Stand: 17.06.2020 13:56 Uhr

Computersabotage und Erpressung: LKA sichert Beweise

Computersabotage in besonders schweren Fällen und versuchte Erpressung - das sind die Anschuldigungen, die gegen zwei junge Männer erhoben werden. Bei einer Durchsuchung ihrer Wohnungen im baden-württembergischen Calw und im niedersächsischen Soltau haben Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) Schleswig-Holstein am Dienstag Datenträger sichergestellt. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, digitale Angriffe auf Firmen ausgeführt und Online-Dienste für Kunden zeitweise blockiert zu haben. Finanzielle Forderungen wurden laut den Ermittlern nicht gestellt.

Ermittler schätzen Gesamtschaden in siebenstelliger Höhe

Die 16 und 20 Jahre alten Beschuldigten sollen seit Juli 2019 mehrere Unternehmen sabotiert haben. Unter den Geschädigten sind Banken und Telekommunikationsanbieter in Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern. Betroffen waren auch die TNG Stadtnetz GmbH in Kiel und die Deutsche Kreditbank AG. Während der Angriffe seien Internetanschlüsse, Webseiten und Online-Banking-Systeme für Kunden über mehrere Tage nicht nutzbar gewesen, sagte Carola Jeschke vom Landeskriminalamt Schleswig-Holstein. Weil der 16-Jährige in sozialen Netzwerken mit den neuen Taten geprahlt hatte, kamen die Ermittler ihm und seinem 20-jährigen Komplizen auf die Spur. Die Ermittler gehen derzeit von einem Gesamtschaden in siebenstelliger Höhe aus.

Beschuldigte sind polizeibekannt

Die beiden Beschuldigten sind der Polizei bekannt: Der 20-Jährige aus Calw war vorher bereits durch Computerbetrug aufgefallen, dem 16-Jährigen aus Soltau wird gewerbsmäßige Erpressung vorgeworfen. Er soll im April des vergangenen Jahres Router von Telekommunikationsanbietern in Nigeria sowie von deren Endkunden lahmgelegt und für die Entsperrung Bitcoins im Wert von jeweils rund 100 Euro gefordert haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die beiden die Taten im aktuellen Sachverhalt gemeinsam begangen haben - ob es noch weitere Täter gibt, muss noch geklärt werden.

Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft "Cybercrime" in Itzehoe

Die schleswig-holsteinischen LKA-Ermittler haben die Durchsuchungen gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) auf Antrag der Staatsanwaltschaft Itzehoe (Kreis Steinburg) geführt, die das Verfahren als Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft "Cybercrime" - also Computerkriminalität - federführend leitet. LKA und BKA haben eine gemeinsame Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.06.2020 | 10:00 Uhr

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