Die Tiertafel Kiel e.V. hilft Menschen und Tieren

Stand: 09.08.2022 05:00 Uhr

Was tun, wenn der Fressnapf leer bleibt? Durch die steigende Inflation machen sich viele Menschen in Schleswig-Holstein darüber Gedanken, wie sie ihre Haustiere mit durchfüttern sollen. Die Tiertafel Kiel hilft.

von Marina Heller

Wenn das Geld nicht mehr reicht, um sein Haustier zu füttern, steigt die Verzweiflung der Besitzer. Schon während der Pandemie sind viele Menschen unverschuldet in eine finanzielle Zwickmühle geraten. Das Kurzarbeitergeld hat knapp ausgereicht, um die Familie über die Runden zu bringen, da wurde es auch für die Tiere immer schwieriger. Die steigende Inflation treibt viele Menschen in die Situation, sich Hilfe suchen zu müssen. Seinen besten Freund im Tierheim abzugeben ist für die meisten Betroffenen keine Option. Das 14-köpfige Team um Iris Westhowe versucht sich auf alle Kundinnen und Kunden einzustellen. Die 60-Jährige engagiert sich seit elf Jahren für die Tiertafel Kiel. Sie kümmert sich unter anderem um die Leitung der Ausgabe und achtet darauf, dass alle Unterlagen korrekt ausgefüllt werden.

Eine Gruppe von Männern und Frauen stehen hinter einem Ladentresen. © NDR Foto: Marina Heller
Iris Westhowe (dritte von rechts) und ihr Team sorgen dafür, dass Haustiere nicht hungern müssen.

Jeder Kunde und jede Kundin erhält während der Aufnahme eine Laufkarte. Dort wird grammgenau notiert, wie viel Futter benötigt und ausgegeben wird. Die Kunden kommen im zwei- oder vierwöchigen Rhythmus vorbei.

Gesonderte Öffnungszeiten für gefährdete Gruppen

"Wir haben uns dazu entschlossen das Ganze etwas zu entzerren, damit nicht alle gleichzeitig im Laden stehen. Das hat sich während der Pandemie als praktikable Lösung herausgestellt. Für besonders von Corona gefährdete Menschen haben wir gesonderte Öffnungszeiten oder bieten ihnen die Option an, das Futter direkt vor die Haustür zu liefern", erklärt Iris Westhowe. Seit dem Beginn des Ukrainekonfliktes hat sich die Situation in der Ausgabe noch einmal verschärft. Viele Geflüchtete kommen mit ihrem Haustier unter dem Arm an und können sich keine Grundausstattung leisten. Auch hier springt die Tiertafel ein und versorgt die Besitzer mit einem Startset.

Auch Hundeleinen und Fressnäpfe werden ausgegeben

Eine Menge Hundgeschirr hängt an einer Wand. © NDR Foto: Marina Heller
Geschirre in den unterschiedlichsten Größen und Farben warten hier auf neue Besitzer.

Dieses besteht aus Hundeleinen, Fressnäpfen, Kuscheldecken und Spielzeugen. "Im Umgang mit den Geflüchteten hat uns Google Translate geholfen, die Sprachbarriere zu durchbrechen und so zu klären, was die Bedürfnisse der Fellnasen und Ihrer Besitzer im Detail sind", erzählt Iris Westhowe und ergänzt: "Hunde sind bei der Wahl ihres Fressens relativ unproblematisch. Katzen hingegen können wählerisch sein. Wir versuchen auf die Wünsche der Tiere einzugehen, solange es nicht den Rahmen sprengt. Auch eine besondere Ernährung bei verschiedenen Erkrankungen wird von uns im Regelfall abgedeckt."

Ein Aufnahmestopp soll verhindert werden

Jeden Mittwoch von 9.30 bis 12 Uhr und freitags von 14.30 bis 16 Uhr werden die Spenden angenommen und sortiert. Die Ausgabe findet jeden Freitag in der Zeit von 16 bis 18 Uhr statt. Iris Westhowe möchte mit ihrem Team aus ehrenamtlichen Helfern einen Aufnahmestopp vermeiden.  "Aktuell versuchen wir unsere Vorräte zu strecken, damit wir möglichst allen Haustieren helfen können." Es geht dabei nicht nur darum, den Fressnapf aufzufüllen, sondern auch um die tierärztliche Versorgung."

Auch Minischweine werden mit durchgefüttert

Ein schwarzer mittelgroßer Hund mit einem orangenen Ball im Maul. © NDR Foto: Marina Heller
Gerne dürfen die Hunde auch mitkommen. So lernen die Mitarbeitenden die Tiere hinter den Karteikarten kennen.

Die Tiertafel kümmert sich nicht nur um Hund und Katze, sondern auch um etwas exotischere Haustiere. Neben Vögeln und Nagetieren werden aktuell zwei Minischweine mit durchgefüttert. Allerdings kann ausschließlich Haustieren geholfen werden, welche schon im Haushalt lebten, bevor die Notsituation eingetreten ist. Neuanschaffungen werden nur im Härtefall aufgenommen, wenn das Tier beispielsweise den Betroffenen vor der Vereinsamung schützt. "Viele schämen sich für ihre Situation, das ist nicht nötig. Gerade bei Hunden ermutigen wir unsere Kunden dazu, ihre Vierbeiner regelmäßig mitzubringen. So können wir uns davon überzeugen, dass es ihnen gut geht. Wir kennen die meisten Schicksale, die hinter den Karteikarten stecken und versuchen so gut es geht zu helfen", so Iris Westhowe.

Alles in allem ist im vergangenen Quartal der Bedarf stark angestiegen. Nach aktuellen Daten der Tiertafel wurde mit insgesamt fast 1.300 Kilogramm ausgegebenem Futter fast ein neuer Rekord aufgestellt - nur 2015 hatten sie schon einmal einen noch höheren Bedarf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 09.08.2022 | 19:30 Uhr

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