"Kaufbar" in Büdelsdorf: Vom Recyclinghof ins Verkaufsregal

Stand: 21.10.2021 05:00 Uhr

Für alles was zu schade für den Müll ist hat der Kreis Rendsburg-Eckernförde spezielle Container auf die Recyclinghöfe gestellt: Alles was dort landet, wird aufbereitet und dann verkauft - in der "Kaufbar" in Büdelsdorf. Rund 100 Kubikmeter Müll spart der Kreis damit monatlich.

von Julia Barthel

Kaffeetassen mit filigranem rotem Muster, dazu die passende Kanne und Kuchenteller - Andrea Paulsen ist glücklich. In ihrem Einkaufswagen liegt das Porzellan, das sie sich ausgesucht hat. "Mit dem kann ich das Kaffee-Geschirr von meiner Oma ergänzen", freut sich die Flensburgerin. Eigentlich wollte sie zum Arzt nach Rendsburg, hat aber dann zufällig die "Kaufbar" in Büdelsdorf entdeckt. Und Schätze für ihr Wohnzimmer.

Vom Glas bis zum Brautkleid ist alles dabei

Im Februar 2020 ist die "Kaufbar" in ein ehemaliges Autohaus in der Hollerstraße in Büdelsdorf gezogen. Dementsprechend groß ist die Verkaufsfläche: In Regalen stehen Gläser und Geschirr und hochwertiges Porzellan. Aber auch Tische, Stühle und Bilder gibt es hier - bis hin zu Schreibmaschinen oder großen Musikanlagen.

"Es ist für alle was dabei. Alles, was das Herz begehrt, kann man hier finden", sagt Andrea Valentina. Seit gut einem Jahr arbeitet sie in der "Kaufbar", sortiert die Ware in die Regale, verkauft, berät die Kunden und dekoriert liebevoll die einzelnen Themenbereiche. Gerade ist mitten im Laden eine festlich gedeckte Hochzeitstafel aufgebaut - inklusive Brautkleid und Anzug.

Alles kommt vom Recyclinghof

Was im Regal steht, kommt ausschließlich von den Recyclinghöfen im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Waren werden dort in speziellen Containern gesammelt, von den Mitarbeitenden der "Kaufbar" abgeholt, sortiert, sauber gemacht und, wenn nötig, repariert.

Die Unterkunft im ehemaligen Autohaus zahlt sich aus: So können die Container von den Recyclinghöfen mit dem Lkw abgeholt und direkt in die Werkstatt gefahren werden. In der "Reparierbar" im hinteren Gebäudeteil gibt es sowohl Werkzeug als auch Know-how, um alte Sachen wieder fit und hübsch zu machen.

Reparieren statt wegwerfen

In der Werkstatt der "Reparierbar" sind auch Schulklassen oder andere Interessierte willkommen, um ihre eigenen kaputten Sachen zu reparieren. Die Menschen nutzen das Angebot sehr gerne, sagt Michaela Hamkens. Sie betreut auch den Instagram-Account, um den Laden bei jüngeren Menschen bekannt zu machen.

Willkommen sind hier alle, betont sie. Studierende haben hier zum Beispiel ihre erste Wohnungseinrichtung gefunden. Der Weg zum Möbelhaus nach Kiel ist da gar nicht mehr nötig. Das freut nicht nur die Kunden, sondern auch den Kreis. Denn weil die Sachen in der "Kaufbar" weiterverwendet werden, sparen die Abfallwirtschaftsbetriebe im Kreis Rendsburg-Eckernförde monatlich rund 100 Kubikmeter Müll. Und damit auch Kosten.

Finanziell tragfähig

In der "Kaufbar" klebt auf jedem Produkt ein Preisschild, wie in anderen Geschäften auch. Aber hier kann man über den Preis verhandeln - oder einen Mengenrabatt vereinbaren, verrät Verkäuferin Valentina. Was wie viel kostet, legt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin fest. "Wir vergleichen da mit Preisen auf Verkaufsportalen im Internet oder vertrauen auf unser Bauchgefühl", sagt sie.

Finanzieren kann sich der Laden mittlerweile selbst, viele Stammkunden kommen regelmäßig vorbei. Andere entdecken den Laden zufällig - und verlassen ihn mit einem kleinen Schmuckstück und einem Lächeln. Dann ist auch Verkäuferin Andrea Valentina zufrieden mit ihrer Arbeit.

 

Weitere Informationen
Ein Kammmolch auf einer Hand vor einem schilfbewachsenen Gewässer. © NDR Foto: Lisa Synowski

Mülldeponie als Lebensraum für seltene Tierarten

Weil eine Deponie in Tensfeld erweitert werden soll, prüft eine Biologin nun, welche Tierarten dabei geschützt werden müssen. mehr

Dutzende Mülltonnen stehen auf der Reventlouwiese in Kiel. © Picture Alliance Foto: Frank Molter

Kiel: Feiernde hinterlassen Müllberge - Stadt protestiert

Vor allem im Schrevenpark und auf der Reventlouwiese sieht es manchmal aus wie auf einem Schlachtfeld. Die Stadt reagiert mit einer Aktion. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 20.10.2021 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Mädchen mit Teddy kauert verzweifelt vor einem Laptop. © Fotolia.com Foto: Photographee.eu

Kinderschutzbund: Corona-Pandemie macht Kinder traurig

Der Kinderschutzbund ist Partner der diesjährigen NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland". mehr

Videos