Stand: 14.02.2020 11:22 Uhr

Lamas und Alpakas: Beliebte Nutz- und Therapietiere

von Katharina Jetter

Mehr als 30 Alpaka- und Lama-Höfe gibt es mittlerweile in Norddeutschland. Mit Lamas und Alpakas kann man zum Beispiel auf Usedom, in der Lüneburger Heide oder rund um Hamburg spazieren gehen, manchmal auch picknicken oder heiraten. Es gibt zudem Angebote, mit Lamas und Alpakas seine Achtsamkeit und sein Führungsverhalten zu trainieren - und auch in Pflegeheimen kommen sie zum Einsatz.

Die Alpakas Dante und Ronja stehen im Gang eines Pflegeheims © NDR Foto: Katharina Jetter
Eine besondere Überraschung im Pflegeheim: Die Alpakas Dante und Ronja sind zu Besuch gekommen.

Karamellfarbenes dichtes Teddy-Fell, eine weiße niedliche Schnauze und weiße große Ohrpuschel, dazu schöne Augen mit langen Wimpern - der Alpaka-Wallach Dante ist zusammen mit der Stute Ronja zu Besuch im Hamburger Pflegeheim Uhlenhorst. Viele der Leute, die ihnen an diesem Tag in den Gängen des Heims begegnen, sind nach einer Art ungläubiger Schockstarre emotional völlig aus dem Häuschen. Auch bei einigen Bewohnern im Foyer des Pflegeheimes ist die Überraschung groß. Alle wollen die Tiere wenigstens einmal streicheln.

Ein Lama mit einem roten Halfter © NDR Foto: Katharina Jetter

AUDIO: Kleine Kamele erobern den Norden (30 Min)

Alpakas zu Besuch im Pflegeheim

Nicht alle Alpakas ihrer Herde könnte Jutta Kanzler, die die Tiere führt, mit ins Heim nehmen. Nur Dante und Ronja kommen mit geschlossenen Räumen, auf rutschigen Fluren und mit vielen fremden Menschen zurecht. Selbst vor einem Aufzug schrecken sie nicht zurück und steigen ein. Bei den Begegnungen mit den Heimbewohnern bleiben die bis zu 70 Kilogramm schweren Tiere geduldig und freundlich. Wichtig ist das richtige Verhalten der Menschen. Jutta Kanzler erklärt, dass es wichtig ist, die Tiere erst einmal anzusprechen und danach folgt die Begrüßung: "Wenn Alpakas sich begrüßen, streicheln sie sich auch am Hals." Das sollten die Menschen auch machen, allerdings mit den Handrücken, denn Finger seien in den Augen der Tiere Krallen. Der größte natürliche Feind der aus den Hoch-Anden in Südamerika stammenden Tiere ist der Puma. Schnelle Bewegungen mögen die Alpakas deshalb genauso wenig wie Berührungen an den empfindlichen Stellen: am Bauch, an den Beinen und am Kopf.

Die versammelten Pflegeheim-Bewohner streichen Ronja und Dante nacheinander vorsichtig mit dem Handrücken über den flauschigen langen Hals und bewundern die Eleganz der Tiere. Eine junge Angestellte des Pflegeheims schiebt einen Mann im Rollstuhl zu der Gruppe, die sich um Dante und Ronja geschart hat. Sie schwankt zwischen Entzücken und Angst. Die junge Frau möchte Dante auch einmal streicheln, muss sich aber überwinden, das Tier ansprechen: "Hallo Dante. Ich tue dir nichts."

Therapietiere: Spiegel der Menschen

Ein weißes Alpaka schaut in die Kamera © picture-alliance/dpa Foto: Christophe Gateau
Alpakas können gut als Therapietiere eingesetzt werden.

Die Friedfertigkeit der Tiere, ihre großen Augen, ihr weiches Fell und die Möglichkeit mit ihnen auf Augenhöhe zu kommunizieren macht Alpakas zu beliebten Therapietieren. Sie spiegeln die Freude, die Menschen bei ihrem Anblick haben, aber auch ihre Angst oder Ungeduld. Ronja und Dante lassen sich jetzt von Jutta Kanzler in das kleine Appartement einer Bewohnerin führen, wo sie freudig begrüßt werden. Die beiden Tiere folgen Jutta Kanzler freiwillig - auch in den Aufzug. Am Aufzug wartet ein Mann mit Rollator. Fassungslos bestaunt er die Alpakas, dann laufen ihm die Tränen über die Wangen.

