Zwei Löschfahrzeuge sprühen Wasser auf die Transall.  Foto: Christian Wolf

LTG 63 in Hohn sagt Tschüs: Abschied von der Transall

Stand: 29.04.2021 15:23 Uhr

Es ist das Ende einer Ära. Zum letzten Mal ist eine Transall am Donnerstag von einem Einsatz nach Hohn zurückgekehrt. Im Dezember wird das Lufttransportgeschwader 63 aufgelöst.

von Christian Wolf

Für den kommandierenden General des Luftwaffentruppenkommandos Günter Katz endete am Donnerstag eine erfolgreiche Ära. "Die Transall und das Lufttransportgeschwader (LTG) 63 steht für die Zuverlässigkeit in den Einsätzen. Ich selbst bin viel in Afghanistan unterwegs gewesen und ich verbinde auch gerade diese Zeit ganz eng mit dem 63er und auch der Transall." Die Pilotenausbildung wird in Hohn noch weitergehen, ebenso die Fallschirmspringer Übungen - etwa 800 Flugstunden kommen so bis Ende des Jahres noch zusammen. Aber dann ist Schluss in Hohn bei Rendsburg, für das LTG63 und die Transall.

Piloten starteten von Hohn aus in die ganze Welt

Die Transall steht auf einem Flugplatz.  Foto: Christian Wolf
Die Transall startete in den letzten Einsatz in Hohn bei Rendsburg.

Das Lufttransportgeschwader 63 hat den kleinen Ort Hohn bei Rendsburg weit über Schleswig-Holstein hinaus bekannt gemacht. Mit dem logistischen Arbeitstier der Luftwaffe, der C-160, besser bekannt als Transall, sind Piloten von hier aus zu Flügen rund um den Globus gestartet. Dabei kamen mehr als 400.000 Flugstunden zusammen. Wenn man diese auf Tage umrechnet, eine unfassbar hohe Zahl. In der rund 53-jährigen Dienstzeit des Flugzeugs und des Geschwaders hat es Höhen und auch Tiefen gegeben. Anlässlich des letzten Einsatzfluges einer Transall schaut NDR Schleswig-Holstein zurück auf die bewegte Geschichte des LTG 63.

Hilfseinsatz ist der Startschuss

1968 erschüttert ein schweres Erdbeben die iranische Provinz Khurasan. Es drohen Engpässe bei der Versorgung mit Wasser und Nahrung. Diese Katastrophe sorgt für den ersten Flug einer Transall vom Flughafen Hohn aus. Am 7. September startet das Flugzeug mit der Kennung A-03 unter den Kommandanten Gunter "Johnny" Schlüter den Versorgungsflug zusammen mit anderen Maschinen in Richtung Teheran. Vorher nimmt die Besatzung bei zwei Stopps in Deutschland noch eine Trinkwasseraufbereitungsanlage, Decken, Kleidung und andere Hilfsgüter an Bord.

Erster Transatlantik-Flug mit Sextant

Ein knappes Jahr später, im Juli 1969, bricht eine Transall zur ersten Atlantiküberquerung auf. Was sich heute wie eine Selbstverständlichkeit anhört, ist damals für die Crew eine große Herausforderung. Vor allem für einen Mann im Cockpit, den Navigator. Er berechnet die Route noch mit einem Sextanten - eine Aufgabe, die inzwischen Satelliten und GPS übernehmen. Doch auch ohne diese technische Unterstützung erreicht die Besatzung aus Hohn nach Zwischenstopps im isländischen Keflavik, Sondreström in Grönland und Gander in Kanada den Zielflughafen: Dulles International in der Nähe der US-amerikanischen Hauptstadt Washington.

