Azubis in der Pflege: Motivation trotz schlechter Bezahlung

Stand: 14.01.2022 05:00 Uhr

Wer heute einen Pflegeberuf anstrebt, der weiß um die Rahmenbedingungen. Klar ist: Das Gehalt oder die Arbeitszeiten sind vermutlich nicht der Antrieb für die Berufswahl. Woraus ziehen Pflege-Azubis dann ihre Motivation?

Sarah Gunst ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr in der LungenClinic Großhansdorf im Kreis Stormarn. Für sie sind es vor allem die zwischenmenschlichen Begegnungen, die ihre Freude am Pflegeberuf täglich neu entfachen. "Es ist ein superschöner Beruf und man kriegt auch immer etwas wieder vom Patienten. Ganz viel Dankbarkeit und man geht mit einem superschönen Gefühl nach Hause, dass man da war für die Patienten und dass man geholfen hat". Ihrem Kollegen Luca Holland geht es ähnlich. Sein Praktikum war für ihn der Impuls, in die Pflege einzusteigen. Seitdem arbeitet er als Aushilfe und in Kürze beginnt er seine Ausbildung zum Krankenpfleger.

Arbeitsbelastung vertreibt viele Pflegekräfte

Mit ihrer Begeisterung sind die beiden nicht allein. Dennoch haben vor allem die beruflichen Rahmenbedingungen dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren viele Fachkräfte der Pflegebranche den Rücken gekehrt haben. Corona hat diesen Trend noch einmal verschärft. Gleichzeitig steigt die Zahl der Pflegebedürftigen schneller, als neues Personal nachkommt. Laut einer Studie der Bremer Arbeitnehmerkammer, der Arbeitskammer des Saarlandes sowie des Instituts Arbeit und Technik ist die Arbeitsbelastung der Hauptgrund dafür, weshalb der Pflegebranche viele Fachkräfte verloren gehen.

Auch Sarah Gunst und Luca Holland müssen im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten, an Wochenenden und Feiertagen. Überstunden sind an der Tagesordnung, denn die Personaldecke ist extrem dünn und die Belastung hoch.

VIDEO: Pflege braucht Forschung, Innovation und Professionalisierung (8 Min)

Idealismus als Jobkriterium?

Zwei Pflegende helfen einem Patienten aus einem Stuhl. © NDR
Viele Menschen, die in der Pflege arbeiten, wünschen sich mehr Anerkennung.

Unvergessen sind die Bilder vom Beginn der Pandemie, als die Pflegekräfte öffentlich beklatscht wurden. Doch schon damals wünschten sich viele eine handfestere Art der Anerkennung, beispielsweise durch eine bessere Bezahlung. Auch Sarah Gunst sieht hier Nachholbedarf. Gerade im Verhältnis zur Verantwortung, die man als Pflegekraft trage, könne es mehr sein. Luca Holland findet die Bezahlung in Ordnung. "Man muss viel leisten, körperlich und mental, aber ich finde, was an Lohn kommt, ist schon nicht schlecht."

Anspruchsvolle Tätigkeit

Gründe, die eine bessere Bezahlung rechtfertigen, gibt es viele. Die Ausbildung ist komplex und die tägliche Arbeit höchst anspruchsvoll. Dabei geht es nicht nur um Empathie und Hilfsbereitschaft, sondern auch um ganz handfeste Routinen und Fähigkeiten. Sarah Gunst trainiert in ihrer Ausbildung beispielsweise gerade die Blutgasanalyse. Aus den Werten der Untersuchung kann später abgeleitet werden, ob ein Patient mehr oder weniger Sauerstoff benötigt. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn in das Röhrchen mit Blut dürfen keine Luftblasen gelangen. Auch dieser medizinische Aspekt ihrer Arbeit begeistert sie.

In einem Jahr ist Sarah Gunst mit ihrer Ausbildung fertig. Die Pflege kann sie gut gebrauchen, denn Arbeit gibt es reichlich.

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