Das zweite Wohnzimmer: Exklusive Gärten boomen durch Corona

Stand: 13.03.2021 06:00 Uhr

Statt eine Ferienwohnung zu kaufen oder Urlaub zu buchen, investieren viele in der Corona-Zeit in das eigene Zuhause. Ein Garten- und Landschaftsbauer aus Rellingen hat so viel Arbeit wie noch nie.

Ein großer Haufen Steine, aufgewühlte Erde, noch nicht eingepflanzte Büsche und Bäume: eine große Gartenbaustelle. Mittendrin steht Jonni Borgmann und spricht mit seiner Kundin, um die Bilder in ihrem Kopf Realität werden zu lassen. Seit zwei Monaten ist das Team des Garten- und Landschaftsbauers aus Rellingen (Kreis Pinneberg) hier im Einsatz. Vier Mitarbeiter und zwei Bagger sollen das Grundstück komplett umgestalten.

Die Corona-Pandemie hat bei Borgmann zu 20 Prozent mehr Anfragen als zuvor geführt. Auch die Art der Aufträge hat sich verändert. "Die Gärten werden immer aufwendiger, immer mehr zum zusätzlichen Wohnzimmer", erzählt er. Typisch seien größere Terrassen, die sich rundum schließen lassen, Loungemöbel, Rundumbeleuchtung, Audio- und Videoanlagen, Feuerstellen oder Außenküchen.

800.000 Euro für einen Garten

Die hohe Nachfrage wirkt sich auch auf die Preise aus: "Die Materialkosten sind durch Corona teilweise stark gestiegen", sagt Borgmann und zeigt auf den frisch gesetzten Gartenzaun: "Der ist zum Beispiel gut 30 Prozent teurer geworden." Deshalb hat auch der Gartenbauer die Preise angehoben - um rund zehn Prozent. Ein neuer Garten kostet mittlerweile schnell 100.000 Euro. Borgmann hat aber auch schon Gärten für bis zu 800.000 Euro gebaut.

Nächstes Projekt: Ein Pizzaofen

Seine Kunden investieren immer mehr in das eigene Zuhause: Bootshäuser, aufwendige Dachterrassen, die mit dem Kran bepflanzt werden müssen, spektakuläre Baumhäuser für die Kinder oder erhöhte Terrassen mit Treppen. "Vergangenes Jahr haben wir in einem Garten eine alte Ulme für 30.000 Euro eingepflanzt. Die musste wegen der großen Dimensionen mit Polizeieskorte angeliefert werden", erzählt er. In einem der kommenden Projekte soll Borgmann unter anderem einen Pizzaofen in einen Garten integrieren.

Wunsch nach Wasser gestiegen

Rund 70 Projekte laufen bei Borgmann momentan parallel - darunter sind erste Anfragen genauso wie schon laufende Arbeiten. Sein nächster Termin: Nachbesprechung in einem Garten, in dem sein Team kürzlich einen beheizten Salzwasserpool gebaut hat. Zusammen mit dem Kunden guckt der gelernte Ingenieur in den Rolladen-Kasten.

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Die Pool-Abdeckung funktioniert nicht richtig. "Wasser im eigenen Garten - dieser Wunsch hat seit Corona besonders stark zugenommen", erzählt Jonni Borgmann. "Vom kleinen Wasserspiel über den Fischteich bis zum großen Pool auf der Dachterrasse." Einige Poolbecken sind deshalb schon für das ganze Jahr 2021 ausverkauft.

Lieferprobleme bei Pflanzen

Lieferprobleme gibt es auch bei Pflanzen, weil der Bedarf so groß ist. "Gestern hatte ich einen Termin in der Baumschule", erzählt Borgmann. Dort sagte man ihm: "Nehmen Sie die Pflanzen heute mit. Wer weiß, was morgen noch da ist." Einige Kunden muss der Garten-Experte deshalb vertrösten. Andere Aufträge kann er gar nicht erst annehmen.

Normalerweise hat Borgmann sechs Wochen Vorlauf. Im Moment ist er bis September fast ausgebucht und kann nur noch kleinere Aufträge annehmen. "Das ist das Schlimmste für mich. Dass man dann sagen muss: Nein, im Moment passt es nicht." Kunden wünschten sich die Umsetzung aber häufig sofort, so Borgmann.

Emotional besetztes Thema

"Wir sind ganz fasziniert, was Herr Borgmann aus unserem Garten gemacht hat. Die Ideen kamen fast alle von ihm", freut sich der Kunde mit dem Salzwasserpool. Borgmann und sein Team werden ab jetzt auch die Pflege des neuen Garten übernehmen und weiter miterleben, wie er sich verändert.

"Das Thema Garten ist bei den Kunden sehr emotional besetzt", erzählt Borgmann: "Da macht es umso mehr Spaß, die Visionen in ihren Köpfen Realität werden zu lassen. Und am Ende zu sehen, was man geschaffen hat." Er verabschiedet sich, muss weiter zum nächsten Garten. 14-Stunden-Tage sind bei Jonni Borgmann zurzeit keine Seltenheit.

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Schleswig-Holstein Magazin | 12.03.2021 | 19:30 Uhr

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