Zwei Justizbeamte bringen einen Angeklagten in Handschellen in den Sitzungssaal. © Marcus Brandt/dpa Foto: Marcus Brandt/dpa

Dänischenhagen-Prozess: Angeklagter soll mit Mord gedroht haben

Stand: 07.03.2022 15:47 Uhr

Vierter Verhandlungstag im Prozess um den Dreifachmord von Dänischenhagen und Kiel: Vor dem Landgericht haben am Montag drei Frauen aus dem Umfeld der getöteten Ehefrau und des angeklagten Zahnarztes aus Westensee ausgesagt.

Wie andere Zeugen berichteten auch die drei Frauen über das Scheitern der Ehe, Seitensprünge und Gewalttätigkeit des Angeklagten. "Die Taten lagen in der Luft", sagte die erste Zeugin, eine Nachbarin. Sie kennt das Ehepaar und die Kinder nach eigenen Angaben seit fast 16 Jahren. Zuerst habe alles normal gewirkt, doch im Laufe der Jahre seinen "besondere Dinge" passiert.

Der Angeklagte soll mit Mord gedroht haben

So habe der Angeklagte zum Beispiel spontan kurz vor Weihnachten eine mehrmonatige Reise nach Südamerika angetreten und seine hochschwangere Frau mit den Kindern alleine gelassen. Die Zeugin beschrieb den Angeklagten als extrem eifersüchtig. Als zweite Zeugin sagte eine Freundin der Ehefrau des Angeklagten aus. Sie berichtete, dass die Ehefrau lange Zeit unglücklich mit ihrem Leben und ihrer Situation war, auch weil ihr Mann nachweislich Affären hatte und sie mit fünf Kindern alleine ließ.

Der Angeklagte habe dann nicht hinnehmen wollen, dass sich seine Frau von ihm trennen wollte. Er habe sie und die Familie zurück gewollt. "Muss erst etwas passieren?" Das soll der mutmaßliche Täter seine Ehefrau in einem Telefonat kurz vor der Tat gefragt haben, berichtete eine Zeugin. Demnach schrieb ihr die 43-Jährige bereits längere Zeit vor der Tat, ihr Mann habe gedroht, "Hund, Pferde, Kinder, sie und sich selbst zu erschießen".

Prozess geht am Dienstag weiter

Auch das dritte Opfer, ein Elektriker aus Kiel, hat den Aussagen nach mehrfach gesagt, dass er Angst vor dem Angeklagten habe. Am Dienstag soll der Anwalt der Getöteten aussagen. Auch ihm soll die Frau erzählt haben, dass sie sich bedroht fühlt und ihr Mann möglicherweise noch illegal Waffen besitzt. Die 43-Jährige hatte sich nach Gewalttätigkeiten ihres Mannes an den Rechtsanwalt gewandt und ein Gewaltschutzabkommen erwirkt. Außerdem soll sie mit dem Kieler Fachanwalt für Familienangelegenheiten bereits über die Scheidung von ihrem Mann gesprochen haben. Nach eigenen Angaben fürchtete auch der Rechtsanwalts, dass er als potenzielles Opfer im Visier des Zahnarztes war.

Der Mann aus Westensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) muss sich seit dem 23. Februar vor Gericht verantworten. Das Urteil wird Ende März erwartet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.03.2022 | 15:00 Uhr

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