Drainage für den Blumentopf - mit einer simplen Erfindung zum Erfolg

Stand: 22.01.2023 05:00 Uhr

Ursprünglich wollte sie nur ihre Zimmerpflanzen vor Staunässe retten. Mittlerweile hat Eva Meißner durch ihre Idee für einen Drainage-Einsatz das Gründungsstipendium Schleswig-Holstein und ein eigenes Start-up.

von Lena Haamann

Von Aloe Vera bis zum Drachenbaum - Eva Meißners Fensterbänke schmücken viele Pflanzen. Jede einzelne wässert die Tangstedterin (Kreis Pinneberg) genauso, wie sie es braucht. Zu Beginn der Pandemie hat ihre Vorliebe für Zimmerpflanzen die damalige Politikstudentin auf eine Idee gebracht, die sie plötzlich zur Unternehmerin machte. Denn während sie den Lockdown bei ihrer Familie in Nordrhein-Westfalen verbrachte, kümmerte sich ihre Nachbarin um die Pflanzen - und meinte es beim Gießen zu gut. "Als ich zurückgekommen bin, waren sie eingegangen, die Wurzeln durch das viele Wasser verschimmelt. Das hat mich so geärgert, dass ich gedacht habe: Da muss es doch eine Lösung geben", erzählt Eva Meißner. Sie experimentierte mit Tonscherben und Steinen ohne Erfolg, bevor sie auf die zündende Idee kam.

Plötzlich Unternehmerin

Die Drainage-Erfindung liegt neben einer Zimmerpflanze © NDR Foto: Lena Haamann
Die Erfindung von Eva Meißner ist ein Plastikring, der bei Zimmerpflanzen zwischen Blumentopf und Übertopft kommt. Darin sammelt sich überschüssiges Wasser.

Eva Meißner hebt die kleine Palme auf ihrem Wohnzimmertisch an, um einen runden Ring aus recyceltem Plastik zwischen Blumentopf und Übertopf zu platzieren, der etwas an einen Keksausstecher erinnert. "'Drain' funktioniert wie ein Drainage-Einsatz für den Blumentopf", erklärt sie. "Darin sammelt sich das überschüssige Wasser, sodass die Pflanze keine nassen Füße mehr bekommen kann." Dass diesen simplen wie wirkungsvollen Einfall noch keiner vor ihr hatte, wundert sie bis heute. Und obwohl es nie der Plan der Politikwissenschaftlerin war, mal ein eigenes Produkt zu entwickeln, beließ sie es nicht einfach bei der Idee, sondern entwickelte sie weiter: Sie brachte ihre Erfindung auf Papier und investierte 4.000 Euro Erspartes, um die ersten Prototypen mit einem 3D-Drucker herzustellen. Sie meldete deutsches Patent an, nannte ihr Produkt "Drain" und gründete ein Start-up.

Gründungsstipendium Schleswig-Holstein für eine simple Idee

Die 25-Jährige sitzt am Schreibtisch unter dem Dach ihrer Wohnung und arbeitet an einer Kalkulation. Vor zwei Jahren sind hier ihre ersten Zeichnungen entstanden. "Am Anfang steht man erstmal ganz alleine da, mit einer Idee, die keiner kennt," sagt Eva Meißner. "Um die umzusetzen, braucht man vor allem eine große Portion Mut und Durchhaltevermögen."

Zwei Jahre lang arbeitete sie neben der Uni an ihrem jungen Unternehmen. Weil ihr Geld als Studentin irgendwann nicht mehr ausreichte, um ihr Produkt weiterzuentwickeln, bewarb sie sich für das Gründungsstipendium Schleswig-Holstein. Nach mehreren Bewerbungsrunden entschied die Jury einstimmig: Sie bekommt das Stipendium. "Ich habe gegrinst wie ein Honigkuchenpferd", erinnert sich die junge Gründerin. "Zu sehen, dass auch andere an meine Idee glauben, ist ein unbeschreibliches Gefühl." Die 1.700 Euro, die sie nun jeden Monat bekommt, erlauben ihr mittlerweile, Vollzeit daran zu arbeiten.

Das eigene Produkt im Verkaufsregal

Jetzt muss Eva Meißner einen Hersteller finden, braucht eine Vertriebs- und Marketingstrategie. An diesem Tag geht es für die Jungunternehmerin noch zu einem Verpackungshersteller, um verschiedene Verpackungsmuster anzugucken. Eva Meißner entscheidet sich für eine Variante mit einem Fenster in Tropfenform, durch das man ihr Produkt sehen kann. "Plötzlich wird alles so real, das ist aufregend. Und so ein bisschen stolz ist man dann doch." Um die fünf Euro soll "Drain" mal kosten und, wenn alles gut geht, es so bald wie möglich in die Regale von Gartencentern und Baumärkten schaffen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.01.2023 | 19:30 Uhr

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