Stand: 22.01.2020 16:09 Uhr

Heide will Vorreiter bei der Energiewende werden

Wie kann ein bestehender Stadtteil komplett durch erneuerbare Energien versorgt werden? Seit zwei Jahren versuchen Stadtentwickler, Wissenschaftler und Ingenieure in Heide (Kreis Dithmarschen) eine Antwort auf diese Frage zu finden. Sie sollen neue Technologien in großem Maßstab erproben und ein Konzept entwickeln, das auch auf andere Städte übertragbar ist. Bisher fand ihre Arbeit im Rahmen des Großprojektes "Quarree 100" vor allem in Büros und Konferenzräumen statt. Seit Mittwoch ist das Forschungsvorhaben im Stadtteil Rüsdorf auch deutlich sichtbar: Ein Spezialbohrer erkundet das Erdreich. Mit den Daten wollen die Projektpartner herausfinden, inwiefern sie Erdwärme in ihr Konzept einbinden können.

72 Stunden dreht sich der Bohrer

Eine Spezialfirma aus dem niedersächsischen Celle untersucht nun, wie konkret Erdwärme in Heide-Rüsdorf genutzt werden kann. Auf einem Grundstück im Stadtteil misst der Bohrer in 150 Metern Tiefe mit einer Sonde, wie warm die Schichten dort sind. Ein Fachplaner wertet die Ergebnisse nach der 72-Stunden-Bohrung dann aus. "Ich bin gespannt, welche Ergebnisse wir dann bekommen", sagt Projektmanager Martin Struwe von der Entwicklungsagentur Region Nord. "Mit der Erdwärme wollen wir später Wasser erwärmen und die Heizungen im Stadtteil versorgen. Je wärmer es in der Tiefe dort ist, desto weniger müssen wir aus anderen Energiequellen hinzufügen."

Nur erneuerbare Energien

Windstrom, Photovoltaik oder Biomasse: Heide will den gesamten Stadtteil ausschließlich mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien versorgen. "Wir werden unter anderem mit überschüssigem Windstrom von den Windkraftanlagen der Region arbeiten", sagt Jannick Schwender von der Stadt Heide. "Konkrete Gespräche mit den Stadtwerken Heide, die das Projekt in Rüsdorf umsetzen wollen, laufen bereits." Er hoffe, dass man den Bewohnern im Stadtteil in einigen Wochen konkrete Angebote über die künftige Strom- und Wärmeversorgung machen könne. Für Privat- und Geschäftsleute solle es auch in den zumeist älteren Gebäuden wirtschaftlich attraktiv sein.

Stadtviertel am Rande der Heider Innenstadt

Der Stadtteil Rüsdorf ist 20 Hektar groß. Er liegt am Rande der Heider Innenstadt - zwischen den Gleisen der Marschbahn, der Bundesstraße 203 und der Ostumgehung. "Dort leben 500 Menschen und das Besondere daran ist, dass der bauliche Bestand ganz gemischt ist. Wir haben viel Altbau dabei, Häuser teilweise älter als 100 Jahre, dann auch Geschoss-Wohnungsbau und auch Gewerbebetriebe", sagt Projektleiter Schwender. "Die Häuser bilden einen Querschnitt für viele andere Stadtviertel in Deutschland und deswegen ist das eben auch für das Forschungsprojekt interessant."

24 Millionen Euro vom Bund

Partner dieses bundesweit einmaligen Forschungs- und Umsetzungs-Projektes der Stadt Heide sind die Entwicklungsagentur Region Heide sowie Wissenschaftler der TU Braunschweig, der Uni Bremen und der Fachhochschule Westküste. Das Bundeswirtschafts- und das Bundesforschungsministerium unterstützen das Projekt mit insgesamt 24 Millionen Euro. Die Projektpartner treffen sich regelmäßig vor Ort. Außerdem tauschen sie sich in Videokonferenzen über den aktuellen Planungsstand aus. "Wir haben jetzt Halbzeit bei 'Quarree 100'. Die Forschungsphase haben wir jetzt abgeschlossen", sagt Projektleiter Schwender von der Stadt Heide. "Nun geht es an die Umsetzung und in zwei Jahren müssen wir fertig sein, dann läuft die Förderung aus."

Großes Interesse der Anwohner

Die Stadt Heide informiert regelmäßig über die Ergebnisse von "Quarree 100" und den aktuellen Stand. Neben Einwohnerversammlungen gibt es Sprechstunden der Projektpartner in einem grünen Info-Container, der auf einer Freifläche an der Rüsdorfer Strasse abgestellt ist. "Die Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil verfolgen das Projekt von Beginn an. Die meisten Anwohner sind sehr interessiert und kommen dann auch zu den Sprechstunden und Versammlungen" sagt Schwender. "Viele Hausbesitzer wollen wissen, wie sie ihre alten Gebäude fit machen können für die Zukunft. Energetische Sanierung und die Versorgung mit erneuerbaren Energien sind die Stichworte. Nach der Phase der Information warten jetzt alle auf konkrete Ergebnisse und die Angebote des Energieversorgers."

Ein Ziel des Projektes "Quarree 100" sei es natürlich, die Versorgung mit erneuerbarer Energie für die Bürger im Stadtteil Rüsdorf wirtschaftlich zu machen, ergänzt Martin Struwe von der Entwicklungsagentur Region Heide. 2020 wird das entscheidende Jahr für das Projekt - die Stadtwerke Heide wollen eine Energie-Zentrale errichten, von der aus die Bürger dann mit Strom und Wärme versorgt werden sollen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.01.2020 | 16:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Eine Bewohnerin des "Hauses zum Steertpogg" genießt in einem Sessel die Sonne, die durch die Terassentür hereinfällt. © NDR

Corona im Pflegeheim: Eine Heimleiterin berichtet

Im "Haus zum Steertpogg" in Norderstedt hatten sich innerhalb eines Monats 40 Bewohner und 16 Mitarbeiter mit Corona infiziert. mehr

Ein Feuerwerk erstrahlt den Himmel. © Fotolia.com Foto: DeVice

Silvester in SH: Feuerwerk erlauben oder verbieten?

Ein Thema bei den heutigen Bund-Länder-Gesprächen wird auch Silvester sein - und die Frage: Soll Böllern erlaubt sein? mehr

Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit. © dpa Foto: Sebastian Gollnow

Corona in SH: 251 neue Infektionen gemeldet

Seit Beginn der Pandemie sind in Schleswig-Holstein 13.304 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. mehr

Lübecks Spieler bejubeln einen Treffer. © imago images / Agentur 54 Grad

VfB Lübeck: Mit breiter Brust den "Betze" stürmen

Die Schleswig-Holsteiner wollen heute Abend ihre Erfolgsserie in Kaiserslautern fortsetzen. mehr

Videos