Stand: 13.05.2019 18:50 Uhr

EEG-Umlage für Landstrom soll reduziert werden

Die Bundesregierung will die EEG-Umlage für Landstromanlagen in deutschen Häfen stark reduzieren. Die Umlage soll für Reedereien, die den Strombedarf ihrer Schiffe über Landstromanlagen decken, nur noch 20 Prozent betragen. Dadurch sollen die Anlagen deutlich häufiger genutzt werden.

Albrecht: "Wir könnten schon viel weiter sein"

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) nannte die Ankündigung einen wichtigen Schritt für den Klimaschutz und die Luftreinhaltung. Albrecht äußerte aber auch Kritik in Richtung Berlin: "Die Bundesregierung hat sich lange Zeit gelassen und wir könnten schon viel weiter sein." Bisher verzichten viele Schiffe auf den saubereren Strom bei Liegezeiten an der Kaikante, da die Produktion über die schiffseigenen Dieselgeneratoren um ein Mehrfaches günstiger ist. Dies führte zu einer erhöhten Luftbelastung in den Häfen.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher fürchtet durch die Absenkung keine höhere Belastung für andere Stromkunden: "Wenn durch die Reduzierung der EEG-Umlage mehr Schiffe an sauberen Strom angeschlossen werden, ergeben sich sogar höhere Einnahmen aus der Umlage."

Landstromanlagen werden bisher kaum genutzt

Hamburg hatte schon lange auf eine Reduzierung der Umlage gemäß des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gepocht, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte das jedoch bislang abgelehnt. Da vor allem Kreuzfahrtschiffe einen extrem hohen Stromverbrauch während der Liegezeiten haben, hat die Hansestadt 2016 am Terminal in Altona die erste Landstromanlage Europas errichtet. Mit geringem Erfolg. Von den rund 40 Schiffen, die Hamburg in einer Saison mehrfach anlaufen, nutzt nur die "AIDAsol" die Anlage. Laut Hamburg Port Authority gab es mit der "Europa 2" und einem dritten, nicht namentlich genannten Schiff Testläufe. Die anderen Urlaubsschiffe verfügen über keinen oder keinen kompatiblen Landstromanschluss oder sind schlicht zu groß für das Terminal in Altona und können dort nicht festmachen.

Gute Nachricht für Colorline

In Kiel wurde am vergangenen Donnerstag die erste Landstromanlage der Stadt eingeweiht. Einziger Nutzer der 1,5 Millionen Euro teuren Anlage am Norwegenkai ist die Reederei Colorline mit ihren Kreuzfahrtfähren, die zwischen Kiel und Oslo pendeln. Colorline-Geschäftsführer Dirk Hundertmark erwies sich bei der Einweihung jedoch als Stimmungskiller und kündigte eine eingeschränkte Nutzung des Landstroms an, solange die EEG-Umlage nicht gesenkt werden würde. Auch Hundertmark sprach jetzt von guten Nachrichten. Die Reederei könne sich eine regelmäßige Nutzung der Anlage nach einer EEG-Umlagen-Senkung gut vorstellen. Im Zielhafen Oslo nutzen die Fähren bereits zu knapp 95 Prozent der Liegezeiten Landstrom.

Weitere Landstromanlagen geplant

In Kiel sollen ab 2020 auch am Ostseekai Kreuzfahrtschiffe und die Fähren der Stena Line an den Stecker, auch in Rostock ist für das kommende Jahr geplant, eine Landstromanlage in Betrieb zu nehmen. Hamburg will neben dem Kreuzfahrtterminal in der HafenCity auch Containerschiffe mit saubererem Strom versorgen. Tschentscher setzt sich als Vorsitzender der Ministerpräsidenten-Konferenz auch für ein Investitionsförderprogramm des Bundes ein. "Wir werden mit den Fördermitteln des Bundes mehr Landstromanlagen errichten können", sagte Hamburgs Erster Bürgermeister.

Durch die angestrebte Neuregelung der EEG-Umlage für Landstrom zahlen die Reedereien einen ähnlichen Satz wie Bahnunternehmen, die auf Elektro- statt Dieselloks setzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.05.2019 | 15:00 Uhr

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