Stand: 22.08.2020 14:20 Uhr

Lübecker Bucht: Gemeinden wollen Ferienwohnungen begrenzen

Ein Schlüssel steckt in einem Schlosseloch. An dem Schlüssel ist ein Anhänger mit der Aufschrift "Ferienwohnung" befestigt.  Foto: Britta Pedersen
Während die Zahl der Zweit- und Ferienwohnungen in vielen Gemeinden steigt, finden immer mehr Einheimische kaum bezahlbaren Wohnraum.

Die Ferienorte in der Lübecker Bucht sind gefragt - nicht nur als Badeziel für Einheimische, Tagestouristen und Urlauber im Sommer, sondern vor allem auch als Zweit- oder Ferienwohnsitz. Doch die Zahl der Ferienwohnungen steigt, während Einheimische immer schwerer bezahlbaren Wohnraum finden. Einige Ferienorten wollen deshalb jetzt gegensteuern.

Scharbeutz: Ferienwohnungen sollen geprüft werden

Die Gemeinde Scharbeutz im Kreis Ostholstein will künftig genau prüfen, wo Ferienwohnungen zugelassen werden können und wo nicht. Denn von den rund 7.700 Wohnungen sind nach Angaben der Bürgermeisterin Bettina Schäfer (parteilos) knapp 5.000 Zweit- und Nebenwohnungen. Deswegen sei es jetzt an der Zeit, auch an die eigenen Bürger zu denken, so Schäfer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Diese Entwicklung lässt sich auch an den Übernachtungszahlen in Scharbeutz festmachen. Der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (TALB) zufolge ist die Zahl der Übernachtungen zwischen 2011 und 2019 um 76 Prozent, die der Hotelbetten dagegen nur um gut 20 Prozent gestiegen. Die Zahl der Ferienwohnungen in Scharbeutz sei dagegen von 2.710 im Jahr 2011 auf 7.085 im Jahr 2020 angewachsen, sagte eine Sprecherin der TALB. Das entspreche einer Steigerung von 161 Prozent.

Lübeck: Ferienwohnungen begrenzt oder verboten

In Lübeck-Travemünde fährt man derweil schon ein anderes Konzept, denn auch hier nimmt die Zahl der Zweitwohnungen zu. "Diese sogenannten Rollladensiedlungen sind städtebaulich nicht gewünscht. Die Stadt hat deshalb dort Ferienwohnungen geplant, wo es städtebaulich sinnvoll ist, wie am Fischereihafen oder auf dem Priwall. An anderen Stellen sind sie schon ausgeschlossen", sagte Stadtsprecherin Nicole Dorel.

In der Lübecker Altstadt ist man sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Die Bürgerschaft untersagte bereits im Februar die Nutzung der Ganghäuser als Ferienhäuser. Einige Hausbesitzer klagen dagegen allerdings noch vor dem Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht.

Ausgewogenheit zwischen Einheimischen und Gästen

Das Verhältnis von Einwohner und Zweitwohnungen ist auch in Sierksdorf an der Lübecker Bucht nicht ganz ausgeglichen, erzählt der Bürgermeister Udo Gosch (SPD). Demnach stehen 1.600 Einwohnern fast 1.500 Zweitwohnungen gegenüber. "Wir wollen die Bedeutung des Tourismus nicht infrage stellen, aber es besteht über alle Parteien hinweg ein Konsens darüber, dass wir auf eine Ausgewogenheit zwischen Einheimischen und Gästen achten müssen", sagte Gosch.

Ähnliche Tendenz auch auf Amrum und Föhr

So klar trennen lässt sich das Verhältnis von Einheimischen und Ferienhausbesitzern auf den Nordseeinseln Amrum und Föhr nicht. Birgit Oschmann vom Amt Föhr-Amrum sagt aber, dass sich anhand der Kläranlagen ablesen lässt, dass diese viel größer dimensioniert sind als sie es ohne Ferienwohnungen sein müssten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.08.2020 | 11:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Auf einem Tablet wird die Wartezeit von 18 Sekunden bis zur Terminbuchung angezeigt. © Fotolia Foto: Preto Perola

Corona-Impfung in SH: Was bei der Online-Terminvergabe hilft

Was kann ich tun, um meine Chancen bei der heutigen Vergabe über impfen-sh.de zu erhöhen? Fragen, Antworten und Zahlen zur Impfkampagne in SH. mehr

Videos