Stand: 11.07.2018 05:00 Uhr

Kein Baumschutz: Muss 350 Jahre alte Eiche sterben?

von Carsten Janz

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Um diese 350 Jahre alte Eiche geht es bei dem Beispiel aus Moorrege.

Die Eiche in ihrem Garten ist 350 Jahre alt. Sie sagt, dass sie von vielen Orten im Dorf aus zu sehen ist und damit das Dorfbild prägt. Doch Cordula Seiß aus Moorrege (Kreis Pinneberg) hat Angst um ihren Baum. Denn auf dem Nachbargrundstück werden mehrere Mehrfamilienhäuser gebaut, die die alte Eiche gefährden. Der Baum ragt mit seiner Krone gut zehn Meter auf das Nachbargrundstück. Damit "die Bewohner nicht von Ästen beim Frühstück auf der Terrasse genervt werden", wie sie leicht angesäuert sagt, müsse die Krone für den Investor um mehrere Meter gestutzt werden. "Das überlebt der Baum nicht", vermutet Seiß und stützt sich dabei auf ein Gutachten eines Sachverständigen.

Wenig Hoffnung auf Einigung

Der Austausch mit dem Investor, der auf dem Nachbargrundstück baut, sei schlecht, sagt Cordula Seiß. "Naturschutz spielt bei ihm keine Rolle." Deshalb hat Seiß wenig Hoffnung, dass es eine Einigung geben wird. Der Investor habe auf dem Grundstück auch schon Bäume gefällt, die eigentlich in der Baugenehmigung eingeplant waren.

Fehlende Baumschutzsatzung

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Cordula Seiß will ihre Eiche schützen.

Rechtlich möglich ist das alles, weil es in Moorrege keine Baumschutzsatzung gibt. "Hier kann jeder machen, was er will", schimpft Cordula Seiß. Und so wie in Moorrege sieht es nahezu im gesamten Kreis Pinneberg aus. Von 49 Städten und Gemeinden haben nur zwölf eine Baumschutzsatzung. Die Gemeinden müssten diese erlassen. Ein Sprecher des Kreises schreibt dem NDR dazu, dass der Kreis "natürlich auf den Erhalt von Bäumen hinwirken" möchte. Es gebe aber rechtlich keine Möglichkeit.

Landesweit nur wenige Baumschutzsatzungen

In den anderen Kreisen in Schleswig-Holstein spielt der Baumschutz sogar noch eine geringere Rolle als in Pinneberg. Von den insgesamt 1.106 Städten und Gemeinden haben 89 eine Baumschutzsatzung. "Das ist nicht gut", sagt Joschka Knuth, Pressesprecher des Umweltministeriums. "Wir können die Gemeinden nur ermuntern, eine Satzung zu erlassen", sagt er. Bäume seien extrem wichtig, sorgten für kühleres Klima an heißen Tagen, filterten die Luft, seien Lebensraum für viele Tiere und Insekten.  Die Gründe für die fehlenden Baumschutzsatzungen sind laut Knuth häufig in der Kommunalpolitik zu finden. Investoren würden durch Baumschutzsatzungen abgeschreckt. Politisch seien diese deshalb oft nicht gewollt oder einfach zu kompliziert, um sie umzusetzen. "Da bieten wir uns als Ministerium beratend an", so Knuth. Er hofft, dass jetzt, nach der Kommunalwahl, mehr Bewegung in den Baumschutz in den Gemeinden kommt.

Zu spät für die Eiche?

Für Cordula Seiß kommt diese Bewegung möglicherweise zu spät. In Moorrege gebe es laut Bürgermeister keine Signale aus der Politik, dass eine Satzung erlassen werden soll. Der Investor sagte dem NDR, dass er alle rechtlichen Vorgaben einhalten wird. Seiß will sich jedoch nicht geschlagen geben. Sie hat sogar mit Nachbarn eine Initiative gegründet. "Viele wissen nicht Bescheid", sagt Klaus Petzold von der Initiative "Gegenwind". "Wenn alle Moorreger wüssten, dass diese Eiche weg kommt, dann stünden hier tausend Leute." Er wünscht sich nicht nur eine Baumschutzsatzung für Moorrege, sondern für alle Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein. 

Cordula Seiß will weiter kämpfen

"Im Zweifel gehe ich vor Gericht", sagt Seiß. Sie hat sogar Kameras auf ihrem Grundstück installieren lassen, damit sie kontrollieren kann, was mit der Eiche geschieht. "Dass ich mal so was mache, hätte ich auch nicht gedacht". Doch sie will weiter kämpfen. Damit nicht nur ihre Eiche, sondern tausende Bäume in Schleswig-Holstein demnächst besser geschützt sind.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.07.2018 | 19:30 Uhr

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