Stand: 09.07.2019 20:48 Uhr

Landstrom in Kiel: Kehrtwende von Color Line

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Drei von vier Stunden im Kieler Hafen soll der Landstrom für die Color-Line-Fähren nun fließen.

Durch die Nutzung von Landstrom soll der umweltschädliche Schadstoff-Ausstoß von Schiffsdiesel im Kieler Hafen deutlich gesenkt werden. Das ist das große Ziel der Landeshauptstadt. Im Mai war die erste Landstromanlage für große Passagierschiffe feierlich in Betrieb genommen worden - allerdings mit dem unmissverständlichen Hinweis der am Norwegenkai festmachenden Reederei Color Line, den Anschluss nicht dauerhaft nutzen zu wollen. Der Landstrom sei der Reederei aufgrund der EEG-Umlage zu teuer. Nun die Kehrtwende: Angesichts ihrer "sozialen Verantwortung" hat Color Line dem Kieler Seehafen fest zugesagt, den Landstrom-Anschluss - wie vertraglich vereinbart - zu nutzen.

Drei von vier Stunden soll Landstrom fließen

Und das gehört zu der Abmachung: Jeden Tag legt eine Color-Line-Fähre gegen 10 Uhr in Kiel an. Wenn die Fähre fest vertäut ist, soll der Landstrom fließen. Rund vier Stunden liegt die Fähre in Kiel. Gut drei Stunden davon soll sie über die große Steckdose am Kai versorgt werden. Laut Color Line verbraucht das Schiff dann pro Stunde etwa so viel Strom wie ein Ein-Personen-Haushalt im Jahr, rund 2.200 Kilowattstunden.

Color Line: Mehrkosten von 300.000 Euro im Jahr

Für die Reederei ist der Betrieb der Fähren über Landstrom nach eigenen Angaben deutlich teurer als mit Schiffsdiesel. Zurzeit koste es sechsstellige Beträge pro Jahr mehr, Landstrom zu nutzen. Der Hafenbetreiber spricht von Mehrkosten von rund 25.000 Euro für die Reederei pro Monat, macht im Jahr rund 300.000 Euro. Von der Politik fordert Color Line, dass der Landstrompreis für große Passagierschiffe sinkt - zum Beispiel durch eine niedrigere EEG-Umlage.

Reederei-Geschäftsführer: EEG-Umlage ist größtes Problem

Color-Line-Geschäftsführer Dirk Hundertmark hatte die Umlage im Mai zum "größten Problem" in Sachen Landstrom erklärt. "Die EEG-Umlage macht den Strompreis momentan in Deutschland sehr teuer. Es gibt aber Gespräche, dass die EEG-Umlage für Schiffe - und damit für die Nutzung von Landstrom - reduziert werden soll. Darauf setzen wir sehr stark", sagte Hundertmark.

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Der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, der schleswig-holsteinische CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann, hatte damals ein Maßnahmenpaket angekündigt, um den Reedereien zu helfen. Einen Zeitpunkt für die Umsetzung nannte Brackmann nicht. Die Bundesregierung hat inzwischen angekündigt, die EEG-Umlage für Landstromanlagen senken zu wollen.

Zweite Landstromanlage in Kiel soll Betrieb 2020 aufnehmen

Im Mai kommenden Jahres soll am Ostseekai eine zweite Landstromanlage in Kiel ihren Betrieb aufnehmen. Sie soll Kreuzfahrtschiffe und die Stena-Line-Fähren versorgen und rund 15 Millionen Euro kosten. Drei Reedereien hätten schon Absichtserklärungen unterschrieben, Landstrom nutzen zu wollen, hieß es vom Seehafen Kiel.

Am Dienstag kommt Rauch aus der festgemachten Fähre

Wer angesichts dieser "Öko-Ausrichtung" im Kieler Seehafen am Dienstag genau hinguckte, stutzte allerdings: Aus den Schornsteinen der im Hafen liegenden Color-Line-Fähre kam Rauch. Das hänge unter anderem damit zusammen, beruhigte ein Seehafen-Sprecher, dass Heizkessel in den Fähren nicht über den Stromanschluss betrieben werden, sondern über eine Art Ölheizung.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.07.2019 | 19:30 Uhr

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