Auch bei Menschen mit Demenz oder bei Menschen, die sich nicht über Sprache ausdrücken könnten, würden die Tiere starke Emotionen auslösen, erzählt die Bauernhofpädagogin. Zu Hause, auf ihrem Sonnenschein-Hof in Lasbek-Gut, können Senioren, Kinder und Menschen mit Demenz oder Behinderung auch zu Besuch kommen und barrierefrei das Hofleben genießen. Zwei Stunden lang wird Jutta Kanzler mit Ronja und Dante heute noch im Pflegeheim unterwegs sein und die Menschen auf ganz besondere Art berühren.

Lama-Spaziergänge in kleinen Gruppen

Eine junge Frau steht neben einem Lama © NDR Foto: Katharina Jetter
Eine besondere Freizeitbeschäftigung: ein Spaziergang mit Lamas.

In Mannhagen, in der Nähe von Mölln im Herzogtum-Lauenburg, lebt Silke Christensen. Auch sie hat sich auf kleine Kamele spezialisiert und besitzt eine Lama-Herde. Als Psychologin bietet sie neben tiergestützten Therapien mit den Tieren auch Lama-Spaziergänge an. An diesem Tag wollen vier junge Frauen mit den Tieren unterwegs sein. Lamas sind größer und kompakter als Alpakas. Auch sie stammen ursprünglich aus den Anden - aus Peru oder Chile, wo schon die Inkas sie vor 6.000 Jahren als Lastenträger einsetzten, während die Alpakas als Wolllieferanten gezüchtet wurden.

Lamas sind ebenso wie Alpakas stubenrein. Beide Arten der sogenannten Neuwelt-Kameliden kötteln immer nur auf eine Stelle der Koppel. So halten sie ihre Weide sauber, deshalb kann man sie auch nicht mit anderen Tieren zusammen in den Stall oder auf die Wiese stellen. Sie würden das von den anderen Tieren verunreinigte Gras nicht fressen, erklärt Silke Christensen.

Warum spucken Lamas?

Bei den Lamas sind die Frauen die Chefinnen. Es gibt immer eine weibliche Doppelspitze. Und pro Herde nur einen Hengst, der seinen Harem vor Feinden und Konkurrenten verteidigt. Auch in der Herde von Silke Christensen hätten die Stuten das Sagen und eine feste Rangordnung, erklärt sie. Hazelnut ist die Chefin auf der Weide, bei Ausflügen übernimmt dann Kassandra die Führung. Spucken würden die Tiere nur, wenn sie sich zu nahekommen oder ein Tier dem anderen das Futter wegnehmen möchte. "Und sie halten sich auch mit Spucken auf Distanz", berichtet Silke Christensen. Lamas sind - genau wie Alpakas - Wiederkäuer, sie verdauen ihre Nahrung zwei Mal. Bevor sie spucken, würgen sie halbverdauten Nahrungsbrei wieder hoch, formen daraus im Maul eine stinkende, grüne Schleimkugel und speien diese mit sehr hoher Treffsicherheit auf den Artgenossen, der gerade nervt. Menschen spucken Lamas und Alpakas nur im äußersten Notfall an.

Lamas schenken Menschen schnell Vertrauen

Eine Gruppe geht mit Lamas spazieren. © NDR Foto: Katharina Jetter
Manch einer, der bei einem Lama-Spaziergang dabei war, kommt wieder.

Nach kurzer Zeit hat sich die Gruppe eingelaufen. Die Lamas haben Vertrauen zu ihren Menschen aufgebaut - und umgekehrt. Narnia, eine kleine weiße Stute, und ihre Spaziergängerin bewegen sich im gleichen Tempo, laufen Kurven oder bleiben stehen, ohne, dass es je Zug auf die Führleine gibt. Silke Christensen meint: "Wenn man eingetanzt ist mit dem Lama, dann ist es eben auch wirklich wie ein Tanzen. Also sie geht jetzt im Prinzip jede Bewegung mit. Geht auch komplett mit den Augen mit, also sie ist jetzt angedockt." Eine Teilnehmerin meint, dass sie Wiederholungstäter sei und zum zweiten Mal einen Spaziergang mit den Lamas mache. "Es ist einfach total spannend und sie reflektieren einen selbst wieder, in welcher Stimmung man ist." Das sei toll.

Neben den Spaziergängen kommen die Tiere auch für Achtsamkeits-Trainings, Lama-Coachings oder Lama-Therapie zum Einsatz. Und die Angebote werden zahlreicher. Rund 15.000 Lamas und Alpakas leben mittlerweile in Deutschland, so Schätzungen der Züchterverbände. Tendenz steigend.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Die Reportage | 16.02.2020 | 06:30 Uhr

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