Stand: 08.05.2020 19:10 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Corona-Tests in allen Schlachthöfen Schleswig-Holsteins

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Die meisten Beschäftigten dieses Schlachthofs in Bad Bramstedt leben in einer Unterkunft in Kellinghusen und stehen unter Quarantäne.

Schleswig-Holstein lässt die Belegschaft aller großen Schlachtbetriebe im Land auf Covid-19 testen. Auch Subunternehmer würden durch das zuständige Gesundheitsamt getestet, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) am Freitagabend. Damit reagiert das nördlichste Bundesland auf zahlreiche Corona-Fälle in einem Schlachthof in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg). Dort sind nach Angaben der zuständigen Kreisverwaltungen Steinburg und Segeberg mittlerweile 119 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Steinburg reißt Obergrenze an Neuinfektionen

Da die meisten Infizierten aus dem Betrieb in einer Unterkunft in Kellinghusen im benachbarten Kreis Steinburg leben, liegt Steinburg seit Donnerstag - als erster Kreis in Norddeutschland - über einer von Bund und Ländern festgelegten Grenze. Demnach müssen die Kreise und kreisfreien Städte Schutzmaßnahmen ergreifen, wenn es mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche gibt. Im Kreis Steinburg liegt die Zahl der Neuinfektionen nach Angaben des Kreises bei 87. Der Grenzwert mit 131.000 Einwohnern liege bei 66 Neuinfektionen.

Quarantänemaßnahmen in beiden Kreisen

Die Unterkunft in Kellinghusen steht nach Angaben des Kreises Steinburg bereits seit Ausbruch der Fälle unter Quarantäne. Der Kreis sei auch dabei, die Kontakte der Infizierten nachzuverfolgen, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Aufgrund des dynamischen Infektionsgeschehens, das sich nur noch schwer nachvollziehen und rückverfolgen lasse, habe der Infektionsschutz des Kreises Segeberg ebenfalls alle Mitarbeiter des Schlachthofs, die im Kreis Segeberg leben, unabhängig vom Testergebnis unter Quarantäne gestellt, sagte Segebergs Landrat Jan Peter Schröder (parteilos). Die Produktion im Betrieb wurde gestoppt.

Garg: "Lokal begrenztes Ausbruchsgeschehen"

Schutzmaßnahmen für den ganzen Kreis sind in Steinburg nicht geplant. Die dort gestiegene Zahl von Corona-Infektionen und die damit einhergehende Überschreitung des Grenzwerts seien "derzeit auf ein lokal begrenztes Ausbruchsgeschehen" im Zusammenhang mit dem Schlachthof in Bad Bramstedt zurückzuführen, sagte Gesundheitsminister Garg. Bei lokalen und eingrenzbaren Infektionsgeschehen beziehen sich die Schutzmaßnahmen nach Angaben der Landesregierung nur auf die betroffenen Einrichtungen. Das sei im Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz so vorgesehen.

Das Prozedere der regionalen Bekämpfung

"Alle Beteiligten müssen ihren Teil dazu beitragen, dass wir die eingeleiteten Lockerungen verantworten können. Schleswig-Holstein wird mit Nachdruck und Konsequenz die notwendigen Maßnahmen verfolgen. Dazu gehören Quarantänemaßnahmen, Kontaktverfolgung und umfangreiche Tests durch die Gesundheitsämter vor Ort", sagte Garg. Das Prozedere der regionalen Bekämpfung sei geübte Praxis nach dem Infektionsschutzgesetz - auch unabhängig von dem Coronavirus.

Etwa sieben große Schlachthöfe im Land

Laut Landwirtschaftsministerium gibt es in Schleswig-Holstein derzeit etwa 50 Schlachtbetriebe, darunter sechs, sieben größere wie den in Bad Bramstedt. Sollten die Beschäftigten in Werkswohnungen oder ähnlichen privaten Gemeinschaftsunterkünften leben und dort weitere nicht im Schlachthof angestellte Personen wohnen, seien diese ebenfalls zu testen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Zudem sind weitergehende Tests für Erntehelfer in Abstimmung mit den Gesundheitsämtern der Kreise und kreisfreien Städte in Vorbereitung.

Deutscher Landkreistag: Nicht schematisch handeln

Der Deutsche Landkreistag plädiert unterdessen für eine zielgenaue Anwendung der Obergrenze von Neuinfektionen. Präsident Reinhard Sager (CDU), der Landrat des Kreises Ostholstein, sagte, es komme nach wie vor darauf an, "flexibel und intelligent zu handeln. Und gerade nicht schematisch." Es sei "regelmäßig nicht angezeigt, bei eindeutig isolierbaren Infektionsherden wie etwa Altenheimen oder einzelnen Schulen Maßnahmen für die Allgemeinheit anzuordnen oder bereits bestehende Lockerungen breit zurückzunehmen."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.05.2020 | 20:00 Uhr

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