklärt werden.

Landeselternvertretung zufrieden

Im Wahlprogramm der FDP für die vergangene Landtagswahl war die Forderung nach maximal 200 Euro für den Ü3-Bereich enthalten. "Wir würden begrüßen, wenn wir bei diesem Betrag landen würden. Wir würden es natürlich auch begrüßen, wenn Kommunen, die aktuell geringere Beiträge erheben, diese auch beibehalten", sagte Axel Briege, der Vorsitzende der Landeselternvertretung. Das Optimum wäre für Briege aber eine Beitragsfreiheit.

Mehr Zeit für mehr Erzieher

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Höhere Qualität der Kitas, Kommunen und Eltern entlasten: Das sind die Ziele der 2020 geplanten Reform der Kita-Finanzierung in Schleswig-Holstein.

Um die Vergleichbarkeit der Kitas herzustellen, sollen zudem einheitliche Standards her - und die sollen höher sein als bisher. So soll es etwa mehr Personal geben, die Ausstattung soll ähnlich sein. Die Verfahrensbeteiligten streben laut Sozialstaatssekretär Badenhop eine Erhöhung des Personalschlüssels im Elementarbereich (Ü3), mehr Vor- und Nachbereitungszeiten für die Erzieherinnen und Erzieher sowie Leistungsfreistellungen an. Um die Strukturen zu etablieren, ist eine Übergangszeit von zwei bis drei Jahren vorgesehen. Die Standards sollen durch eine Referenz-Kita gesichert werden, die von Land, Gemeinden und Eltern gemeinsam finanziert wird. Gestaltungsspielräume vor Ort soll es aber weiter geben. Wenn Träger und Standortgemeinden Angebote draufsatteln wollen, müssen sie das selbst finanzieren.  

Wer genau Geld bekommt, ist noch unklar

Angedacht ist außerdem, dass Eltern keine Ausnahmegenehmigung mehr brauchen sollen, wenn sie ihr Kind in eine Kita außerhalb ihres Wohnorts geben. Diese Neuerung ist vor allem für Pendler wichtig. Um die Pläne zu finanzieren, nimmt das Land bis 2022 insgesamt 481 Millionen Euro in die Hand. Das künftige Gesetz zur Kita-Finanzierung soll 2020 in Kraft treten. Offen ist noch, nach welchem Schlüssel die Finanzierung der Standard-Kita zwischen Land, Gemeinden und Eltern aufgeteilt wird. Das Geld des Landes soll über die Kreise an die Kitas fließen und nicht über die Gemeinden, was diese lieber hätten.

Kritik von der SPD

Ausschussmitglieder der Jamaika-Regierungsfraktionen von CDU, Grünen und FDP lobten den Zwischenbericht. Sie sehen den Reformprozess auf einem guten Weg. Dagegen kritisierte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Serpil Midyatli, dass das angestrebte System sich noch nicht abschließend beurteilen lasse, zumal der Elternbeitrag nicht feststehe. "Es ist weiterhin keine echte Bereitschaft bei Jamaika erkennbar, Eltern von Kita- Gebühren spürbar zu entlasten", sagte Midyatli.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.09.2018 | 17:00 Uhr

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