Herbstdeichschau: Kontrolle der Deiche auf Nordstrand

Stand: 07.10.2021 16:10 Uhr

In Schleswig-Holstein werden regelmäßig alle Deiche auf ihre Sicherheit geprüft. Die Kontrolle ist gesetzlich festgelegt und findet zweimal im Jahr statt.

von Simone Steinhardt

"1962 und 1976 waren die letzten beiden großen Sturmfluten entlang der Westküste, auch hier auf Nordstrand. Da gab es die meisten Durchbrüche und Todesopfer", sagt Fabian Lücht vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Als Geschäftsbereichsleiter ist er dafür verantwortlich, sämtliche Deiche und Küstenschutzanlagen in Schleswig-Holstein instand zu halten. Das seien etwa 360 Kilometer entlang der Westküste und 70 Kilometer entlang der Ostküste, so Lücht. Rund 50 Millionen Euro gibt das Land für Küstenschutzmaßnahmen an Ost- und Westküste jedes Jahr insgesamt aus. Seit 1971 ist das Land zuständig für die Schutzdeiche - zuvor waren es die Wasser- und Bodenverbände.

Seit 2017 hat Nordstrand einen Klimadeich

Die letzte große Baumaßnahme auf Nordstrand gab es vor einigen Jahren: 2013 begannen die Bauarbeiten für einen Klimadeich im Alter Koog, sagt LKN-Baubereichsleiter Florian Schröter. "Die Klimadeiche sind etwa fünf Meter breit - und damit breiter als die Deichkronen eines normalen Deichs. Da können dann nachfolgende Generationen auch noch was draufsetzen. Die Außenseiten sind flacher, so wird die Wellenenergie rausgenommen", erklärt Schröter. Wie viel höher ein Klimadeich im Vergleich zu einem normalen Deich ist, werde individuell festgelegt, so Schröter weiter. 2017 war der Klimadeich fertig. 35 Millionen Euro hat er gekostet. Auch in Büsum gibt es einen Klimadeich.

VIDEO: Klima: Steigender Meeresspiegel gefährdet Schleswig-Holstein (3 Min)

Innenseiten der Deiche vermoost

Fabian Lücht und Florian Schröter (im Vordergrund) vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig Holstein.  Foto: Simon Hoyme
Fabian Lücht und Florian Schröter (im Vordergrund) vom LKN inspizieren den Deich auf Nordstrand.

Zwei Mal im Jahr inspizieren die Experten des LKN die Deiche bei uns im Land: Im Frühjahr und im Herbst. "Im Frühjahr schauen wir, welche Schäden Herbst- und Winterstürme angerichtet haben, was gemacht werden muss. Im Herbst müssen wir sehen, ob es irgendwo neuralgische Punkte gibt", erklärt Fabian Lücht. Problematisch könne es zum Beispiel werden, wenn nach Baumaßnahmen das Gras noch nicht durchgängig angewachsen ist.

2020 gab es auf Nordstrand außerdem Probleme mit Moos auf den Innenseiten der Deiche im Morsum- und Neukoog. Grund für das Mooswachstum: "Nährstoffmangel. Nachdem wir gedüngt hatten, wurde es besser", sagt Schröter. Das Problem mit der Vermoosung ist, dass sich dann keine geschlossene Grasnarbe bildet - die ist aber wichtig für die Stabilität des Deiches. "Wenn das Wasser kommt, wird Moos schneller weggespült und dann kommt gleich der Kleiboden zum Vorschein", meint der LKN-Baubereichsleiter.

Insgesamt guter Zustand der Deiche

Nach Angaben des LKN gab es für Schleswig-Holsteins Deiche keinerlei Ausbesserungsarbeiten, denn es gab keine Sturmflut im vergangenen Winter. Auch konnten demnach keine Trockenheitsrisse festgestellt werden. Auch die Deiche auf Nordstrand sind laut LKN insgesamt wehrhaft – also in einem guten Zustand. Eine Baumaßnahme läuft aktuell noch: Im Pohnshalligkoog wird ein sogenannter Treibselabfuhrweg verstärkt. "So kann aus dem Meer angeschwemmter Unrat besser abtransportiert werden", sagt Schröter. Rund 400.000 Euro kostet diese Maßnahme. Mitte Oktober sollen die Bauarbeiten beendet sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 07.10.2021 | 12:00 Uhr

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