Stand: 09.04.2018 18:55 Uhr

"Bonebank": Die Knochen-Datenbank von Lübeck

Bei etwa zehn Prozent der Menschen, die sich einen Knochen brechen, wächst dieser nicht mehr richtig zusammen. Eine mögliche Lösung für dieses Problem entsteht aktuell in Lübeck. Der Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am UKSH in der Hansestadt, Arndt-Peter Schulz, arbeitet mit seinem Team seit zwei Jahren an einer "Bonebank". Eine Art Knochen-Datenbank, in der die Forscher bei -180 Grad Celsius mikroskopisch kleine Knochenstückchen sammeln. Mit diesen Knochenstückchen soll Patienten geholfen werden, die nach einem Bruch Probleme haben.

Knochenzellen können gespendet werden

Denn aus den kleinen Stückchen können Knochenzellen generiert werden, die dann einem Patienten reimplantiert werden und somit die Heilung ermöglichen können. "Die Idee ist, dass ein Patient, der einen Unfall hatte und eine Komplikation entwickelt, seine Zellen wiederbekommen kann", erklärt Schulz. Auch noch Monate nach dem Unfall soll das möglich sein. Alternativ gibt es die Möglichkeit, die Knochenstammzellen einem genetisch ähnlichen Patienten zur Verfügung zu stellen.

Mittlerweile sind in der "Bonebank" gesunde Knochenzellen von 100 Patienten, die bei Operationen entnommen wurden. Denn es gibt bei vielen Routine-Eingriffen Knochenmaterial, das sonst einfach entsorgt wird.

Erste Reimplantation schon in einem Jahr?

Aktuell forschen Schulz und sein Team daran, ein möglichst schonendes Verfahren zu entwickeln, die Knochenstückchen einzufrieren und dann anschließend wieder aufzutauen. Außerdem müssen die Tausenden Zellen, die pro Spender in der "Bonebank" liegen, vervielfacht werden. Denn um zu helfen, brauchen die Ärzte Millionen von Zellen.

"Dieser Prozess muss noch deutlich verbessert werden", erklärt Schulz. Bis es soweit ist, dass der Professor und sein Team die Knochenzellen reimplantieren können, wird es laut Schulz noch etwa ein bis eineinhalb Jahre dauern.

Auch ältere Patienten können Zellen spenden

Eine erste Erkenntnis haben die Wissenschaftler allerdings schon: Knochenstammzellen können nicht nur von jungen, sondern auch von älteren Patienten gewonnen werden. Unklar ist allerdings, ob der Gesundheitszustand eines Patienten Einfluss auf die Knochenstammzellen hat.

Weitere Informationen

UKSH Lübeck: Pillen aus dem Automaten

Im Lübecker Uni-Klinikum hilft ein Roboter bei der Medikamenten-Vergabe. Er verpackt die Pillen in kleine Tütchen und unterstützt die Ärzte sogar beim Verschreiben der Medizin. (14.03.2018) mehr

Frühchensimulator "Paul": Üben für den Ernstfall

Kommt ein Frühchen zur Welt, zählt jede Sekunde. Am Lübecker UKSH trainieren Ärzte und Assistenten deswegen den Ernstfall an "Paul" - einem 50.000-Euro-Simulator. (10.02.2018) mehr

UKSH in Kiel hat jetzt hochmodernes OP-Zentrum

In zweieinhalb Jahren ist am UKSH in Kiel ein Hightech-Operationsbereich entstanden - mit 15 OP-Sälen, in denen robotergestützte Eingriffe möglich sind. Die Kosten: 27,5 Millionen Euro. (21.12.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.04.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:16
Schleswig-Holstein Magazin

Flensburger Studenten wollen landesweites Ticket

14.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:13
Schleswig-Holstein Magazin

Fußball-Legende Horst Hrubesch sammelt Spenden

14.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:31
Schleswig-Holstein Magazin

Angst vor Asbest: Elternabend in Reinbek

14.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin