Stand: 13.12.2018 14:20 Uhr

Korruptionsverdacht bei "Gorch Fock"-Sanierung

Kostenexplosion, eine Untersuchung des Bundesrechnungshofes und seit heute ein Korruptionsverdacht im Zuge der Sanierung: Kurz vor dem 60. Jubiläum der Indienststellung sorgt das Segelschulschiff "Gorch Fock" für einen neuen Skandal. Ein Mitarbeiter des Marinearsenals in Wilhelmshaven hat sich bei seinem Vorgesetzten gemeldet und sich selbst der Vorteilsnahme bezichtigt. Das Verteidigungsministerium geht diesem Korruptionsverdacht nach. Darüber hat das Haus von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch die Obleute des Verteidigungsausschusses unterrichtet, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet

Aus Teilnehmerkreisen heißt es: Der Mitarbeiter der Bundeswehr soll ein vergünstigtes Darlehen erhalten haben - von mindestens einem an der Schiffssanierung beteiligten Unternehmen. Nach Information von NDR Schleswig-Holstein soll der Mitarbeiter sich bei einem privaten Bauvorhaben überhoben haben.

Der Mann war mitverantwortlich für die Preisprüfung der "Gorch Fock"-Reparatur. Das Ministerium hat den Korruptionsverdacht bereits an die Staatsanwaltschaft gemeldet und will ihn strafrechtlich prüfen lassen. Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft bestätigte bisher nur, dass es diesen Vorwurf gibt und sie der Sache nachgeht.

Kosten für "Gorch Fock"-Sanierung explodierten

Der Fall ist deshalb besonders brisant, weil die Kosten für die "Gorch Fock"-Sanierung explodiert sind. Ursprünglich sollten die Arbeiten zehn Millionen Euro kosten. Inzwischen spricht das Verteidigungsministerium von 135 Millionen Euro. Seit Anfang 2016 wird das Segelschulschiff generalüberholt.

Grüne: Skepsis bestätigt sich

Die Opposition im Bundestag sieht sich in ihren Vorbehalten gegen die Sanierung des Traditionsschiffs bestätigt. "Die Kostensteigerungen bei der Gorch Fock haben uns schon immer sehr skeptisch gestimmt", sagte der Grünen-Obmann im Verteidigungsausschuss, Tobias Lindner. "Nach den neusten Erkenntnissen scheint sich diese Skepsis zu bestätigen."

Linke spricht von Selbstbedienungsladen

Der Verteidigungsexperte der Linken, Alexander Neu, sprach von einem Skandal, der auch an der Reputation von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nage. "Von der Leyen scheint ihr Haus und die Truppe immer weniger im Griff zu haben", sagte er. "Offensichtlich ist der aus Steuergeldern bestehende Militäretat zu einem Selbstbedienungsladen der Berater- und Rüstungsindustrie mutiert." Der FDP-Haushaltsexperte Karsten Klein sagte, es sei "nur ein weiterer Tropfen in das Fass der immensen Probleme im Bundesministerium der Verteidigung".

Schulschiff sticht frühestens im April 2020 wieder in See

Seit Jahren liegt die "Gorch Fock" in der Werft - und das bleibt auch noch so. NDR Schleswig-Holstein und das ARD-Hauptstadtstudio hatten bereits im November recherchiert, dass sich die Instandsetzung erneut verzögert. Demnach kann das Schiff frühestens im April 2020 an die Marine übergeben werden. Eigentlich sollten bereits im kommenden Jahr angehende Offiziersanwärter wieder auf der "Gorch Fock" ausgebildet werden. Das Problem für die erneute Verzögerung sind nach NDR Informationen die Masten. Weil die alten marode waren, mussten neue Masten gebaut werden.

"Gorch Fock": Traditionsschiff in der Werft

Obwohl sich die Auslieferung der "Gorch Fock" an die Marine um mehr als ein Jahr verzögert, sollen sich die Kosten von zuletzt 135 Millionen Euro nicht erhöhen. Mit der Elsflether Werft ist ein Festpreis für die Sanierung des Schiffes vereinbart worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.12.2018 | 12:00 Uhr

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