Notlandung im Moor

Im März 1970 kommt es beinahe zu einer Katastrophe. Bei der Maschine mit der Kennung "50+33" fallen bei einem sogenannten Instrumentenflug, wo sich die Piloten nur auf die Anzeigen ihrer Messgeräte verlassen, nacheinander beide Motoren aus. Mit eingezogenem Fahrwerk gelingt es der Besatzung schließlich, die Maschine auf einer Moorkoppel bei Pahlhude an der Eider notzulanden. Nachdem die Flügel der Transall demontiert und der Rest des Flugzeuges mit Hilfe eines Holzschlittens zum Nord-Ostsee-Kanal geschleppt wird, bringt ein Spezialschiff sämtliche Teile nach Hamburg-Finkenwerder. Die dortige Werft behebt die Schäden und das Flugzeug kann noch jahrzehntelang weiter eingesetzt werden.

Viele Tote bei Unglück auf Kreta

Der 9. Februar 1975 ist für Angehörige, ehemalige und aktive Soldatinnen und Soldaten des LTG 63 bis heute ein Schwarzer Tag. Damals kommt es zu einem schweren Unglück. Von Hohn aus sollen, wie jedes Jahr üblich, Soldaten des Flugabwehrbataillons 39 aus Süderbrarup für eine Schießübung per Transall nach Kreta gebracht werden. Dort, auf einer Höhe von etwa 1.700 Metern, prallt die Maschine mit der Kennzeichnung "50+63" gegen das Gebirgsmassiv Lefka Ori. Alle sieben Besatzungsmitglieder und 35 Soldaten aus Süderbrarup kommen ums Leben. Als Ursache stellt sich heraus: Bei diesem sogenannten Controlled Flight into Terrain dachte die Besatzung, sie wäre an einer anderen Position.

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Eine Transall-Maschine mit Sonderlackierung. © NDR Foto: Christoph Klipp

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Richard von Weizsäcker im Frachtraum

Die Transall des LTG 63 waren über die Jahrzehnte immer wieder an Hilfsaktionen beteiligt, oft in Afrika und im Nahen Osten. Doch im riesigen Frachtraum wurden nicht immer nur Hilfsgüter transportiert, sondern als Gast Ende 1985 auch der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Er flog mit in den Sudan, um sich dort einen Überblick der humanitären Lage zu verschaffen. Zuvor hatte das LTG 63 zusammen mit anderen Geschwadern bei insgesamt 385 Einsätzen knapp 3.500 Tonnen Ladung zu den hilfesuchenden Menschen nach Sudan transportiert.

"Sarajevo Approach"

Eine Besonderheit entwickelte das LTG 63 für die Versorgung der Menschen während des Bosnien-Kriegs. Damals beteiligte sich das Geschwader an der Luftbrücke für die Menschen in der Region Sarajevo in Bosnien und Herzegowina. Mehrere Jahre war die Hauptstadt der Region belagert worden, die Versorgung der Menschen war also nur aus der Luft möglich. Allerdings war die Transall für Flugabwehrgeschütze und Infantrie-Einheiten ein leichtes Ziel, da das Flugzeug beim Anflug relativ langsam ist.

Abhilfe schaffte das sogenannte "Sarajevo Approach". Bedeutet: Beim Anflug sollten Piloten so spät wie möglich, aber so früh wie nötig die Flughöhe verlassen. Das Manöver sieht fast so aus, als ginge die Transall in den Sturzflug. Und später beim Abflug stiegen die Flugzeuge damals mit hoher Geschwindigkeit steil nach oben, um schnellstmöglich auf Flughöhe zu kommen. Noch heute wird dieses Manöver bei Flugshows gezeigt.

Entwicklung als europäisches Projekt

Die Entwicklung der damals neuartigen Transportflugzeugs begann Ende 1958. Der Name Transall steht für Transporter Allianz und bezeichnet die Arbeitsgemeinschaft der drei beteiligten Unternehmen. Das waren die Vereinigten Flugtechnische Werke VFW aus Bremen, der Hamburger Flugzeugbau HFB und Nord-Aviation aus dem französischen Chatillion-sous-Bogneux. Alle drei Unternehmen gehören heute zu Airbus. Auch für die Modellbezeichnung C-160 gibt es eine Erklärung. Das "C" steht für Cargo und "160" für die Flügelfläche in Quadratmetern. Soldaten in Hohn nennen die Maschine auch einfach "Trall".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.04.2021 | 17:00 Uhr

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