Eine Mine in der Ostsee wird gesprengt. © dpa Foto: Carsten Rehder

Bundeswehr verzichtet auf Sprengversuche in der Ostsee

Stand: 12.10.2020 12:22 Uhr

Die Bundeswehr führt vorerst keine Sprengversuche in der Ostsee vor Schönhagen bei Eckernförde mehr durch. Im Vordergrund steht der Naturschutz. Eigentlich sollten die Übungen Ende des Monats starten.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte einen entsprechenden Bericht des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (SHZ). Der Naturschutz spiele für die Bundeswehr eine große Rolle, begründete ein Sprecher der Bundeswehr die Entscheidung. Deshalb werde man darauf vorerst verzichten. Wenn die Fragen des Naturschutzes geklärt sind, will das Bundesverteidigungsministerium das Thema nochmal neu überdenken.

Die Sprengung einer Seemine in der Ostsee.  Foto: Probsteier Herold

AUDIO: Bundeswehr setzt Ansprengversuche in Ostsee aus (1 Min)

Umweltschützer kritisieren Projekt seit Jahren

Das dürfte den Gegnern der Sprengversuche gefallen: Sie hatten jahrelang kritisiert, dass vor allem Schweinswale durch die von den Explosionen ausgelösten Druckwellen leiden könnten. Sie forderten deshalb, dass die Bundeswehr einen Blasenschleier verwendet, der die Schallwellen im Wasser abdämpft. Es handelt sich um ein Verfahren, das auch beim Bau von Windkraftanlagen im Meer verwendet wird.

Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) setzte sich für diese Schutzmaßnahme ein. Er hatte lang und oft mit der Bundeswehr über den Naturschutz diskutiert: "Auch die Bundeswehr muss sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Und ich denke, das ist jetzt ein gutes Signal, dass jetzt bei der Bundeswehr auch ein Umdenken stattfindet und man das Thema ernst nimmt", sagte Albrecht.

Sperrgebiet bei Schönhagen extra eingerichtet

Jahrelang hatte die Bundeswehr das Vorhaben geplant: Extra für diesen Zweck hatte der Bund ein Sperrgebiet nördlich vor Schönhagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) in der Ostsee eingerichtet. Vorgesehen waren Sprengversuche auf die ausgemusterte Fregatte "Karlsruhe". Bis zu 500 Kilogramm Sprengstoff sollten in der Nähe des Rumpfes gezündet werden, um die Auswirkungen auf das Schiff zu testen. Außerdem sollten dort Maschinengewehre und Panzerfäuste getestet werden.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.10.2020 | 12:00 Uhr

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