Stand: 22.05.2015 10:00 Uhr

Eine Fotografin für die besonderen Robben-Momente

von Daniel Kummetz

Auf diesen Moment hatte Lilo Tadday lange gewartet. Sieben Jahre ihres Lebens, sieben Stunden dieses Tages: Es sollte das Ende ihres schon lange andauernden Projekts werden - und war doch eigentlich nur der Beginn eines neuen Lebens. An diesem Winternachmittag im Jahr 2013 ist auf der Helgoländer Düne ein Kegelrobben-Baby geboren worden. Die Helgoländer Fotografin Tadday beobachtete durch ihr Objektiv von einer Isomatte aus, wie sich die Mutter vor der Geburt noch einmal mir ihrer Flosse über den Kopf strich. Dann schaute die Robbe nach hinten und das Neugeborene kam mit einem verklebten, mit blutbeschmiertem Fell zum Vorschein. Tadday drückte auf den Auslöser, immer wieder. Schließlich drehte sich die Mutter zu dem Kleinen, beschnüffelte es - und nahm es an.

Das Leben der Kegelrobben - in einer Ausstellung

Tadday dokumentiert die tierischen Mitbewohner

"Es war ein sehr emotionales Ereignis, dies miterleben zu dürfen", sagt sie. Ihre Stimme bricht noch heute, wenn sie davon erzählt. Für Tadday war es die erste und einzige Kegelrobbengeburt, die sie mit verfolgen konnte - und der Abschluss ihrer Sammlung. "Als ich das Bild im Kasten hatte, war ich überglücklich, beseelt. Ich wusste, jetzt ist mein Zyklus, den ich mal erreichen wollte, abgeschlossen." Der dokumentiert das Leben dieser tierischen Mitbewohner auf der Hochseeinsel. Sie hat sie jahrelang begleitet, von 1996 bis heute.

Wanderausstellung - zur Zeit auf Sylt

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Fotografin Lilo Tadday kam vor 40 Jahren nach Helgoland und hat dort heute eine kleine Galerie.

Die 65-Jährige hat blutige Spielereien aufgenommen, Paarungen und Kämpfe - und sich immer mal wieder in eines der Raubtiere verliebt, stundenlang ausgeharrt, die Mimik ihres Lieblings studiert, auf den für sie perfekten Moment gewartet - und dann auf den Auslöser gedrückt. So sind viele Bilder entstanden, die meist anders sind als die klassischen Kulleraugen-Fotos von Kegelrobben - von der Geburt bis zum Tod. 60 Fotos sind nun in einer Wanderausstellung zu sehen, die bis Ende Juli Station macht im Erlebniszentrum Naturgewalten in List auf Sylt. Geht es nach Tadday, ziehen die Bilder dann weiter, durch die Naturzentren im Land und anderswo.

Erst beobachtete sie die Tiere nur per Fernglas

Als das erste Kegelrobben-Baby auf der Düne zu sehen war, traute sich Tadday zunächst nicht an das junge Tier heran. Sie beobachtete es mit einem Fernglas von Helgoland aus. Sie hatte zu viel Respekt, und wollte es in Ruhe lassen und war doch neidisch auf die Touristen, die es von der Düne aus beobachteten. Irgendwann ging sie doch hinüber - und mit der Population auf Helgoland wuchs auch Taddays Kegelrobben-Archiv. "Das ist eine gewachsene Ausstellung", sagt sie.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.12.2018 | 19:30 Uhr

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