Heizen mit Holz - Alternative zur Öl- und Gasheizung?

Stand: 11.10.2021 13:04 Uhr

Während Erdöl und Erdgas teurer werden, zahlen wir in Schleswig-Holstein mehr für Strom als in anderen Bundesländern. Für wen lohnt sich der Umstieg auf eine Holzheizung?

von Jörn Schaar

Wer ohnehin seine Heizung modernisieren will, sollte von einem Energieberater durchrechnen lassen, ob sich der Einbau einer Pellet-Heizung rechnet. "Denn nicht für jeden Haushalt ergibt sich dadurch automatisch Sparpotential", sagt der Mühbrooker Brennstoffhändler Christian Evers: "Das hängt stark davon ab, was das für ein Haus ist und was für eine Heizung aktuell eingebaut ist. Der Preisunterschied zwischen Erdgas und Holz ist noch nicht so groß. Wer eine gute Gasheizung hat, sollte die lieber behalten."

Evers betont, dass eine neue Pelletheizung teuer und kurzfristig derzeit ohnehin nicht zu kriegen ist. Er empfiehlt eher einen Kamin- oder Pelletofen als zusätzliche Heizung zu nutzen, das sei kosteneffektiver. "Wer aber von einer alten Ölheizung umsteigen möchte, der spart langfristig auf jeden Fall Geld", meint der Experte.

Preisanstieg auch beim Holz

Gleichzeitig zum Anstieg der Preise für Öl und Gas steigen auch die Einkaufskosten für Holzhändler, denn China und die USA kaufen die Märkte leer. "Die Landesforsten haben ihre Preise um rund 20 Prozent angezogen", erzählt Brennholzhändler Brar Rohweder-Brux aus Timmaspe im Kreis Rendsburg-Eckernförde. "Das kann ich nicht komplett an meine Kunden weitergeben, dann bin ich nicht mehr konkurrenzfähig." Es gebe zwar einen leichten Anstieg im Neukundengeschäft, das bewege sich aber im normalen Rahmen, sagt er: "Seit Corona sitzen viele zu Hause und arbeiten von da und dann haben sie halt den Ofen an und heizen noch ein bisschen zu. Das ist mehr geworden."

Sein Kollege Christian Evers sieht es genauso, beobachtet aber auch schwarze Schafe in der Branche: "Manche verramschen das Brennholz oder auch die Pellets regelrecht. Häufig ist das dann minderwertige Ware." Die erkenne man an morschen oder modrigen Scheiten oder an kleinen Plastikpartikeln - etwa aus der Möbelindustrie in Pellets. "Die dürfen eigentlich nicht verbrannt werden, aber Manche kümmern sich nicht darum", meint Evers.

Kombination aus Holz und Photovoltaik sinnvoll

Der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW) empfiehlt auf eine Kombination von Holzpellets und Solarstrom zu setzen. Nach einer Studie des Verbandes lassen sich so rund 25 Prozent der Energiekosten einsparen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren könne man so gegenüber einer Ölheizung und Strom aus dem Netz gut 40.000 Euro einsparen, heißt es dort. Das sei eine höhere Sparrendite als beispielsweise bei einer festverzinslichen Geldanlage. Deswegen darf man laut BSW nicht allein die Installationskosten betrachten.

Bedenken wegen Feinstaub und CO2

Kritiker von Holzheizungen betonen, dass diese auch nicht CO2-neutral sind. Durch die Verbrennung wird das im Holz gebundene CO2 wieder freigesetzt, zusätzlich entstehen Feinstaub und Geruchsbelästigung. Der Bundesverband Brennholzhandel und Brennholzproduktion betont hingegen die Nachhaltigkeit von Brennholz als nachwachsende Ressource. Holz könne regional angebaut werden, die Transportwege seien dadurch kürzer und Transport und Lagerung seien ungefährlich für Menschen und Natur, sagt der Bundesverband.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.10.2021 | 19:30 Uhr

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