Eine Sirene auf einem Hausdach. © picture alliance Foto: Stephan Jansen

Kieler Krisenforscher: Lob und Kritik für Katastrophenschutz

Stand: 21.07.2021 15:46 Uhr

Die Hochwasserkatastrophe in Deutschland wirft Fragen auf: Sind unsere Frühwarnsysteme gut genug, reicht der Katastrophenschutz aus? Der Direktor des Krisenforschungsinstituts in Kiel sieht Schleswig-Holstein relativ gut aufgestellt.

Krisenforscher Frank Roselieb nennt zwei besonders positive Aspekte des Katastrophenschutzes in Schleswig-Holstein: Zum einen gibt es genügend Personal, denn laut Roselieb gibt es in Schleswig-Holstein überdurchschnittlich viele Ehrenamtliche. Zum anderen gibt es auch genug einsatzbereite Fahrzeuge, auch wenn die vom Technischen Hilfswerk oft relativ alt seien.

Frank Roselieb, Krisenforscher und Krisenmanager.
Frank Roselieb ist geschäftsführender Direktor und Institutssprecher für das Institut für Krisenforschung in Kiel.
Update Katastrophenschutzplan?

Beim Bereich Logistik gibt es nach Ansicht des Krisenforschers allerdings Nachbesserungsbedarf: "Der Katastrophenschutzplan stammt aus dem Jahr 1998, da könnte man ein Update durchführen." Auch die schleswig-holsteinische SPD-Fraktion hat eine Überprüfung der Katastrophenschutzpläne gefordert.

Frank Roselieb ist geschäftsführender Direktor und Institutssprecher für das Institut für Krisenforschung in Kiel. © Krisennavigator Foto: Krisennavigator
AUDIO: Roselieb: Warn-SMS wären bei drohenden Katastrophen sinnvoll (1 Min)

Wird ausreichend gewarnt?

Wie bekommen die betroffenen Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig mit, dass eine Katastrophe droht? Frank Roselieb setzt dabei nicht nur auf die bekannten Warn-Apps für das Smartphone: "Sie müssen den Alarm auch als solches wahrnehmen - wenn Sie irgendeine Smartphone-App haben, die alle paar Stunden Alarm auslöst und ihnen den aktuellen Wetterbericht mitteilt, da haben Sie nicht viel von."

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Es müsse etwas besonderes sein, gewarnt zu werden, meint Roselieb. "Dafür sind Sirenen eigentlich sehr gut, die reichen auch im ländlichen Raum eigentlich aus, da würden sie ja eher nicht so oft aufs Smartphone schauen. In der Großstadt wäre wiederum das Smartphone das richtige Instrument." Die richtige Mischung aus Sirenen und digitalen Benachrichtigungen sei daher wichtig, damit die Menschen in der richtigen Situation mit dem richtigen Instrument erreicht werden können.

Warn-SMS funktionieren bereits im Ausland

Ein neues Instrument könnte laut Roselieb auch eine Warn-SMS sein, die dann an alle Handys, die sich in einem bestimmten Gebiet aufhalten, verschickt wird. Das sei zum Beispiel in den Niederlanden üblich, so der Krisenforscher. Der große Vorteil sei, dass man sich nirgendwo anmelden müsse, auch wenn man als Urlauber vor Ort ist. Eine sogenannte Funkzellenalarmierung wäre das Beste, was uns passieren kann, meint Roselieb. "Da muss man in die Netze investieren. Das geht nicht sofort, aber die Nezbetreiber haben signalisiert: Wenn ihr das wollt, dann bauen wir euch das auf. Das kostet natürlich einige Millionen, aber das Geld sollte uns das eigentlich Wert sein, wenn Sie überlegen, was jetzt der Wiederaufbau im Rheinland kostet. Das sind eher Milliarden, die man da investieren muss."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.07.2021 | 12:00 Uhr

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