Stand: 14.06.2018 12:11 Uhr

Kellinghusener besorgt um rumänische Arbeiter

Dass möglicherweise etwas nicht stimmt bei der Unterbringung der Rumänen, haben die Anwohner in Kellinghusen am Müll gemerkt. Von "Batterien von Müllsäcken", spricht eine von ihnen auf einer Bürgerversammlung. 150 rumänische Arbeiter sind mittlerweile in der Stadt, berichtet der Bürgermeister. Ein großer Teil davon arbeitet im Tönnies-Schlachthof - angestellt bei Subunternehmen.

Werden Arbeitnehmer ausgebeutet?

Gewerkschafter erheben Vorwürfe: Die Arbeitsbedingungen seien unzumutbar. "Uns hat abends eine Rumäne angerufen, die wollten Hals über Kopf nach Hause, die müssen 16 Stunden am Tag arbeiten", sagt Norbert Wagner vom Kreisverband Steinburg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Tönnies sagt zu diesem Vorwurf: Für "die Einhaltung der zulässigen Arbeitszeiten", sei der Subunternehmer zuständig. Und "die Kontrolle über die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes obliegt dabei der zuständigen Ordnungsbehörde." Aber auch die Unterbringung der Rumänen sorgt bei Anwohnern und Gewerkschaftsvertretern für Kritik. Wohnungen seien überbelegt und verdreckt, so der Vorwurf.

Videos zeigen unhygienische Zustände

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Dem NDR liegen Videos vor, die eine verdreckte Wohnung zeigen.

Dem NDR Schleswig-Holstein liegen Videos vor, die aus einer Wohnung stammen sollen, die ein Subunternehmen von Tönnies für die Arbeiter angemietet hat. Darin ist eine verdreckte Küche zu sehen, in der Insekten umherschwirren. Insekten auch im Schlafzimmer. In den Wänden sind Risse. Zu den Wohnverhältnissen sagt Tönnies: "Für die Einhaltung von Sauberkeit und Hygiene in der Unterkunft" sei "zuerst der jeweilige Mieter oder Eigentümer zuständig" und bei  groben Vernachlässigungen auch der Vermieter.

"Haben ein Recht, ordentlich zu wohnen"

Die Kellinghusener um Anja Halbritter haben einen Unterstützerkreis gegründet, um den Schlachthofarbeitern zu helfen und sie integrieren zu können. Sie sagt: "Wir freuen uns, dass die Werkvertragstätigen überhaupt da sind, und eine Arbeit verrichten, die anscheinend auch kein Deutscher mehr verrichten möchte. Das heißt aber gleichzeitig, dass sie auch ein Recht haben, ordentlich zu wohnen und zu leben und zu arbeiten."

Wegen der Aufnahmen und wegen des Protestes aus Kellinghusen hat das Gesundheitsministerium jetzt die staatliche Arbeitsschutzbehörde zur Überprüfung der Arbeits- und Lebensbedingungen eingeschaltet, die Behörde soll gegebenenfalls auch Maßnahmen dagegen einleiten.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.06.2018 | 19:30 Uhr

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