Stand: 27.07.2019 17:17 Uhr

Gefahr durch Unterströmung: Badeverbot in Lübecker Bucht

Heftige Winde, starker Wellengang, gefährliche Strömung - das Baden in der Ostsee ist derzeit gefährlich. In der Lübecker Bucht besteht ein Badeverbot. In der Hohwachter und der Lübecker Bucht, auf Fehmarn, in Grömitz, Scharbeutz und Waabs wehte am Sonnabend die rote Flagge an den Stränden. Mit Megafonen wiesen die Rettungsschwimmer der DLRG die Urlauber auf die gefährliche Unterströmung und das Badeverbot hin. "Wir wissen, es ist warm - aber die Ostsee hat zurzeit eine nicht sichtbare Unterstömug", warnte die Leitstelle Süd auf Twitter.

 

Viele Einsätze am Timmendorfer Strand

Ans Badeverbot halten sich viele Urlauber laut DLRG aber nicht. Im Sommer wird dies immer wieder ignoriert. Bei Wellengang entsteht eine Strömung, die staubsaugerartig ins offene Meer zurückzieht. Dies ist vor allem für Kinder im flachen Wasser gefährlich, weil sie leicht umgerissen werden können. 

"Die Leute halten sich für geübte Schwimmer oder meinen, dass ihnen nichts passieren kann, so lange sie noch im Wasser stehen können. Ein fataler Irrglaube", sagte der Scharbeutzer DLRG-Wachleiter Patrick Schulz NDR Schleswig-Holstein. Die Strömung sei so stark, dass sie vor allem Kindern die Beine wegreiße. Auch am Strand von Timmendorf hat die DLRG derzeit viele Einsätze. "Wir mussten schon einige Menschen aus dem Wasser retten", heißt es von der dortigen Wache.

Tipps zum sicheren Baden im Meer

  • Warum ist auflandiger Wind so gefährlich?

    Der Wind weht Richtung Land und verursacht einen starken Seegang und kraftvolle Wellen, die am Strand brechen. Die Wassermengen fließen dann unter den brechenden Wellen zurück ins Meer. "Diese Unterströmung ist von außen nicht unbedingt zu erkennen, kann aber einen Badenden leicht umwerfen und ihn mit großer Kraft ins Meer ziehen", erklärt Thies Wolfhagen vom DLRG Landesverband Schleswig-Holstein. Dieser Sog ist für Schwimmer deutlich spürbar, man hat kaum eine Chance, sich daraus zu befreien. In solchen Situationen entsteht oft Panik. Betroffene werden hektisch, können die Situation dadurch noch weniger kontrollieren und verlieren schnell an Kraft.

  • Was kann man tun, wenn man von so einer Strömung erfasst wird?

    Die DLRG kennzeichnet am Strand deutlich, wann es zu gefährlich ist, zu baden. Weht die rote Fahne und sind entsprechende Schilder aufgestellt, sollte man nicht ins Wasser gehen. Wer sich diesem Rat widersetzt und trotzdem in eine gefährliche Unterströmung gerät, sollte unbedingt Ruhe bewahren, rät Wolfhagen: "Es ist am besten, kurz die Luft anzuhalten, nicht gegen die Strömung anzuarbeiten und sich erstmal von der Strömung treiben zu lassen. Kommt man wieder an die Oberfläche, sollte man versuchen, zu winken und auf sich aufmerksam zu machen." Wer kann, sollte versuchen, irgendwo Halt zu finden.

  • Wie weit darf man an gefährlichen Tagen ins Wasser gehen?

    Signalisiert die DLRG mit ihren Fahnen, dass Baden verboten ist, sollte man sich unbedingt daran halten. Man darf allerdings an der Wasserkante spazieren gehen und die Füße zum Abkühlen ins Wasser halten. Trotz ihrer deutlich sichtbaren Warnungen, sehen die DLRG-Retter täglich Tausende, die trotzdem im Meer baden und sich auch nach persönlicher Ansprache nicht davon abbringen lassen. Damit bringen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Retter in Gefahr, sagt Wolfhagen.

  • Droht Kindern besondere Gefahr?

    Kinder haben weniger Kraft. Ihnen fällt es noch schwerer, gegen starke Wellen und überraschende Strömungen anzuarbeiten. Außerdem haben Kinder oft ein nicht so ausgeprägtes Gefühl für Gefahren. Sie erkennen womöglich nicht, dass eine Situation gefährlich ist. Jeder Erwachsene, der trotz Warnungen ins Wasser geht, gefährde - als schlechtes Vorbild - auch Kinder, so Wolfhagen.

  • Wie reagiert man, wenn man merkt, dass jemand zu ertrinken droht?

    Ertrinken geht oft völlig lautlos von sich. Ertrinkende schlucken zu viel Wasser, können sich dann nicht an der Oberfläche halten und gehen schließlich unter. Besondere Aufmerksamkeit ist angebracht, wenn man beobachtet, dass sich ein Badender unnormal bewegt oder plötzlich verschwindet.

  • Was kann man tun, wenn jemand in Gefahr ist?

    Wer vom Strand aus eine gefährliche Situation im Wasser beobachtet, sollte in jedem Fall andere Strandbesucher und vor allem die Rettungsschwimmer über die Lage informieren. Bevor man selbst ins Wasser geht, sollte man abschätzen, ob man sich eine Rettung zutraut, rät der Experte. Dann ist wichtig: Auf keinen Fall alleine ins Wasser gehen, sondern immer mit mehreren! Ertrinkende sind oft in Panik und können so auch ihre Retter unter Wasser drücken. Wenn möglich, sollte man einen Auftriebskörper, wie ein Surfbrett oder einen Schwimmreifen mitnehmen, an dem man sich festhalten kann. Wer kann, sollte außerdem einen Rettungsruf über die "112" absetzen.

  • Welche Gefahren lauern sonst im Meer?

    An der Nordsee sind vor allem die Gezeitenströmungen - also Ebbe und Flut - gefährlich. Urlauber können diese mangels Erfahrung oft nicht richtig einschätzen und geraten so in gefährliche Situationen, aus denen sie sich selbst nicht retten können. Ebenfalls gefährlich sind Untiefen: Das Ufer sieht zunächst flach aus, unter Wasser fällt es dann aber plötzlich und unerwartet steil ab - das ist besonders für Kinder eine Gefahr. Auch Brückenbauwerke und Betonstege können gefährlich werden, wenn man von den Wellen dagegen geschleudert wird oder der Sog einen darunter zieht. Von Bauwerken und Felsen im Wasser sollte man sich grundsätzlich fernhalten, sagt Wolfhagen.

  • Ist ablandiger Wind auch gefährlich?

    Bei ablandigem Wind sind weniger die Wellen das Problem. Besonders gefährlich wird es zum Beispiel, wenn man auf einer Luftmatratze liegt und nicht merkt, dass man zu weit vom Ufer abkommt.

zurück
1/4
vor

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.07.2019 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:32
Schleswig-Holstein 18:00
03:18
Schleswig-Holstein Magazin
02:19
Schleswig-Holstein Magazin