Kitas in Schleswig-Holstein sollen mehr Personal bekommen

Stand: 06.10.2022 19:20 Uhr

Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) will Kindertagesstätten in Schleswig-Holstein entlasten. Dafür sollen unter anderem Aufstiegschancen verbessert und der Quereinstieg erleichtert werden.

Quereinsteiger sollen künftig leichter in Kitas arbeiten können, Sozialpädagogische Assistenzen sollen mehr Verantwortung übernehmen dürfen und zusätzliche Mitarbeiter sollen Fachkräften Arbeit abnehmen - mit diesen Maßnahmen will Schleswig-Holstein Kindertagesstätten künftig entlasten. Das kündigte das Sozialministerium unter Aminata Touré (Grüne) am Donnerstag an. Frühkindliche Bildung habe höchste Priorität, so die Ministerin. "Wir wollen die Kitas jetzt zielgerichtet stärken, wo es am dringendsten notwendig ist", sagte sie. "Wir haben einen maximalen Personalmangel in den Kitas. Ich bin jetzt seit 100 Tagen im Amt, und das höre ich jeden Tag. Deshalb haben wir uns Gedanken dazu gemacht, was wir kurz-, mittel- und langfristig machen können, um Personal in die Kitas zu bekommen", so die Ministerin.

Quereinstieg erleichtern

Dafür sollen unter anderem neue Möglichkeiten für den Quereinstieg geschaffen werden. Künftig soll ein größerer Kreis an Personen für die Tätigkeit in einer Kita infrage kommen und dort als sogenannte Zweitkraft in der Betreuung arbeiten dürfen. Voraussetzung bleibt eine pädagogische Zusatzqualifizierung.

Portraitfoto von Aminata Touré © NDR Foto: Thomas Viet Dang
AUDIO: Touré möchte Personalsituation in Kitas verbessern (1 Min)

Mehr Verantwortung für Sozialpädagogische Assistenz

Außerdem sollen Sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten künftig Gruppen leiten dürfen. Bislang ist das nur Erzieherinnen und Erziehern, Sozialpädagoginnen und -pädagogen erlaubt. Mit dieser Aufwertung sollen die Einrichtungen Fachkräfte stärker an sich binden können. Um zur Gruppenleitung aufsteigen zu können, müssen Sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten mehrjährige Berufserfahrung in einer Kita vorweisen und eine zusätzliche Qualifizierung absolvieren, die das Land noch entwickeln will.

Finanzierung für Hilfskräfte

Weitere Unterstützung soll es laut Touré auch für Kitas geben, die wegen des Fachkräftemangels bereits den Betreuungsschlüssel abgesenkt haben. Sie sollen Geld bekommen, um sogenannte helfende Hände einzustellen, also Personal für nicht-pädagogische Aufgaben. Damit sollen die pädagogischen Fachkräfte entlastet werden. "Mit dieser Maßnahme ist die große Chance verbunden, potentielle Fachkräfte zu gewinnen", sagte Touré. Je nach beruflicher Qualifikation und Möglichkeiten der pädagogischen Weiterqualifizierung könnten die Hilfskräfte perspektivisch sogar als Zweitkraft anerkannt werden.

Pläne müssen im Landeshaushalt berücksichtigt werden

Die geplanten Maßnahmen stehen unter dem Vorbehalt, dass die Pläne im Haushalt berücksichtigt werden. Umgesetzt werden sollen sie nach Vorstellungen Tourés dann zu Beginn des kommenden Jahres.

Neben diesen kurzfristigen Maßnahmen plant das Land laut Touré weitere Schritte. Dabei gehe es unter anderem darum, Anleiterstunden in den Kitas, insbesondere für eine gute Begleitung der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, vorzusehen, Ausbildungskapazitäten auszuweiten und Kleinsteinrichtungen sehr gezielt zu unterstützen. Perspektivisch soll auch der Betreuungsschlüssel erhöht werden.

AWO sieht Pläne zu Hilfskräften kritisch

Die AWO, die in Schleswig-Holstein 62 Kitas und Betreuungseinrichtungen unterhält, sieht Teile der Pläne kritisch. Sie sorgt sich, dass die Qualität in den Kitas sinken könnte, wenn der Schwerpunkt auf Hilfskräfte gelegt wird. "Jede Hand, die hilft, ist erstmal gut", sagt der Awo-Vorstandsvorsitzende Michael Selck. "Aber wir reden in Kindertageseinrichtungen von frühkindlicher Bildung. Das heißt: wir brauchen fachlich gut ausgebildetes Personal. Wenn wir nur noch Aufbewahrung in Kindertageseinrichtungen machen wollen, dann muss man das politisch durchsetzen." Menschen, die einen kurzen Lehrgang zum Thema Pädagogik machen, können demnach keinen Erzieher und keine Erzieherin - und auch keine Sozialpädagogische Assistenz ersetzen. "Wir erreichen damit keine größere Zufriedenheit der Kollegen in den Einrichtungen, sondern ganz im Gegenteil: Es entwertet auch die Arbeit von Sozialpädagogischen Assistenten der letzten Jahre."

Auch für den kitapolitischen Sprecher der FDP, Heiner Garg, sind Quereinsteiger und Hilfskräfte eine wichtige Unterstützung - aber kein Ersatz für gut ausgebildete Fachkräfte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.10.2022 | 12:00 Uhr

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Sozialpolitik

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