Stand: 05.02.2020 19:39 Uhr

Busfahrer streiken weiter

Die Gewerkschaft ver.di hat am Mittwoch die Warnstreiks der Busfahrer im Norden Schleswig-Holsteins noch einmal ausgeweitet. An den Streiks beteiligen sich auch die privaten Unternehmen Autokraft und Rohde. Betroffen sind laut ver.di Flensburg und Umland sowie die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland. In Nordfriesland soll der komplette öffentliche Nahverkehr auf dem Festland seit Betriebsbeginn um 4 Uhr morgens bis Betriebsschluss um 2 Uhr nachts stillstehen.

Auswirkungen vor allem im Schülerverkehr spürbar

Etwa 400 Busfahrer legten die Arbeit am Mittwochmorgen nieder. Schüler mussten auf Alternativen zurückgreifen, um zur Schule zu gelangen. Deshalb brachten viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto. Der Schülerverkehr für inklusiv beschulte Kinder einschließlich der Sonderverkehre zu den Förderzentren war nach Angaben eines Kreissprechers vom Streik nicht betroffen.

Busverkehr in Flensburg auch weiter eingeschränkt

In Flensburg und Umgebung mussten sich Pendler und Schüler weiter auf erhebliche Behinderungen im Stadtbus-Verkehr einstellen - und das bis Betriebsschluss am Mittwochabend. Ver.di hatte am Dienstag erneut die Fahrer des Betreibers AktivBus zum Warnstreik gerufen. Konkret betroffen sind nach Angaben des Betreibers alle Stadtbusverbindungen bis auf Linie 13, die nach dem bekannten Baustellenfahrplan fährt:

  • Die Linien 1, 3 und 5 Ring A fallen komplett aus. Auf Linie 2 gibt es nur wenige Fahrten frühmorgens.

  • Die Linien 4, 5 Ring B, 7, 10, 11, 12 und 14 werden mit einem (zum Teil deutlich) reduzierten Fahrtenangebot fahren.

AktivBus rechnet damit, dass es auf den stattfindenden Fahrten voraussichtlich durch die erhöhte Fahrgastzahl zu Verspätungen kommen wird.

Forderung: Arbeitgeberverband soll nachlegen

Streikende Busfahrer stehen im Halbkreis und tragen gelbe Westen und Fahnen. © NDR Foto: Jan Altmann
Streikende Busfahrer versammeln sich am Mittwoch bei einer Kundgebung bei Autokraft in Flensburg.

Bei der zentralen Kundgebung im Flensburger Autokraft-Depot unterstrich Landesstreikleiter Karl-Heinz Pliete erneut die Forderung der Gewerkschaft: "Wir hoffen, dass der Arbeitgeberverband das Signal verstanden hat und jetzt nochmal nachlegt und uns ein Stück entgegenkommt." Man sei aber auch darauf vorbereitet, weitere Aktionen zu unternehmen, sofern kein Ergebnis zustande kommt, so Pliete.

Diverse Kreise und Städte seit Mitte Januar betroffen

Seit Mitte Januar ruft die Gewerkschaft ver.di die Busfahrer in den größeren Städten immer wieder zu Warnstreiks auf. Am 14. Januar waren Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg betroffen. Vergangene Woche startete ver.di mit einem dreitägigem Bus-Warnstreik in Neumünster. Freitag und Sonnabend blieben die Busse in Kiel in ihren Depots, am Sonntag und am Montag in Lübeck. Zusätzlich wurden die Warnstreiks auch auf die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg ausgeweitet. Die Mitarbeiter der Unternehmen Dahmetal, der Ahrensburger Betriebsgesellschaft und des Autokraft-Standorts Bad Oldesloe waren am Montag aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen.

Gewerkschaft will zwei Euro mehr Stundenlohn für Busfahrer

Hintergrund für die Arbeitsniederlegungen sind die Tarifverhandlungen mit dem kommunalen Arbeitgeberverband und dem Omnibusverband Nord (OVN). Die Gewerkschaft fordert von beiden Verbänden rückwirkend zum 1. Januar 2020 einen Festbetrag von etwa zwei Euro pro Stunde mehr, also etwa 350 Euro mehr Gehalt im Monat. Die Tarifverträge soll nach den Vorstellungen der Gewerkschaft eine Laufzeit von zwölf Monaten bekommen.

Arbeitgeber: Forderung viel zu hoch

Laut kommunalen Arbeitgebern entspricht die ver.di-Forderung einer Erhöhung von 14 Prozent. Sie weisen die Forderung als zu hoch zurück und haben zuletzt 1,8 Prozent mehr Geld in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr angeboten. Die vierte Verhandlungsrunde für den öffentlichen Busverkehr soll am Freitag in Flensburg beginnen. Beim privaten Busgewerbe geht es am 11. Februar weiter. Bis dahin, so ein ver.di-Sprecher, könnte es noch weitere Aktionen geben. Der Busverkehr in den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland soll ab Donnerstag aber erst einmal wieder planmäßig laufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.02.2020 | 17:00 Uhr

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