Erfolgreicher Umbau: Das Grotmoor ist wieder nass

Stand: 26.02.2023 17:55 Uhr

Nachdem das Grotmoor zur Großbaustelle wurde, ist es jetzt wieder vernässt. So kann es zum Klimaschutz beitragen, denn die Feuchtgebiete können CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen.

von Katharina van der Beek und Hannah Bird

Nach drei Jahren Planung und sechs Monaten Bauzeit ist es soweit: das Grotmoor im Kreis Segeberg ist wieder nass und kann so nun auch wieder zum Klimaschutz beitragen. Denn Moore können CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen. Dafür liefen die Arbeiten seit Mitte August auf Hochtouren.

Drei Jahre Planung, ein halbes Jahr Bauzeit

Damit das Wasser bleibt, haben Arbeiter viele Kilometer Drainage entfernt, 50 unterschiedliche Staubauwerke errichtet und einen fast sechs Kilometer langen Torf-Wall aufgeschüttet. Außerdem hat das Team rund um Projektleiter Janis Ahrens acht Überläufe eingebaut. Damit können sie den Wasserstand kontrollieren. Am Anfang habe man sich das noch nicht so richtig vorstellen können, wie das am Ende aussieht, erzählt Ahrens. Aber nun allmählich schon. "Was hier noch fehlt, ist die Vegetation, die Torfmoose - das kommt ja aber von alleine", so der Projektleiter.

Trockene Moore stoßen viel CO2 aus

Die Moor-Vernässung ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Naturschutz und der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Sie haben sich zusammen getan, um das seit 200 Jahren trockengelegte Grotmoor wieder in ein intaktes Moor zu verwandeln. Denn nur so trägt es zum Klimaschutz bei. In trockenem Zustand seien Moore nämlich echte Klima-Killer. "Wenn das Moor entwässert ist, dann verrottet der Torf, weil er auf ein Mal Luft bekommt. Das ist so, dass dieser Zersetzungsprozess dann nachgeholt wird - und das ist auch der Grund, warum das entwässerte Moor so viel CO2 ausstößt", erklärt Janis Ahrens von der Stiftung Naturschutz. Er leitet das Projekt im Grotmoor. Die Planungen für die Wiedervernässung der rund 70 Hektar großen Fläche laufen seit 2019.

Entwässerung wird rückgängig gemacht

Damit Moore als Grünland oder auch für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden können, wird das Wasser meist unterirdisch über Drainagen, also Rohre, abgeleitet. Oberirdisch verlaufen zusätzlich Gräben. Um den Ablauf von Wasser zu stoppen, muss all das also entfernt werden.

Bagger haben dazu rund um das Gelände einen sogenannten Drainagesuchgraben gegraben. So konnten die Rohre gefunden und teilweise entfernt werden. Die Gräben wurden verschüttet. Damit die Fläche aber künftig das ganze Jahr über feucht genug ist, war noch mehr nötig: Es musste eine Art Badewanne gebaut werden, mithilfe von Torf. 

Zersetzter Torf wird umfunktioniert

Im Grotmoor nahmen dazu spezielle Langarmbagger 30 bis 50 Zentimeter der obersten Torfschicht ab. Denn, so Ahrens: "Den zersetzten Boden kann man nicht wieder regenerieren, der ist im Grunde als Moor nicht geeignet. Aber gleichzeitig ist der super, um dichte Verwallungen zu bauen." Dieser klebrige Torf wurde also in den Drainagesuchgraben gefüllt und bildet damit im Untergrund eine Art Wand, die verhindert, dass das Wasser abfließt. Beim Grotmoor wurde der Damm, der um die ganze Fläche gebaut ist, bis zu einem Meter hoch und etwa acht bis zehn Meter breit. Drumherum verläuft dann außerdem noch ein Graben für die Kontrolle des Wasserstands.

Wichtig sei immer, dass angrenzende Flächen nicht beeinträchtigt werden. Die Landwirtschaft müsse in der Planung und Ausführung immer berücksichtigt werden, so Ahrens. Ein Vorteil der Moore sei aber, dass sie einen großen Teil des Regenwassers abfangen: "Gerade bei Starkregenereignissen, die wir immer häufiger haben, kann das so ein bisschen abpuffern." Und Regen, den braucht es dann auch, damit das Moor wieder nass wird.

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Eine große Wasserfläche im Hellbachtal. © Dr. Heinz Klöser Foto: Dr. Heinz Klöser

Moore: Die vergessenen CO2-Speicher

Moore sind einzigartige Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt. Sie sind aber auch ein wesentlicher Schlüssel für den Klimaschutz. In Schleswig-Holstein gibt es jedoch nur noch wenige Moore. mehr

Vollständige Regeneration dauert Jahrhunderte

"In der Regel fangen die Moore dann auch relativ schnell an zu wachsen", erklärt Ahrens. "Dadurch, dass wir den vererdeten und nicht mehr regenerierbaren Oberboden abziehen, kommt dann der unzersetzte Torf zum Vorschein. Da kann das neue Torfmoos sehr gut anfangen zu wachsen und neue Torfschichten herstellen." Ziel sei es, erst mal den Großteil des CO2-Ausstoßes zu stoppen, so Ahrens. Schon nach zwei Jahren könnten dadurch von den 1.000 Tonnen CO2-Äquivalenten rund 710 Tonnen eingespart werden. Wann das Grotmoor aber wieder als intaktes Moor bezeichnet werden kann, das sei nicht klar. "Ich würde eher von Jahrzehnten oder Jahrhunderten ausgehen", sagt Ahrens. Und auch, was die zusätzliche Speicherung von CO2 aus der Luft angeht, dauere es. Intakte Hochmoore können laut Ahrens pro Hektar vier Tonnen CO2 zusätzlich speichern.

Moore vernässen effektiver als Bäume pflanzen

Moore wieder zu vernässen sei daher eine der effektivsten Maßnahmen gegen den Klimawandel, so Ahrens. "Man kann das vielleicht so erklären: Drei Prozent der Erdoberfläche sind mit Mooren bedeckt und 30 Prozent mit Wäldern, aber Moore können mit diesen drei Prozent das Doppelte an CO2 zu speichern wie Wälder, also sind viel effektiver als Baumpflanzungen."

In Schleswig-Holstein sind laut der Stiftung Naturschutz gut neun Prozent der gesamten Landesfläche Moore. Fast 90 Prozent davon sind aber trockengelegt und emittieren so zwölf Prozent aller Treibhausgase in Schleswig-Holstein. Auch laut einem Landesprogramm zum Biologischen Klimaschutz liegt in der Wiedervernässung trockengelegter Moore daher großes Potential.

Eine Heimat für gefährdete Arten

Auch in Bezug auf Artenschutz sei ein intaktes Moor nicht zu vernachlässigen, so Ahrens. Bislang fehlten im Gebiet des Grotmoor überwiegend die moortypischen Pflanzenarten wie Sonnentau, Moorlilie oder Wollgras - und auch Tiere wie der Moorbläuling, eine Schmetterlingsart, Moorfrösche oder Kreuzottern, die sich in den feuchten Gebieten wohlfühlen. Die sollen jetzt nach erfolgreicher Wiedervernässung aber nach und nach kommen, hoffen alle Beteiligten. Denn das Grotmoor soll künftig nicht nur einen Teil zum Klimaschutz beitragen, sondern auch Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten bieten. 

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Schleswig-Holstein Magazin | 26.02.2023 | 19:30 Uhr

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