Stand: 07.02.2018 21:00 Uhr

Bitterer Beigeschmack bei Korvetten-Baustart

von Andreas Schmidt

Das Fördewasser schwappt langsam im gleißenden Sonnenlicht hin und her. Hier und da haben sich schon Eisschollen gebildet. Es kracht leise, als das Boot der Wasserschutzpolizei hier, vor den Docks der German Naval Yards, seine Kreise zieht. Das Boot ist das einzige äußere Zeichen dafür, dass etwas anders ist als sonst. Und wenn es nach dem israelischen Verteidigungsministerium gegangen wäre, dann wäre es auch so geblieben. Auch der Essener Konzern ThyssenKrupp hätte die Veranstaltung in der Kieler Förde gerne verschwiegen. Es ist Brennstart. Das bedeutet, dass in den Hallen der Werft die ersten Platten aus dem Stahl geschnitten werden, aus dem einmal vier Korvetten für Israel entstehen sollen. ThyssenKrupp Marine Systems hat den Auftrag bekommen, German Naval Yards wird die Kriegsschiffe im Wesentlichen bauen.

Ursprünglich waren Schiffe aus Südkorea geplant

Die Umstände der Auftragsvergabe haben in Israel zu einem handfesten Korruptionsskandal geführt, der bis heute nicht ausgestanden ist. Israel braucht die Korvetten, um die eigenen Gasfelder draußen im Mittelmeer zu beschützen. Ursprünglich waren ganz andere Schiffe im Gespräch. "Die israelische Marine wollte Korvetten aus Südkorea kaufen," sagt Raviv Drucker. Er ist Reporter bei dem israelischen Sender Channel 10 und arbeitet seit anderthalb Jahren an diesem Thema. "Doch dann haben sie sich auf einmal umentschieden", erinnert sich Drucker. "Dann sollten es auf einmal die deutschen Schiffe sein. Obwohl die viel größer sind. Obwohl sie teurer sind und später fertig werden."

Hat der Mittelsmann israelische Regierungsbeamte bestochen?

Warum dieser Sinneswandel? Zentrale Figur bei den Geschäften von ThyssenKrupp in Israel war seit 2009 Miki Ganor, ein sehr gut vernetzter Geschäftsmann. Er arbeitete auf Provisionsbasis für den Essener Konzern. Er steht im Verdacht, israelische Regierungsbeamte bestochen zu haben, damit ThyssenKrupp den Auftrag für die Korvetten bekommt. Auch bei den vorherigen U-Boot Geschäften soll er bestochen haben. Die Staatsanwaltschaft in Israel untersucht die Fälle. Ganor hat mittlerweile eine Kronzeugenregelung unterschrieben und wird seit Monaten vernommen.

Verteidigungsministerium schweigt

ThyssenKrupp hat eine eigene Untersuchung angestellt, das Vertragsverhältnis mit Ganor ruht. "Wir stehen für saubere Geschäfte," betont Konzernsprecher Tim Proll-Gerwe im Interview mit dem NDR Schleswig-Holstein Magazin. Pikant: Der deutsche Steuerzahler unterstützt das Korvettengeschäft mit bis zu 115 Millionen Euro, ein knappes Drittel der Kaufsumme. Aus dem deutschen Verteidigungsministerium ist zu vernehmen, "angebliche Korruptionsvorwürfe sind eine interne Angelegenheit Israels und werden vom Verteidigungsministerium nicht kommentiert."

Allerdings behält sich die Bundesregierung vor, weitere U-Boot Geschäfte mit Israel nicht mehr zu unterstützen, sollten sich die Korruptionsvorwürfe als wahr erweisen. Das Kieler Korvettengeschäft wird davon aber nicht mehr betroffen sein.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.02.2018 | 19:30 Uhr

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