Stand: 30.08.2014 10:00 Uhr

Fährkapitän: Kurzstrecke statt große Fahrt

von Daniel Kummetz

Der Fähranleger in Breiholz ist schon ziemlich lange ein besonderer Ort für Johannes Jeßen. Früher, als er noch Kapitän auf großen Schiffen war, kam seine Familie bei Kanalpassagen zum Winken hierher. Doch für die Fährkapitäne hatte er nichts übrig. "Ich dachte, die Macker, die da arbeiten, müssen einen an der Waffel haben", sagt er. Die Fährschiffer waren für ihn ein "Häkelbüddel-Club" - eine Ansammlung von Langweilern. Und dann ist er selbst so einer geworden.

80.000 Fahrten im Jahr

Seit 16 Jahren Jahren steuert Jeßen die "Stralsund" mit zwei Steuerknüppeln über den Nord-Ostsee-Kanal. Auf jeder Tour nimmt er bis zu acht Autos mit. Die Fähre verbindet Breiholz mit Breiholz - den Hauptteil des 1.500-Einwohner-Dorfes im Kreis Rendsburg-Eckernförde mit den durch den Kanalbau abgehängten Ortsteilen Meckelmoor und Claustal. Die Fähre fährt Tag und Nacht, es gibt nur 30 Minuten Pause in 24 Stunden. Im Schnitt pendelt sie mehr als 220 Mal am Tag hin und her, macht mehr als 80.000 solcher Fahrten.

Ampelschaltung per Mausklick

Wie sanft die "Stralsund" anlegt, das hat Jeßen in den Händen. Er steuert die beiden Antriebspropeller und bestimmt, in welche Richtung ihre Kraft wirken soll. Das Anlegen gelingt - wie so oft - ohne Rums. Jeßen lässt die beiden Steuerknüppel los und greift zur Computer-Maus. Mit ein paar Klicks öffnet er die Schranken und steuert die Ampel-Anlage. Auf einem Bildschirm kann er beobachten, wie die Fahrzeuge die Fähre verlassen.

Der Kapitän entscheidet, wer mitfahren darf

Die Breiholzer Fähre ist ausgerüstet für den Ein-Mann-Betrieb. Ein Decksmann ist nur nötig, wenn es besonders viel Verkehr gibt - oder sehr starken Nebel. Ist die Fähre geleert, guckt Jeßen in die Warteschlangen. Gibt es Fahrzeuge, die er besonders berücksichtigen muss - Lkw, Traktoren, Wohnmobile? Davon macht er es abhängig, wer zuerst auf die Fähre darf.

Jeßen findet die Frau seines Lebens in Finnland

Jeßens Touren waren früher länger, dauerten schon mal Wochen und Monate. Er fährt seit 1965 zur See, durchläuft die damals klassische nautische Karriere – vom Decksjungen zum Containerschiff-Kapitän. Auf einer Fahrt lernt er in Finnland seine Frau kennen und gründet eine Familie. Jeßens Heimat wird Hohenwestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Trotz des Familienglücks fährt Jeßen weiter zur See - oft lange und weit weg. Er genießt es der "Master next to God, die Nummer 1 an Bord" zu sein, wie er heute erzählt.

Auf die Dauer wird ein großes Schiff zum Knast

Doch Ende der neunziger Jahre gibt es einen Sinneswandel bei Jeßen. Er findet es nun wichtig, mehr vom Familienleben mitzubekommen und heuert beim Wasser- und Schifffahrtsamt als Fährkapitän an. Denn nach 30 Jahren auf dem Schiff verliert auch die See einen Teil ihres Reizes für Jeßen. "Es ist schön aufs Meer zu gucken, es ist auch schön viel aufs Meer zu gucken, aber nur aufs Meer gucken - das wird dann schon irgendwann langweilig", sagt er heute. Das Leben an Bord sei ihm irgendwann "knastmäßig" vorgekommen. Es fehlt ihm die Bewegungsfreiheit.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 30.08.2014 | 19:30 Uhr

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