Der Steinkauz kehrt nach Eiderstedt zurück

Stand: 19.09.2021 13:08 Uhr

Der Steinkauz gehörte lange Zeit zu den heimischen Tierarten in Schleswig-Holstein. Noch bis in die 1970er Jahre war die kleine Eule in allen Landesteilen zu Hause. Doch die Bestände gingen immer weiter zurück.

von Jonas Kühlberg

Besonders betroffen ist der Raum Eiderstedt (Kreis Nordfriesland), wo letzte Exemplare Anfang der 1990er Jahre gesichtet wurden. Schuld ist vor allem, dass durch die industrialisierte Landwirtschaft viele Streuobstwiesen verschwunden sind. Die sind aber wichtige Lebensräume für Tausende Tier- und Pflanzenarten - so wie auch für den Steinkauz.

Ehrenamtliche Arbeit mit Unterstützung von Spenden

Doch Armin Jeß und seine Kollegen wollen das ändern. Jeß, der sich seit 30 Jahren im Verein "Landesverband Eulenschutz in Schleswig-Holstein e.V." engagiert, will mit seinem Zucht-Projekt den Steinkauz wieder heimisch machen. Vom Umweltministerium erhielt er dafür einen Zuschuss von 5.000 Euro - die laufenden Kosten muss der Eulenverein jedoch selbst finanzieren.

Die Eulen Adam und Eva sitzen i einem Nistkasten. © Landesverband Eulenschutz in Schleswig-Holstein e.V. Foto: Armin Jeß
Das Eulenpaar Adam und Eva sorgt für Nachwuchs im Kreis Nordfriesland.
Brut in Volieren

Von der Anschubfinanzierung errichtete Jeß mit seinen ehrenamtlichen Kollegen im vergangenen Herbst auf dem Gelände des Westküstenparks in St. Peter-Ording (Kreis Nordfriesland) zwei große Volieren. Diese Käfige befinden sich extra in einem für die Besucher nicht zugänglichen Bereich, sodass sich die Tiere nicht gestört fühlen. Im Frühjahr zogen dann zwei Brutpärchen in je eine Zucht-Voliere ein. Das erste Pärchen bekam den sinnbildlichen Namen Adam und Eva, das zweite Trüffel und Rosalie.

Kleine Steinkäuze werden ausgewildert

Armin Jeß, eigentlich studierter Diplom-Geograph, musste dabei ein bisschen Amor spielen. Doch die "Verpartnerung" der beiden Eulen-Pärchen sei relativ leicht gewesen. Schnell lebten sich Adam, Eva, Rosalie und Trüffel in ihren Volieren ein und begannen zügig mit der Brut. Im Frühjahr kamen so sieben Nachkommen zusammen, drei Weibchen und vier Männchen.

Nun ist der Nachwuchs also da - und drei der Jungvögel sollen jetzt ausgewildert werden. Dafür brauche man einen langen Atem, denn so eine Auswilderung gehe nicht von heute auf morgen, so Jeß. Drei der kleinen Eulen kommen nach wie vor jeden Tag zum Essen zurück. Das könne jedoch nicht so bleiben, damit sich die Tiere auch schnell in der freien Natur zurechtfinden, sagt der Fachmann. Denn: Wenn der Steinkauz erst einmal ein eigenes Revier besetzt, dann bleibe er dort normalerweise mehrere Jahre, erklärt er - vorausgesetzt, er findet lange genug Nahrung. Kein leichtes Unterfangen für Armin Jeß und seine Kollegen.

Eiderstedt bietet für den Steinkauz ideale Bedingungen

Ein geeigneter Ort musste auch erstmal gefunden werden: Schnell fiel die Wahl auf einen Hof bei Oldenswort (Kreis Nordfriesland). Denn hier gebe es noch ausreichend Grünflächen, die durch Schafe und Rinder beweidet werden. Für den Steinkauz ideal, denn er geht vor allem am Boden auf Beutesuche. Eine Woche lang sollen die Jungen nun hier in Oldenswort zur Eingewöhnung in der Auswilderungsvoliere wohnen. Diese beinhaltet zwei Eulenkästen sowie eine Art Rohr mit Öffnung nach außen.

Drei Eulenküken sitzen in einem Kasten. © Landesverband Eulenschutz in Schleswig-Holstein e.V. Foto: Armin Jeß
Steinkäuze verlassen sich auf ihre Tarnung durch das Gefieder, um sich vor Fressfeinden zu schützen.
Selbstständig sein muss erlernt werden

Die Kästen müssten so gestaltet sein, dass sie natürlichen Feinden wie dem Steinmarder nicht allzu leichtes Spiel machen. Steinkäuze seien nämlich scheue Vögel und verlassen sich voll auf ihre Tarnung, erklärt Jeß, so seien sie manchmal schutzlos ausgeliefert. Ab jetzt legen er und seine Kollegen nicht mehr jeden Tag Futter in die Voliere, sodass die Jungvögel gezwungen sind, selbstständiger zu werden. In zwei Wochen sollen sie dann soweit sein, sich selbst Futter zu versorgen.

Zucht-Projekt ist auf Dauer angelegt

Mit dem Auswildern der drei Jungen ist das Projekt jedoch nicht beendet: Nächste Woche werden schon die nächsten Steinkauz-Jungen in der Auswilderungsvoliere erwartet. Auch ganz grundsätzlich sei die Arbeit auf Dauer angelegt, heißt es vom Eulenschutz-Verein. Etwa zehn Jahre wollen sich Jeß und seine Kollegen noch um die Steinkäuze kümmern.

Jeß und seine Kollegen brauchen also ein bisschen Durchhaltevermögen, um den Steinkauz wieder in der Region heimisch zu machen. Das mache er jedoch gern, sagt er - aber noch lieber wäre es ihm, wenn es in der freien Natur auch außerhalb Eiderstedts wieder mehr passende Brutplätze in geeigneten Bäumen geben würde.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.09.2021 | 19:30 Uhr

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