In einem Labor wird eines von mehreren Glasröhrchen angehoben. © picture alliance Foto: Hendrik Schmidt

Ermittlungen zu Lübecker Corona-Testzentrum dauern an

Stand: 22.03.2021 15:20 Uhr

In Lübeck haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag die Räume eines Corona-Test-Anbieters durchsucht. Möglicherweise wurden dort Befunde von PCR-Tests gefälscht. Die Ermittlungen dauern noch an.

Bei den Ermittlungen wegen Betrugsverdachts gegen den Betreiber eines Corona-Testzentrums in Lübeck sind diverse Beweismittel sichergestellt worden. Diese sollten jetzt ausgewertet werden, sagte die Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst am Montag. Die Beschuldigten äußerten sich demnach zunächst nicht zu den Vorwürfen. Sie befinden sich auf freiem Fuß, da keine Haftgründe vorliegen. Der Betreiber des Testzentrums und eine Mitarbeiterin stehen im Verdacht, Abstriche für PCR-Tests nicht oder nicht ordnungsgemäß untersucht zu haben.

Schwerer Fall von Betrug und Titelmissbrauch

Es bestehe der Verdacht auf einen besonders schweren Fall des Betrugs und des Titelmissbrauchs, sagte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst, am Sonnabend. Das Testzentrum in der Lübecker Altstadt soll PCR-Tests für 120 Euro verkauft haben. Unterschrieben wurden die Bescheinigung laut Staatsanwaltschaft von einer Mitarbeiterin mit einem Doktortitel. Hier bestehe der Verdacht, dass der Doktortitel nicht rechtmäßig geführt werde.

VIDEO: Lübeck: Polizei durchsucht Corona-Testzentrum (1 Min)

Erst seit knapp zehn Tagen betreibt eine Berliner Firma das Testzentrum in der Lübecker Altstadt. Vor allem für Gratis-Schnelltests, die allen Bürgern nun einmal pro Woche zustehen. Daneben waren auch PCR-Labortests im Angebot, zum Beispiel für Reisen ins Ausland. In wie vielen Fällen Aufträge für PCR-Tests entgegen genommen wurden, müsse noch geklärt werden, sagte Hingst. Hinweise auf Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit den Corona-Schnelltests gebe es bislang nicht.

Durchsuchungen auch in Berlin

Blick auf die geschlossene durchsichtige Eingangstür eines Corona-Testzentrums in der Lübecker Altstadt. An der Tür kleben zwei Plakate. © NDR Foto: Hauke Bülow
Das "Corona Testzentrum Lübeck" in der Altstadt.

Betreiber des Testzentrums und auch Leiter vor Ort ist nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein ein Student aus Berlin. Die Ermittlungen richten sich gegen ihn und eine Mitarbeiterin. Am Freitag wurde nicht nur das Testzentrum selbst durchsucht, sondern auch die Geschäftsräume in Berlin und die Privatwohnungen. Das Zentrum war am Freitag geschlossen worden.

Kundin meldet Ungereimtheiten der Polizei

Aufmerksam wurden die Ermittler durch die Anzeige einer Kundin, die Ungereimtheiten auf ihrem Testergebnis bemerkt hatte und dann zur Polizei gegangen war. Gesine Albrecht suchte für ihre Mutter einen Anbieter für PCR-Tests. Sie fand das Angebot des "Corona Testzentrums Lübeck": Abstrich und Laboruntersuchung für knapp 120 Euro. "Ich schaute am nächsten Tag in meine Mails, ungefähr gegen 9.30 Uhr. Ich sah, dass ich schon um 7.55 Uhr einen Vermerk hatte, dass das Testergebnis da war", sagte sie. Ein Ergebnis in nur rund 15 Stunden. Laut Bescheinigung kam es aus einem Berliner Labor. Gesine Albrecht wurde misstrauisch und fragte schließlich im Berliner Labor nach. Sie bekam die Antwort, dass man dort weder ihren Test noch überhaupt Tests des Lübecker Zentrums untersucht habe.

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Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.03.2021 | 06:00 Uhr

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