Raps blüht auch einem Acker des Guts Buckhagen in Rabel. © NDR Foto: Christian Wolf

Kommt es im Land durch den Ukraine-Krieg zum Raps-Boom?

Stand: 25.04.2022 05:00 Uhr

Der Krieg in der Ukraine sorgt für eine Verknappung von Raps und Sonnenblumen. Die Folge sind steigende Preise. Können die Landwirte im Land die drohende Versorgungslücke schließen?

von Christian Wolf

Mitten in Angeln, nicht weit entfernt von Kappeln (Kreis Schleswig-Flensburg), liegt das Gut Buckhagen. Eigentümer ist Alexander von Schiller, der den landwirtschaftlichen Betrieb bereits in der fünften Generation führt. Rund um den Gutshof, der mitten an der Schlei liegt, fangen gerade die Raps-Felder an zu blühen. "Die Pflanze ist einfach ein wesentlicher Bestandteil unseres Betriebes in der Anbauplanung. Jährlich macht Raps ungefähr 25 Prozent unserer Anbaufläche aus", erklärt Alexander von Schiller. Mit einem anderen Betrieb zusammen bewirtschaftet das Gut Buckhagen eine Fläche von insgesamt rund 860 Hektar, Raps macht davon etwa 220 Hektar aus.

Größter Teil wird zu Öl

Aus dem Raps, der in der Regel im Juli geerntet wird, lässt Alexander von Schiller größtenteils Öl produzieren: "Das machen wir aber nicht selbst, sondern die Hamburger Ölmühlen." Aus einer Tonne geernteter schwarzer Rapskörner, lässt sich etwa 450 Kilo Raps-Öl pressen. Aus dem Rest, der Raps-Kuchen heißt, kann Tierfutter hergestellt werden, da der Raps-Kuchen reich an Proteinen ist.

Gutsherr Alexander von Schiller steht vor einem blühenden Rapsfeld auf Gut Buckhagen in Rabel. © NDR Foto: Christian Wolf
Alexander Schiller führt das Gut Buckhagen in fünfter Generation. Zusammen mit einem anderen Betrieb bewirtschaftet er rund 860 Hekatr Land. 220 Hektar davon macht Raps aus.

Spielt das Wetter weiter mit, geht Alexander von Schiller in diesem Jahr von einer guten Raps-Ernte aus. Doch auch, wenn es gerade durch den Krieg in der Ukraine einen Mangel an Raps auf den Weltmärkten gibt, wird er im kommenden Jahr nicht mehr davon anbauen. "Wir als Landwirte planen ja immer sehr weit voraus. Deswegen kann ich nicht auf einmal sagen, dass ich 50 Prozent mehr Raps anbaue, weil es einfach nicht geht", so der 59-Jährige.

Krieg in der Ukraine treibt die Preise nach oben

Außerdem könne Raps nicht jedes Jahr angebaut werden, wie Alexander von Schiller erklärt: "Es gibt sonst Krankheitsfolgen an der Pflanze. Deshalb muss man eine Fruchtfolge einhalten. Bei uns ist das etwa Weizen, Gerste, Raps und Mais, die nacheinander angebaut werden."

Der Krieg treibt die Preise in die Höhe. So hat Alexander von Schiller im vergangenen Jahr für eine Tonne Raps 351 Euro bekommen, in diesem Jahr rechnet er mit rund 900 Euro. "Auf der anderen Seite haben wir allerdings das Problem, dass durch gestiegene Gaspreise der Dünger teurer wird. Der hat letztes Jahr 250 Euro pro Tonne gekostet, dieses Jahr sind es etwa 900 Euro." Auch die Preise für Diesel machen sich bemerkbar. "Wir verbrauchen hier bei uns 100.000 Liter Diesel pro Jahr. Also macht es schon einen Unterschied ob der einen oder zwei Euro kostet", so Alexander von Schiller, der am Ende seiner Raps Ernte vermutlich das gleiche verdienen wird wie sonst auch.

Schwierige Jahre für den Raps im Land

Insgesamt hat der Raps laut der Landwirtschaftskammer im Land eine schwierige Zeit hinter sich. "Das liegt vor allem daran, dass sich die Erträge kaum noch gelohnt haben, beispielsweise durch steigende Dünger-Preise", erklärt Daniela Rixen, Sprecherin der Kammer. Deswegen sei auch im vergangenen Jahr nur noch auf einer Fläche von etwa 60.000 Hektar Raps angebaut worden - der bisherige Tiefstwert für das Land. Dieses Jahr gibt es eine Anbaufläche von rund 73.000 Hektar. "An die Anbauzahlen wie es sie noch 2015 gab, mit hunderttausend Hektar Raps, daran werden wir aber nicht mehr rankommen", so die Sprecherin der Landwirtschaftskammer.

Wird es aber im kommenden Jahr mehr Gelb blühende Felder geben? Da ist sich Daniela Rixen nicht sicher. "Raps wird ja im August gesät. Es wird sich also noch zeigen, wie sich die Situation bis dahin entwickelt", so Rixen. Es scheint also, dass der Engpass bei Raps und Sonnenblumen durch den Ukraine Krieg zunächst für keinen Raps-Boom im Land sorgen wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 24.04.2022 | 19:30 Uhr

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Landwirtschaft

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