Stand: 25.07.2019 08:26 Uhr

Hass im Netz: Günther fordert mehr Zivilcourage

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Ministerpräsident Günther fordert einen andern Umgang mit sogenannten Hasspostings.

In der Anonymität des Internets verlieren manche Menschen alle Hemmungen, sie haten, trollen, flamen und dissen. Bei Kommentaren und Postings im Internet sind Beleidigungen und Drohungen fast schon Alltag - auch viele Ehrenamtliche und Kommunalpolitikerinnen und -politiker sehen sich damit konfrontiert. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) fordert einen andern Umgang mit sogenannten Hasspostings. Die Verrohung der Sprache im Netz habe erst das Klima geschaffen, das zur Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke beigetragen habe, ist Günther überzeugt.

"Aus schweigenden Mehrheiten müssen lautstarke Mehrheiten werden"

Statt neuer Gesetze fordert der CDU-Politiker die Bürger auf, Zivilcourage zu zeigen. "Wir haben es häufig in solchen Situationen mit schweigenden Mehrheiten zu tun. Ich glaube, es wäre klug, wenn aus schweigenden Mehrheiten mal lautstarke Mehrheiten werden, die diesen Menschen auch ihre Grenzen aufzeigen", sagte der Ministerpräsident NDR Schleswig-Holstein. Man dürfe es als demokratische Gesellschaft nicht zulassen, dass in Deutschland ein Klima der Angst entstehe. Dem müsse man sich entgegenstellen.

Einsatzgruppe gegen rechte Trolle im Netz

Im Südosten des Landes gibt es mit "CyberRight" eine Art schneller Eingreiftruppe, die Andreas Anders aufgebaut hat. Er will so Hass-Kommentaren in den Internetangeboten regionaler Medien etwas entgegensetzen. Die Einsatzgruppe hat die Region Lauenburg im Blick. Andreas Anders ist der Macher der regionalen Online-Zeitung "Herzogtum Direkt". Auf der Facebook-Seite seiner Zeitung finden sich nicht nur positive Kommentare. Auch viele Hass-Postings sind dort zu finden. Das Arbeitsprinzip von "CyberRight": Immer, wenn sie eine Information bekommen, dass in einem regionalen Online-Medium ein Troll unterwegs ist, benachrichtigen sie sich per Anruf, Mail oder Kurznachricht. Einer aus der Gruppe übernimmt dann den konkreten Fall, postet die Gegenrede. Noch ist die Gruppe klein, "CyberRight" besteht nur aus einer Handvoll Mitstreiter. Aber die Struktur steht, sie können handeln.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.07.2019 | 08:00 Uhr

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