Stand: 18.03.2019 18:19 Uhr

"Gorch Fock"-Krimi: Schweres Erbe für Sanierer

von Andreas Schmidt

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Blick auf das alte Kartenhaus des Segelschulschiffes "Gorch Fock".

Ganz hinten auf dem Werftgelände, kurz vor einem schlickigen Abhang, der hinunter zum Fluss Hunte führt, steht es: das alte Kartenhaus der "Gorch Fock" aus dem Jahr 1958. Hier war die Funkbude untergebracht. Hier hatte der Meteorologe seinen Platz. Hier waren die Seekarten, analog wie digital. Das Kartenhaus war das Nervenzentrum des Segelschulschiffs. Jetzt ist es ein Stück Stahl, aus dem lose Kabel hängen. Es steht auf dem Gelände der Elsflether Werft, die nach Vorwürfen der Korruption und Untreue ebenso am Abgrund steht wie die marode "Gorch Fock". Das Segelschulschiff der Marine steht ein paar Kilometer weiter Weserabwärts in Bremerhaven im Dock der Bredo-Werft.

Ein Gerüst auf der Elsflether Werft.

Wie geht es weiter mit der Elsflether Werft?

Schleswig-Holstein Magazin -

Die Elsflether Werft kämpft ums Überleben. Bis Ende Juni hat sie Zeit, die "Gorch Fock" wieder schwimmfähig zu machen. Pieter Wasmuth und Axel Birk wollen die Werft retten.

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Birk und Wasmuth wollen Werft und Schiff auf Kurs bringen

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Axel Birk (l.) und Pieter Wasmuth sind auf der Elsflether Werft auf Misswirtschaft und mutmaßliche Korruption gestoßen.

In der Schlosserei der Elsflether Werft sitzen zwei Männer, die die Werft und die Bark retten wollen: Axel Birk, der neue Geschäftsführer, und Pieter Wasmuth, der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Werft. Beide kommen aus der Windbranche. Wasmuth ist eigentlich Manager bei Vattenfall, Birk hatte zufällig gerade Zeit. Beide sind passionierte Segler. Sie haben ein schwieriges Erbe angetreten. Birk spricht von einem Sumpf aus Korruption und Misswirtschaft des alten Vorstands. "Es wurden die Lieferanten gebeten, überhöhte Angebote abzugeben, um die 15 Prozent. Das haben die dann an die Werft als Werftgebühr zurückgezahlt, sodass das Geld bei der Werft blieb", erzählt Birk. Seit Ende Januar versuchen er und Wasmuth, die Elsflether Werft und das Skandalprojekt "Gorch Fock" wieder auf Kurs zu bringen.

26 Millionen Schulden bei Zulieferern

Zunächst aber mussten sie Grund in die Werft bringen. "Ich dachte, das Wasser steht vielleicht bis zu den Knien, aber dann habe ich festgestellt, dass wir schwimmen müssen," meint Wasmuth. Geschäftsführer Birk ist entsetzt von der Buchführung: "So etwas habe ich noch nie gesehen." Seit Anfang 2018 sei es auf der Werft steil bergab gegangen, Rechnungen an Zulieferer seien einfach nicht mehr bezahlt worden. "Erst waren wir bei 15 Millionen, dann bei 17, dann bei 22, am Ende, nachdem wir alle Rechnungen durchgesehen haben, liegen wir bei 26 Millionen Schulden bei den Zulieferern," sagt Birk. Eine Insolvenz sei unausweichlich gewesen.

Firmengeflecht von Zypern bis in die Mongolei

Wasmuth und Birk suchen jetzt nach den verlorenen Millionen. Vermutlich ist alles in dem dubiosen Firmengeflecht verschwunden, dass die alte Geschäftsführung um die Werft herumgebaut hat. Das Firmennetz reicht von einer Filmproduktionsfirma über ein Reisebüro bis hin zur Goldmine in der Mongolei. "16 Millionen Euro konnten wir schon identifizieren," meint Axel Birk. "Wir werden daran arbeiten, das Geld für die Werft zurückzubekommen. Aber das wird schwierig. Denn das Netz reicht von Zypern über die Mongolei und Honkong bis nach China."

Intensive Aufklärung erforderlich

Immerhin konnten Birk und Wasmuth die Bundesregierung überzeugen, den Zahlungsstopp aufzuheben. Seit Montag wird wieder an der "Gorch Fock" gearbeitet. Ein neues Kartenhaus steht auch schon fertig gebaut in einer der Hallen. Das alte wird wohl am schlickigen Ufer der Hunte stehen bleiben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir versehentlich "Außenstände" statt "Schulden" geschrieben. Der Fehler wurde inzwischen korrigiert.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.03.2019 | 19:30 Uhr

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