Gefährlicher Abfall: Schenefeld wird Faulschlamm nicht los

Stand: 15.07.2022 05:00 Uhr

In Schenefeld im Kreis Pinneberg sorgt ein riesiger Haufen Faulschlamm seit Jahren für Ärger. Die 6.000 Tonnen stammen aus einem ausgebaggerten Regenrückhaltebecken und sind hoch belastet. Das Problem: die Entsorgung. Keine Deponie will den Schlamm haben.

von Hannah Bird

Idyllisch sieht es aus im Naherholungsgebiet Friedrichshulde in Schenefeld. Wiesen, Waldwege, hohes Schilfgras an einem Teich, Enten und Graureiher. Und dann plätschert noch die Düpenau vorbei. Von vielen Schenefeldern wird es genutzt - ob sie mit dem Hund unterwegs sind, Fahrrad fahren oder einfach nur spazieren. Doch mittendrin, am Regenrückhaltebecken, liegt seit zwei Jahren Faulschlamm. Und zwar 6.000 Tonnen. Sie sind 2019 im Auftrag der Stadt ausgebaggert worden. Denn über viele Jahre hatte sich in dem Regenrückhaltebecken einiges angesammelt, so Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD). "Das liegt am Ende aller Abflussleitungen aus ganz Schenefeld, so muss man sich das ungefähr vorstellen", sagt sie. Und der Schlamm hat es in sich, denn er ist hoch belastet. Und gammelt am Rand des Regenrückhaltebeckens und in weißen Big Packs mitten in dem Naherholungsgebiet rum.

Entsorgung des Faulschlamms wurde zum Problem

Das Problem ist die Entsorgung. Bisher hat keine Deponie den Faulschlamm angenommen. Der Druck auf die Bürgermeisterin wächst: "Es ist eine riesige Herausforderung, diese Maßnahme endlich zu Ende zu führen", sagt sie. "Und so langsam ist es auch schwierig, der Öffentlichkeit zu erklären, warum es nicht funktioniert. Und das macht uns gerade in der Verwaltung natürlich arg zu schaffen", so Küchenhof weiter. Sie habe eine sogenannte Andienungspflicht an den Kreis. Könne also nicht selber entscheiden, wo der Schlamm hinkommt. Sondern sie müsse auf den Kreis, also die Abfallwirtschaft warten, dass sie eine Deponie zuweisen. Zuständig für die Entsorgung ist nämlich die GAB - die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung.

Keine Deponie wollte den belasteten Schlamm haben

Diese hatte eine Deponie in Flensburg angefragt. Doch sie lehnte ab. Denn der Schlamm war zu belastet. Das hatten Proben ergeben. Enthalten seien unterschiedliche chemische Stoffe, so GAB-Geschäftsführer Herbert Schultze. "Ein starker Parameter ist Zink, der letztendlich über die Einflüsse von Straßen und ähnliches dort hineingekommen ist. Das macht es zu einem gefährlichen Abfall in der Abfallhierarchie."

Deswegen klappte es auch mit der zweiten Deponie nicht. Dieses Mal in Hittfeld in Niedersachsen. Von dort gab es erst eine Zu- dann eine Absage. Auch für diese Deponie waren zu viele Schadstoffe in dem Schlamm. "Wir können letztendlich nur Deponien suchen, die der aktuellen Probe entsprechen", erklärt Schultze. Damals sei das noch die Deponieklasse II gewesen. Aufgrund der Menge an Schlamm, sei aber eine höhere Proben-Anzahl gefordert worden. Und diese Proben hätten ein schlechteres Ergebnis geliefert, zu schlecht für die Deponie in Hittfeld. "Das bedarf einer Deponie der Deponieklasse III. Das ist dann schon eine sehr hoch angesiedelte Deponie. Und wir reden dann nicht mehr über Böden, sondern über gefährliche Abfälle", so Schultze.

Hoffnung liegt nun auf einer dritten Deponie

Inzwischen ist eine dritte Deponie angefragt. In Schönberg, Mecklenburg-Vorpommern. Sie gehört zur Deponieklasse III. In der kommenden Woche sollen die Proben dorthin geschickt werden. In der Hoffnung, dass die 6.000 Tonnen Faulschlamm aus Schenefeld dann dort nach zwei Jahren entsorgt werden können. Denn es werde natürlich auch nicht günstiger, sagt Christiane Küchenhof. Und weiter: "Je schwerer dieser Boden ist, desto teurer wird’s. Und je höher die Deponieklasse, desto teurer wird’s. Kann man sich dann ungefähr ausrechnen." Über eine Million Euro habe die Maßnahme laut Bürgermeisterin inzwischen schon gekostet.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 15.07.2022 | 19:30 Uhr

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