Mitarbeiter vom Mitsubishi-Werk in Flensburg nehmen an einer Demo teil. © Kroeske, Peer-Axel

Flensburg: Mitsubishi Paper Mills will Produktion einstellen

Stand: 25.08.2022 19:56 Uhr

Das Unternehmen Mitsubishi Paper Mills zieht sich zum Jahresende vom Standort Flensburg zurück. Das hat die Firmenzentrale in Japan mitgeteilt. Betroffen sind rund 220 Mitarbeitende.

Ende 2022 will der japanische Konzern Mitsubishi Paper Mills die Produktion von Spezialpapier in Flensburg einstellen. In einer kurzen englischsprachigen Mitteilung begründete das Unternehmen Anfang August seinen Rückzug mit der Kostensituation, die sich durch die Energiepreise dramatisch geändert habe.

Mitarbeiter vom Mitsubishi-Werk in Flensburg nehmen an einer Demo teil. © Kroeske, Peer-Axel
AUDIO: Hoher Gaspreis gefährdet Flensburger Mitsubishi-Papierfabrik (3 Min)

Weiterbestehen offen, bisher keine Antworten aus Japan

Unklar ist bisher, ob der Rückzug gleichbedeutend mit einer Schließung des Werks ist, oder ob es verkauft werden soll. Inwiefern das Werk nach dem Rückzug von Mitsubishi unter anderer Leitung bestehen bleiben kann, ist demnach offen. Der Betriebsrat versucht nach eigenen Angaben seit drei Wochen erfolglos, Antworten aus Japan zu bekommen.

In Flensburg stellt Mitsubishi Paper Mills Thermo-Spezialpapiere her. Diese werden zum Beispiel für U-Bahn- und Konzerttickets sowie Tintenstrahldrucker benutzt. Weil insbesondere Konzert- oder Sporttickets während der Pandemie weniger gefragt waren, hat die Fabrik zwei schwierige Jahre hinter sich. "Wir haben 2020 als Werksergebnis durchaus noch schwarze Zahlen geschrieben. 2021 hat natürlich Corona seine Spuren hinterlassen, weil wir überwiegend im Ticketbereich unterwegs sind", erklärte der Betriebsratsvorsitzende Jan Wollatz. Eigentlich sei es aber wieder aufwärts gegangen. "Wir haben den Eindruck, dass sich das gerade wieder in die andere Richtung bewegt."

Oberbürgermeisterin Simone Lange geschockt

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter demonstrierten am Donnerstagnachmittag spontan für rund eine Stunde vor dem Werk. Dabei war auch Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) anwesend. Sie zeigte sich in einer ersten Reaktion geschockt und beklagte ebenfalls, noch keine Antwort aus Japan auf ihre Anfrage erhalten zu haben.

Der Standort, die ehemalige Feldmühle auf einer großen Fläche im Flensburger Stadtzentrum, hat eine mehr als 300-jährige Geschichte. Zuletzt wurde laut der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE) aber zu wenig in Flensburg investiert. Das Management habe Fehler gemacht, betonte auch der Betriebsrat aus dem Schwesterwerk in Bielefeld, das bisher nicht betroffen ist. Eine Alternativen zur Herstellung von Papieren für Karten seien möglicherweise Lebensmittelverpackungen aus Papier, meint Oberbürgermeisterin Lange. Auch in diesem Bereich sei Mitsubishi Paper Mills führend.

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Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.08.2022 | 19:00 Uhr

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