Stand: 25.01.2019 12:32 Uhr

Elmshorner Schüler fahren zu Klima-Demo in Berlin

von Robert Tschuschke

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Jan Oles Vorbild ist die Schwedin Greta Thunberg, die seit Monaten immer freitags demonstriert und auf der Weltklimakonferenz sprach.

Der kalte Wind bläst den Jackenkragen des 16-jährigen Jan Ole Lindner hoch, als er in dieser Woche auf dem Schulhof der Freien Waldorfschule Elmshorn (Kreis Pinneberg) steht. "Es ist unsere Zukunft. Wir sollten die Entscheidungsgewalt haben", sagt er. Darum fährt er am Freitag mit 100 Schülern aus Elmshorn und Hamburg nach Berlin. Sie wollen ein Zeichen setzen, Druck auf die Kohlekommission ausüben, die dort tagt. "Das ist ein Datum, worauf wir hingearbeitet haben", erzählt er.

Fahrtziel: Bundeswirtschaftsministerium

Gemeinsam mit Schulkameraden hat Jan Ole zwei Reisebusse organisiert. "Wir fahren um sieben Uhr früh ab Elmshorn los und halten dann noch mal in Hamburg, um da andere einzusammeln. Wir werden richtig viele sein", erklärt er. Es geht zum Bundeswirtschaftsministerium. Auch in Kiel und Flensburg starten mehrere Busse mit rund 150 Schülern an Bord nach Berlin. Mehrere Organisatoren unterstützen die Schüler finanziell. "Keiner muss mehr als zehn Euro zahlen. Es werden auch welche mit der Bahn kommen." Die Demo soll dann mittags starten.

Die ganze Aktion findet im Rahmen der Initiative #FridaysForFuture statt, die seit Dezember junge Menschen dazu aufruft, jeden Freitag gegen die Klimapolitik und für den Kohleausstieg zu demonstrieren. Und offenbar zeigt die Aktion langsam Wirkung: Zumindest hat die Kohlekommission angekündigt, drei Vertreter von #FridaysForFuture in Berlin zu empfangen und sich die Forderungen der Demonstranten anzuhören. Einer dieser drei Vertreter wird der Kieler Schüler Jakob Blasel sein, wie er auf Twitter meldete:

Kommt der schnelle Kohleausstieg?

Jan Ole Lindner und Mitorganisator Malte Knöppler sind skeptisch, ob die Kohlekommission zu aus ihrer Sicht sinnvollen Ergebnissen kommt. Der Grund: "In dieser Kohlekommission sind viele Wirtschaftsvertreter dabei und kaum Umweltaktivisten - und erst recht keine Jugendlichen", sagt Abiturient Malte. Die Kommission besteht aus Vertretern der Wirtschaft, aus Arbeitnehmern, Klimaschützern und Wissenschaftlern. Die Bundesregierung hat sie beauftragt, ein Konzept für den Kohleausstieg vorzulegen. Experten erwarten, dass die Kohlekommission die Kosten und den Termin für den Kohleausstieg öffentlich macht.

Ein Zeichen für die Zukunft

Bereits am vergangenen Freitag hatten viele Schüler bundesweit gegen den Klimawandel demonstriert - allein 300 in Elmshorn vor der Nikolaikirche. Vorbild der Schüler ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg. Sie protestiert seit mehreren Monaten immer freitags gegen den Klimawandel und geht dann nicht zur Schule. Bekannt wurde sie wegen ihrer Rede auf der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz.

Jan Ole Lindner erzählt mit leuchtenden Augen: "Mit ihr hat alles angefangen. Das wird eine riesige Bewegung. Wir wachsen weiter." Die Veranstalter rechnen bundesweit mit ungefähr 25.000 Schülern, die am Mittag an der Demonstration in Berlin und an kleineren Protesten in deutschen Städten teilnehmen werden. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir unsere Zukunft noch gut erleben können", sagt Jan Ole. Und Malte ergänzt: "Dafür nehmen wir natürlich auch gerne in Kauf, dass wir unentschuldigt fehlen."

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Kohlekommission will Versorger entschädigen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 25.01.2019 | 14:10 Uhr

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